Eichstätt

Ratskeller wird Übergangswohnheim für afghanische Ortskräfte

Landrat und Oberbürgermeister unterstützten das Projekt der Regierung von Oberbayern - Es ist das erste in der Region

17.12.2021 | Stand 17.12.2021, 19:43 Uhr
Das ehemalige Hotel Ratskeller in Eichstätt, das Ende 2018 geschlossen wurde, dient nun als Übergangswohnheim für afghanische Ortskräfte und andere Kontingentflüchtlinge. Es ist das bisher einzige in der Region. −Foto: Chloupek

Eichstätt - Die Regierung von Oberbayern hat in der Stadt Eichstätt ein Übergangswohnheim mit Platz für bis zu 60 Personen eröffnet. Diese Einrichtung dient neben der Unterbringung von afghanischen Ortskräften und ihren Familienangehörigen auch der Aufnahme sogenannter Kontingentflüchtlinge des "Humanitären Aufnahmeprogrammes" (HAP) sowie von Personen aus dem "Resettlement-Programm" des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR), das sich an vulnerable Personen mit besonders hohem Schutzbedarf richtet.

Die Unterkunft befindet sich, wie Pressesprecher Wolfgang Rupp auf Rückfrage unserer Zeitung bestätigt, im ehemaligen Hotel Ratskeller, das Ende 2018 geschlossen und von der Regierung angemietet wurde. Sie ist bisher die einzige in der Region Ingolstadt. Die nächstgelegene der insgesamt zwölf Einrichtungen in Oberbayern ist in Freising.

Die Unterkunft in dem ehemaligen Hotel verfügt über 33 überwiegend Einzel- und Doppelzimmer mit jeweils eigenem Bad mit Dusche und WC, dazu gibt es einen gemeinsamen Küchenbereich sowie eine Einliegerwohnung für eine größere Familie. Rupp berichtet von einem "sehr reibungslosen Verlauf" in Eichstätt. Landrat Alexander Anetsberger und Oberbürgermeister Josef Grienberger (beide CSU) unterstützen die Einrichtung.

"Sehe moralische Verantwortung"

"Wir haben alle noch die aufwühlenden Bilder des dramatischen und chaotischen Truppenabzugs des internationalen Kommandos aus Afghanistan vor Augen. Eine diplomatische und militärische Fehleinschätzung verhinderte einen geordneten Abzug und eine planmäßige Evakuierung nicht nur der deutschen Staatsbürger, sondern auch und vor allem der afghanischen Ortskräfte. Ich sehe eine moralische Verantwortung zur Aufnahme und Versorgung dieser Helferinnen und Helfer sowie ihrer Familien. Stadt und Landkreis leisten nun ihren Beitrag zur Erfüllung dieser Verantwortung", sagt der Eichstätter Landrat. Oberbürgermeister Josef Grienberger betont: "Angesichts großer Not, wie sie die Menschen in Afghanistan erleben, ist es unsere Pflicht, zu helfen, wo wir können. Eichstätt war und ist eine bunte und vielfältige Stadt, in der alle Menschen ein Zuhause finden können, egal, woher sie kommen. Jetzt geht es erst einmal darum, dass die Menschen in Ruhe in Eichstätt ankommen können. In Kürze wird sich dann zeigen, wo und wie auch ehrenamtliches Engagement der Eichstätterinnen und Eichstätter gefragt sein wird. Dann werden wir noch einmal auf die Bevölkerung zugehen."

Kein gesondertes Asylverfahren

Regierungspräsidentin Maria Els betont die große Bedeutung dieser neuen Einrichtung und dankt der Stadt sowie dem Landratsamt für deren Unterstützung und die gute Zusammenarbeit. Übergangswohnheime werden als staatliche Einrichtungen von den Bezirksregierungen betrieben. Wie die Regierung mitteilt, reisen die Bewohnerinnen und Bewohner legal über eines der Aufnahmeprogramme in die Bundesrepublik ein. Nach ihrer Ankunft müssen sie kein gesondertes Asylverfahren mehr durchlaufen, sondern verfügen bereits über einen Aufenthaltsstatus, der es ihnen erlaubt, eine Arbeitsstelle anzunehmen sowie selbst eine Wohnung anzumieten. Bis die Personen eigenständigen Wohnraum gefunden haben, werden sie in Übergangsheimen untergebracht.
Noch im Dezember werden die ersten Personen in das neue Übergangswohnheim in Eichstätt einziehen. Dabei handelt es sich um neu im Bundesgebiet aufgenommene afghanische Ortskräfte sowie vier Personen aus dem Sudan und Eritrea. Weitere Familien werden zeitnah folgen.

EK/chl