Ingolstadt

Retterin der Lüfte

In ganz Deutschland gibt es nur zwei ADAC-Rettungspilotinnen - eine ist in Ingolstadt stationiert

03.04.2018 | Stand 02.12.2020, 16:37 Uhr
Startklar: Von sieben Uhr bis Sonnenuntergang ist Christoph 32, der Ingolstädter ADAC-Rettungshubschrauber einsatzbereit. Wenn es ernst wird, ist der Flieger binnen 90 Sekunden startklar und Pilotin Sandra Hohner geht in die Luft. −Foto: ADAC Südbayern

Ingolstadt (DK) In der ADAC Luftrettung gibt es deutschlandweit nur zwei Frauen unter 150 Piloten. Eine von ihnen ist Sandra Hohner. Sie fliegt den Hubschrauber Christoph 32, der am Ingolstädter Klinikum stationiert ist.

Ihr bevorzugter Landeplatz ist die grüne Wiese. Nicht immer kann die Pilotin den Ingolstädter Rettungshubschrauber Christoph 32 jedoch auf dem flachen Land absetzen. Aber auch bei kniffligen Landemanövern hat Sandra Hohner (39) den Steuerknüppel souverän im Griff. Sie ist eine von zwei Pilotinnen in der gemeinnützigen ADAC Luftrettung bundesweit. Lediglich im niedersächsischen Sanderbusch an der Nordsee fliegt noch eine Kommandantin auf Christoph 26, alle anderen ihrer 148 Kollegen sind Männer. Seit Anfang des Jahres startet sie von der ADAC Luftrettungsstation am Klinikum zu den oft "zeitkritischen" Einsätzen, wie es in der Sprache der Retter heißt.

In Ingolstadt ist sie nicht ganz unbekannt: Bereits von 2011 bis 2013 saß sie als Co-Pilotin im Cockpit von Christoph 32 und
absolvierte dort die anspruchsvolle Ausbildung zur "Hubschrauberführerin", so die offizielle Berufsbezeichnung. Nach Zwischenstationen auf den ADAC Luftrettungsstützpunkten Bautzen, Straubing und Suben (Oberösterreich) sowie einer eineinhalbjährigen Elternzeit, ist sie nun fest in Ingolstadt stationiert. "Ingolstadt ist meine zweite Heimat, hier fühle ich mich einfach wohl", erzählt die Mutter zweier Kinder aus Hattenhofen in Baden-Württemberg.

Mit rund 2000 Flugstunden ist Sandra Hohner eine erfahrene Pilotin, trotzdem ist jeder Einsatz eine Herausforderung. Egal, was kommt: Ruhe bewahren und konzentriert arbeiten lautet ihr Rezept selbst bei Kindernotfällen, die ihr als Mutter ganz besonders nahe gehen. Über ihre Rolle als Frau in einem männerdominierten Beruf meint sie selbstbewusst: "Meine Entscheidungen werden von den medizinischen Besatzungsmitgliedern genauso akzeptiert wie von meinen männlichen Kollegen. Wenn ich beispielsweise beim Landeanflug auch nur den Funken eines unguten Gefühls habe, breche ich selbst unter hohem Zeitdruck ab. Da gibt es keine Diskussionen." Negative Erfahrungen auf ihren Einsätzen musste sie bisher keine machen, sie erinnert sich eher an Geschichten zum Schmunzeln: "Einmal hatte ich die Triebwerke meines Hubschraubers abgestellt und wartete an der Maschine auf den Notarzt und Rettungsassistenten, als mich ein Passant fragte, wo denn hier der Pilot sei". Solche Momente nimmt Sandra Hohner mit Humor und erntet viel Respekt auf die Erklärung, dass sie das Kommando über den Hubschrauber habe.

Neben Sandra Hohner teilen sich auf der Ingolstädter Station zwei weitere Piloten der ADAC
Luftrettung, sechs Rettungsassistenten vom Bayerischen Roten Kreuz und 15 Notärzte aus dem Klinikum die Dienste. 1558-mal sind sie im vergangenen Jahr gestartet, um Leben zu retten und halfen dabei 1412 Patienten. Der Einsatzradius von Christoph 32 liegt bei rund 70 Kilometern, die Maschine fliegt in etwa 500 Fuß hoch und bis zu 270 km/h schnell. Alarmiert werden die Besatzungen von der integrierten Leitstelle Ingolstadt (Notruf 112).