Ingolstadt

Pinke Wuchtbrumme

17.04.2011 | Stand 03.12.2020, 2:55 Uhr

Lässt ihr Publikum mitmachen: Cindy aus Marzahn hatte vom ersten Moment an die ausverkaufte Saturn-Arena im Griff. - Foto: Strisch

Ingolstadt (DK) Das ist eine richtige Type – diese Cindy aus Marzahn. Einfach der Wahnsinn, wie sie vom ersten Moment an ihr Publikum im Griff hat, und wie die ausverkaufte Saturn-Arena in Ingolstadt für satte zwei Stunden brodelt, wenn die Berliner Schnauze palavert, was das Zeug hält.

Frau Cindy betritt pünktlichst die Bühne und erntet allein für ihr Erscheinen schon Jubel, Pfiffe und frenetischen Applaus. Viele Zuhörer haben sich für den Abend mit ihrem Idol in Pink gewandet, eine pinke Blume auf dem Kopf drapiert oder ein Prinzessinnen-Diadem ins Haar gebunden.
 
 
Cindy aus Marzahn nimmt in keinster Weise ein Blatt vor den Mund – ihr Programm "Nicht jeder Prinz kommt uff’m Pferd" lebt vor allem von der Interaktion mit ihren Fans, die mit ihr gemeinsam ein Feuerwerk an platten Kalauern, sexuellen Anspielungen und fröhlichem Mumpitz austauschen. Unter anderem Scherzfragen oder Liebeserklärungen, die per SMS auf die in der Pause eingeblendete Handy-Nummer gesendet wurden. Cindy räkelt sich zum Vorlesen auf einem überdimensionalen pinkfarbenen Thron und amüsiert sich selber köstlichst über ihren derben Humor und ihre spontanen Witze. Comedy kann so erholsam sein, wenn es mal nicht um Politik und weltbewegende Themen geht.
 

Bei Cindy dreht sich alles um die vergebliche Suche nach ihrem Traumprinzen – tiefsinnig ist an diesem Abend lediglich die Frage, warum die Menschen gerade alles hinterfragen. Und so blödelt sich die pinke Wuchtbrumme durch ihr Programm, erzählt von ihren Erlebnissen beim Einkaufen mit ihrer besten Freundin, einem nicht gerade erfolgreichen Fitness-Studio-Besuch, einem gescheiterten VHS-Anti-Aggressionskurs, dem Besuch einer Ü 30-Singleparty oder dem Versuch, per Wahrsager den richtigen Mann für sich zu finden.

Cindy aus Marzahn macht nach eigener Aussage "Randgruppen-Comedy", die jedoch offensichtlich ziemlich massenkompatibel ist. Wenn sie das eine oder andere Liedchen singt (natürlich stilecht im Voll-Playback) oder ihre Banane mit einer Rossbratwurst präpariert hat, weil sie immer nach Süßem (Schokolade aus dem Publikum) Lust auf was Deftiges hat, wenn sie von ihrer Schildkröte Helga erzählt oder von ihrem Job in der Glückskeksfabrik und wenn sie aus ihrem "Aufklärungsratgeber" vorliest, landet sie einen Lacher nach dem anderen. Cindy aus Marzahn ist ein Phänomen – ihr Programm lebt von spontanen Zurufen und Mitmachaktionen. Selbstverständlich schmelzen bei den Fans die Herzen, wenn sie am Ende der Show den elfjährigen Fritz aus Hepberg zu ihrem "Prinzen des Abends" kürt und ihn auf ihrem Pferd Achim per Euro-Einwurf zu ihrem Schlusslied auf der Bühne reiten lässt.