Ingolstadt

Paradiesische Zustände im Festungsgraben

Der Verein Wasserrose unterhält in der Fronte Rechberg ein idyllisches Rückzugsgebiet für Mensch und Tier

11.07.2013 | Stand 02.12.2020, 23:55 Uhr

Freizeit-Tierpflegerinnen: Maximiliane Kahl (links) und Kristin Endner sind fast täglich in der Fronte Rechberg, um beim Versorgen der Tiere des Vereins Wasserrose zu helfen. Wichtig sind dabei auch ein paar Streicheleinheiten für die Zwergziegen Silvestra und Rosie - Foto: Rössle

Ingolstadt (DK) Die Mitglieder des Vereins Wasserrose nennen die Fronte Rechberg ein „Paradies mitten in der Stadt“. Hier versorgen sie zahlreiche Sittiche, Fische, Schildkröten, eine Schlange und zwei Zwergziegen, die woanders keinen Platz mehr hätten. Besucher sind dabei jederzeit willkommen.

Den Ingolstädter Verein Wasserrose gibt es schon seit mehr als 60 Jahren, und obwohl das Vereinsheim und das dazugehörige Freigelände mitten in der Stadt liegen, kennen ihn nur wenige Schanzer. Das mag daran liegen, dass der Verein bisher „nicht so die Werbung“ gemacht hat, wie Vorsitzender Heribert Kruse einräumt. Dabei haben die Vereinsmitglieder gerne Gäste.

Vom nordöstlichen Glacis aus geht es durch ein Metalltor, einen geschlängelten Weg hinunter in den Hof des historischen Festungsbaus. In der Mitte ist ein Tümpel angelegt, in einigen Vogelvolieren flattern bunte Sittiche, ein Pfau stolziert durch das Areal. „Es ist ein Paradies mitten in der Stadt“, sagt Kruse. Die elfjährige Maximiliane Kahl und ihre drei Jahre ältere Freundin Kristin Endner sind so oft es geht „hier unten“, wie sie sagen. Jeden Tag müssen die Vögel gefüttert und mit frischem Wasser versorgt werden. „Vor allem jetzt im Sommer“, sagt Jana Endner, Kristins Mutter, die mit ihrem Mann Hans regelmäßig die Tiere versorgt. Die beiden Mädchen helfen, wo sie können. Manchmal gilt es auch, Tische und Bänke in dem kleinen Biergarten aufzustellen, denn gefeiert wird beim Verein Wasserrose gern. Erst gestern war Seniorennachmittag mit Kaffee und Kuchen. „Kameradschaft und Gemütlichkeit werden bei uns hoch geschätzt“, sagt Hans Endner.

„Wer uns besuchen will, ist herzlich willkommen“, sagt Vereinsvorsitzender Kruse. Außer montags und mittwochs ist das Gelände jeden Tag ab 16 Uhr geöffnet. Am Sonntag zusätzlich von 9 bis 12 Uhr. Auch über neue Mitglieder würde man sich bei der Wasserrose freuen. Derzeit sind es 146. Die meisten sind schon im gesetzteren Alter. Sogar zwei Gründungsmitglieder aus dem Jahr 1951 sind noch dabei.

Im Mittelpunkt stehen freilich die Tiere. Vor allem sind es Vögel, die hier leben. Maximiliane und Kristin kennen sie alle: „Rotbauchsittiche, Wellensittiche, Pennantsittiche, Prachtrosella, Ziegensittiche“ zählen sie auf. Mindestens genauso viel Spaß machen allerdings die beiden Zwergziegen Rosie und Silvestra. „Die heißt so, weil sie an Silvester auf die Welt gekommen ist“, erklärt Maximiliane. Nicht alle Tiere in der Wasserrose haben Namen. Vor allem bei den zahlreichen Vögeln ist es schwer, den Überblick zu behalten. Es gibt aber Ausnahmen: Kristins Wellensittich Manni zum Beispiel, der so heißt, obwohl er eigentlich ein Weibchen ist. Das wusste man bei der Taufe allerdings noch nicht. Die Elfjährige hat den Vogel aufgezogen und ihn dann zu den anderen in die Voliere gebracht.

Die meisten Tiere in der Fronte Rechberg sind „Abgabevögel“, wie Jana Endner sagt. Tiere also, die woanders aus Haltungen befreit werden mussten, oder von Tierfreunden gebracht werden, die sich selber nicht mehr kümmern können. Erst vor vier Wochen hat die Familie Endner 13 farbenprächtige Sittiche aus einer viel zu kleinen Voliere im Tegernseer Raum abgeholt. „Die konnten dort nicht einmal fliegen“, sagt Hans Endner. Vielleicht haben die Behörden den Vorbesitzer gezwungen, die Vögel abzugeben. Beim Verein Wasserrose scheinen sie sich jedenfalls wohl zu fühlen, genauso wie die meisten Menschen, die hierher kommen.