Neuburg

Piraten wollen Innenstadt beruhigen

Michael Wittmair will weder Fußgängerzone noch Durchgangsverkehr

07.06.2013 | Stand 03.12.2020, 0:03 Uhr

Der Wittmair-Vorschlag für die untere Altstadt: Im Wesentlichen geht es um zwei Durchfahrtsperren und daraus resultierend zwei Ringverkehre. Der Neuburger Geschäftsmann verspricht sich davon eine Verkehrsberuhigung bei bleibender Kundenfreundlichkeit. Repro: Frank

Neuburg (DK) Vielleicht liegt die Kreisstadt zu weitab von der Küste. Jedenfalls waren die Piraten im tiefen Binnenland des Gasthauses Pfafflinger unter sich.

Gerade mal vier Mann Besatzung brachten sie auf, als Michael Wittmair seinen Verkehrsvorschlag für die Untere Altstadt präsentierte. „Wir arbeiten einen vernünftigen Kompromiss aus“, erklärte Bezirkstagskandidat Klaus Toll aus Schrobenhausen. Eine Fußgängerzone, wie sie von den Sozialdemokraten und den Linken favorisiert wird, geht den Piraten zu weit. Michael Wittmair, der seinen Laden in der Rosenstraße hat, sieht in dieser Maximallösung eine zu hohe Belastung für die Geschäftsleute. Das sei nicht kundenfreundlich und deshalb solle man auch nicht damit experimentieren, nimmt er die Haltung von Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) ein. Er will mit seinem Vorschlag „nach 30 Jahren Zwietracht in der Stadt Frieden säen“. Und der sieht so aus: Die Rosenstraße wird zwischen Mazillis- und Schmidstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt. Wer von der Schäffler- und Hirschenstraße kommt, kann also nicht mehr zur Luitpoldstraße abkürzen, sondern wird in einen Ringverkehr geleitet.

In gleicher Weise funktioniert es nördlich davon. Wer von der Luitpoldstraße in die Weinstraße einbiegt, kann nicht bis zur Hirschenstraße durchfahren, sondern nur rechts in die Schmidstraße einbiegen. Von dort aus geht es dann weiter in die Färber- oder alternativ durch die Rosenstraße zurück zur Luitpoldstraße. „Minimale Veränderung, optimale Wirkung“, propagiert Wittmair. „Der Abkürzungsverkehr und die Raser sind dann weg“, fügt er an. Die Parkplätze würden erhalten bleiben und die Kosten für ein paar Pflanztröge oder ähnliches hielten sich in Grenzen.

Dem Neuburger geht es bei seiner Alternative darum, Radfahrern und Fußgängern ungehinderten Zugang zu verschaffen, den Verkehr aber zu beruhigen und den Geschäftsleuten nicht die Kundschaft zu nehmen. „Hier gibt es auch Ärzte, deren Patienten zum Teil nur mit dem Auto vor die Praxis gelangen können“, erklärt er. In anderen Geschäften gebe es sperrige Waren, die die Kunden nicht weit tragen möchten. Und Verkehr herrsche sehr wohl. „In der Rosenstraße waren es bei einer Zählung innerhalb von drei oder vier Stunden 500 Autos“, sagt Wittmair. Und diese potenziellen Kunden würden dann vor der Stadt auf der grünen Wiese einkaufen, wenn das Zentrum zur Fußgängerzone würde. Bei seinem Vorschlag, da ist er sicher, bleibe die Innenstadt senioren- und familienfreundlich. „Wir wollen da einen verkehrsberuhigten Bereich schaffen. Das ist jetzt keiner“, schließt sich auch Klaus Toll der Wittmair-Argumentation an.

In der Tat führt allein schon der unterschiedliche Straßenbelag bislang zu Missverständnissen. Kaum einem Autofahrer ist bewusst, dass beispielsweise in der Schmid- und Färberstraße alle Verkehrsteilnehmer, also auch Fußgänger, die gleichen Rechte haben. Ein einheitlicher Belag steht zwar auch bei der Stadt auf der Agenda, doch hindern die hohen Kosten die rasche Realisierung. Wittmair hat seine Alternative – „die ist für den Einzelhandel verträglich“ – bereits in der Werbegemeinschaft präsentiert. Laut Toll wollen die Parteimitglieder – davon gibt es immerhin 60 im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen – in den kommenden Wochen entscheiden, ob sie ein eigenes Bürgerbegehren starten oder andere unterstützen.