Hettenshausen

Pro Woche bis zu 60 Augen-OPs

Winfried Grasbon mehrmals im Jahr in Afrika

03.04.2019 | Stand 02.12.2020, 14:17 Uhr
Zum Abschluss des Einsatzes im Mpanda im Oktober 2018 stellten sich Winfried Grasbon (hinten links) und ein Teil der Patienten zu einem Gruppenfoto auf. Auch Hans Wojta war bei dieser Reise mit in Tansania dabei. −Foto: Afrika-Blindenhilfe Hettenshausen

Hettenshausen (PK) An seinem 80. Geburtstag im Januar war Winfried Grasbon natürlich in Tansania - wie könnte es bei dem Hettenshausener Augenarzt auch anders sein. Die Mitglieder des Vereins Afrika-Blindenhilfe Hettenshausen nutzten einen kurzen Aufenthalt des Augenarztes in der Heimat nun zu einer kleinen Gratulation - bevor er sich auch schon wieder auf den Weg nach Tansania machte.

An seinem Ehrentag war Winfried Grasbon wieder in Afrika unterwegs, um dort Menschen an den Augen zu behandeln. "Um den Feierlichkeiten zu entkommen ist er nach Tansania gefahren", sagte Hans Wojta scherzend, als Grasbon vor Kurzem wieder zu Hause war. Der Verein Afrika-Blindenhilfe Hettenshausen nutzte diese Chance, um dem Doktor im Rahmen der Hauptversammlung zu gratulieren. Vereinschef Wojta überreichte einen Geschenkkorb.

"Man wird von selber alt", spielte Grasbon seinen 80. Geburtstag herunter. "Man kommt von allein näher an die Sterne." Doch die Vereinsmitglieder wollen diese Bescheidenheit so nicht gelten lassen. "Es ist beeindruckend, mit welchem Elan und mit welcher Ausdauer du das machst", sagte Wojta, der den Augenarzt im vergangenen Jahr bei einer seiner Reisen nach Tansania begleitet hatte. "Es hat mich aber auch beeindruckt, mit wie viel Respekt dir auch die Führungskräfte dort entgegen treten." Das sage viel über den Hettenshausener und seine inzwischen jahrelange Arbeit in dem afrikanischen Staat aus.

Auch jetzt Anfang April ist Grasbon wieder in Tansania, pro Woche stehen zwischen 50 und 60 Eingriffe auf dem Programm. Hin und wieder kommen auch andere Vereinsmitglieder mit nach Tansania - bei ihren Erzählungen kommt eines immer deutlich heraus: Was der Augenarzt in Tansania stemmt und wie vielen Menschen er hilft, lässt sich kaum in Worte fassen.

Da ist zum Beispiel die Geschichte von einem Mädchen, das Grasbon 2018 operieren sollte. Es war auf beiden Augen blind - kam aber nicht zum geplanten Termin. Hans Wojta und einige Helfer versuchten noch, das Kind zu finden, doch ohne Erfolg. Kurz vor der Abreise des deutschen Teams jedoch steht das Mädchen plötzlich da und Grasbon kann es noch operieren - wenig später sieht sich das Mädchen zum ersten Mal selbst über die Frontkamera eines Handys. "Wenn du das siehst, das berührt dich dermaßen", sagte Wojta.

Oder auch ein gut dreieinhalb Jahre alter Bub, ebenfalls komplett blind und sehr schüchtern. Vier Tage nach der OP kam der Verband ab - doch der Bub öffnete die Augen einfach nicht, sondern kniff sie fest zusammen. Die Reise war schließlich schon kurz vor dem Ende und die Helfer packten bereits das Equipment weg. "Da hab ich draußen ein Spektakel gehört", sagte Grasbon. Als er nach dem Rechten sah, entdeckte er den kleinen Buben, der begeistert mit einem Fußball spielte, ihn immer wieder zu anderen Patienten kickte und nun mit offenen Augen dastand.

Seit den 1990er Jahren reist Winfried Grasbon nach Afrika. Zu Beginn war der Hettenshausener augenarzt noch im Auftrag der Christoffel-Blindenmission in Ruanda aktiv, 1993 und 1995 folgten schließlich privat organisierte Operationsreisen nach Tansania. Im Jahr 1995 entstand schließlich der Verein Afrika-Blindenhilfe - und Grasbon reist mehrmals im Jahr für drei bis vier Wochen am Stück nach Tansania, inzwischen insgesamt 50-mal mit rund 6000 Operationen und etwa 14000 ambulanten Behandlungen.

Claudia Lodermeyer