Ingolstadt

Probleme zwischen Ukraine-Flüchtlingen und Roma

Trotz Spannungen unter Flüchtlingsgruppen leben diese weiter in gemeinsamer Unterkunft

27.04.2022 | Stand 30.04.2022, 3:34 Uhr
Hilfe für ukrainische Kriegsflüchtlinge in Ingolstadt kam oft aus privater Hand - etwa bei einem von der Fotografin Conny Hammer und Stadtrat Karl Ettinger organisierten Flohmarkt auf dem Parkplatz der ESV-Halle, in der Geflüchtete untergebracht sind. −Foto: Eberl (Archiv)

Die Gerüchteküche ließ Böses ahnen: Ein von der Regierung von Oberbayern als Teil des Ankerzentrums betriebenes Containerdorf in der Marie-Curie-Straße, eben erst komplett abgebaut, werde wieder aufgebaut.

Dort würden Roma-Familien getrennt von anderen Ukraine-Flüchtlingen untergebracht, nachdem es zuvor in einer Ingolstädter Gemeinschaftsunterkunft arge Probleme gegeben habe, war zu hören. Eine Anfrage unserer Zeitung bei der Regierung von Oberbayern und bei der Stadt brachte Klarheit: Fast nichts davon ist wahr.

Containerdorf wird nicht wieder aufgebaut

Es gebe weder Planungen noch Überlegungen, das abgebaute Containerdorf in der Marie-Curie-Straße 13 wieder aufzubauen, so Wolfgang Rupp, Sprecher der Regierung von Oberbayern. Auch Probleme zwischen unterschiedlichen Gruppen der Ukraineflüchtlinge kann die Regierung nicht bestätigen. Man habe in der Vergangenheit aus einzelnen Städten oder Landkreisen lediglich von Einzelfällen gehört. In der Anker-Einrichtung Manching/Ingolstadt befinden sich derzeit 85 Geflüchtete aus der Ukraine. Ukrainische Kriegsgeflüchtete, die privat keinen Wohnraum gefunden haben, werden in den Anker-Einrichtungen aufgenommen und nach wenigen Tagen auf die Gemeinschafts- und dezentralen Unterkünfte in den Landkreisen und kreisfreien Städten verteilt, so Rupp weiter.

Auch in Ingolstadt? Die städtische Pressestelle berichtet auf Anfrage von "teilweise Spannungen zwischen verschiedenen Geflüchteten in den Notunterkünften" in der Vergangenheit. Unter den rund 1160 Geflüchteten aus der Ukraine, die derzeit (ohne Anker-Einrichtung der Regierung) im Stadtgebiet untergekommen sind, sei ein geringer Anteil an ukrainischen Roma. In den städtischen Unterkünften lebten mehrere Roma-Familien mit insgesamt rund 40 Personen. Die Spannungen hätten unter anderem mit unterschiedlichen Lebensgewohnheiten bei gemeinsamer Unterbringung in einer Halle und gemeinsamer Nutzung der Gemeinschaftsflächen zu tun. "Dennoch werden alle neu ankommenden Ukrainer, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, weiterhin gemeinsam in den Hallen und nicht getrennt untergebracht. "

Ziel, Personen baldmöglichst anderweitig unterzubringen

Generelles Ziel sei, Personen aus Notunterkünften baldmöglich anderweitig unterzubringen. Bei sehr großen, kinderreichen Familien sei aufgrund der Familiengröße eine Verlegung aus den Notunterkünften in Wohnungen aber sehr schwierig, da kaum geeignete große Wohnungen verfügbar seien. Derzeit sind laut Stadtsprecher Michael Klarner die alte ESV-Halle und eine Halle in der Straußenlettenstraße mit Ukraine-Geflüchteten belegt. Die Paul-Wegmann-Halle wurde Anfang April wieder für den Schul- und Vereinssport freigegeben. Auch die Turnhalle Etting ist momentan nicht belegt und wird wieder für Vereinssport genutzt. Sie könnte bei Bedarf aber kurzfristig aktiviert werden. Die Container vor der Halle stehen weiterhin.

Von den im Stadtgebiet lebenden Geflüchteten aus der Ukraine sind derzeit etwa 110 Personen in städtischen Notunterkünften untergebracht. Rund 220 Kriegsflüchtlinge sind von der Stadt dezentral in Wohnungen und Hotels zugewiesen. Etwa 830 Menschen sind privat untergekommen, leben bei Familie, Freunden und Bekannten. Die genannten Zahlen umfassen nur Personen, die entweder durch die Stadt untergebracht sind oder, die sich bereits bei den Ausländerbehörden registriert haben. Grundsätzlich dürfen ukrainische Staatsangehörige visafrei nach Deutschland einreisen und sind bis zum 31. August von der Erfordernis eines Aufenthaltstitels befreit.

Laut Stadtsprecher Klarner sei zuletzt nur eine geringe Zahl von Geflüchteten neu nach Ingolstadt gekommen. Das Grundstück der vormaligen Dependance der von der Regierung betriebenen und abgebauten Anker-Einrichtung in der Marie-Curie-Straße 13 gehört der Stadttochter IFG und stünde der Stadt für die Unterbringung Geflüchteter grundsätzlich auch weiterhin zur Verfügung. Ein Wiederaufbau der vormaligen Container-Einrichtung sei aber auch vonseiten der Stadt nicht in Planung, betont Klarner. Ob durch weitere Fluchtbewegungen zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten benötigt werden, bleibe abzuwarten.

In der Marie-Curie-Straße befindet sich gleich neben der abgebauten Container-Anlage noch eine weitere von der Regierung betriebene Gemeinschaftsunterkunft. Hier leben momentan rund 140 Flüchtlinge aus 14 Nationen - insbesondere aus Nigeria, Afghanistan und Somalia. Keiner der hier untergebrachten Personen stammt aus der Ukraine.

DK

Ruth Stückle