Greding/Thalmässing

Nur wenn es unbedingt notwendig ist

Übungen und Ausbildung sind bei der Feuerwehr auf Eis gelegt - Pandemie verhindert auch Wahlen

08.01.2021 | Stand 13.01.2021, 3:33 Uhr
Notwendige Arbeiten wie das Registrieren der neuen Atemschutzgeräte, zu denen sich Wolfgang Meier (links) und Thomas Lederer im Thalmässinger Gerätehaus getroffen haben, sind erlaubt - mit Abstand und Maske. −Foto: A. Karch

Greding/Thalmässing - Keine Übungen, keine Winterschulungen, keine Bambiniwehr-Nachmittage, keine Familienfeste, keine Schlachtschüssel und auch keine Jahresversammlungen oder Wahlen: Die Corona-Pandemie bremst auch die Feuerwehren seit über zehn Monaten gewaltig aus. Und sogar bei Einsätzen ist nichts wie früher, denn auch dann gelten für Feuerwehrleute die AHA-Regeln mit Mindestabstand, Hygiene und Mundschutz.

"Zu Übungen können wir uns nur treffen, wenn es unbedingt notwendig ist", schildert Kreisbrandrat Werner Löchl die derzeitige Lage. Und die Einstufung "unbedingt notwendig" trifft nur auf ganz wenige Übungen zu. Eine dieser Ausnahmen hat erst vor kurzem stattgefunden: Die First Responder Gruppe, die bei der Feuerwehr Rohr angesiedelt ist, wurde medizinisch geschult. "Jetzt kann die Feuerwehr bei ihren Mitgliedern selbst Schnelltests durchführen", erklärt Löchl. "Wenn wir zum Beispiel ein Altenheim räumen müssten, können wir sicherstellen, dass unsere Leute nichts haben." Diese Einweisung diene der Eigensicherung der Feuerwehr, "deshalb haben wir es selbst in die Hand genommen".

"Normale" Übungen seien einfach nicht durchführbar, weil es einen großen Aufwand bedeute, alles zu desinfizieren, Masken anzulegen oder auch extra Handschuhe. Zudem könne bei den Übungen der Mindestabstand nicht eingehalten werden. Atemschutzgeräteträger müssen eigentlich einmal im Jahr auf die Übungsstrecke des Landkreises, erklärt der Kreisbrandrat. "Aber das ist einfach nicht machbar, allein wegen der notwendigen Desinfektion der Masken." Deshalb gibt es für die Pandemiezeit eine Ausnahmeregelung. Das gilt zum Beispiel auch für die Feuerwehrführerscheine, die einfach verlängert werden. "Wir leben im Moment mit Ausnahmegenehmigungen", sagt Löchl seufzend. "Die Neuausbildung von Atemschutzträgern, Maschinisten oder das Ablegen von Lkw-Führerscheinen schieben wir im Moment vor uns her."

Möglich seien derzeit beispielsweise Bewegungsfahrten der Maschinisten, zu zweit, mit Maske und Abstand. Oder Arbeiten wie das Registrieren von neuen Atemschutzgeräten, die die Bahn den Feuerwehren an der ICE-Trasse alle paar Jahre zur Verfügung stellt. So haben in den vergangenen Tagen zum Beispiel Thomas Lederer und Wolfgang Meier im Thalmässinger Feuerwehrhaus zwölf solcher Geräte in das System eingepflegt.

Dass gerade für die Jugendlichen die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie schwierig sind, weiß Werner Löchl aus eigener Anschauung. Sein Sohn Lucas ist Jugendwart bei der Gredinger Feuerwehr und deshalb weiß der Kreisbrandrat, "dass die Jugendlichen etwas tun wollen". Sie wollten sich sozial einbringen, sagt er und befürchtet: "Da geht etwas verloren, da muss schnell etwas kommen." Die Verbindungen könnten im Moment nur über das Internet aufrechterhalten werden.

So halten im Moment auch die Führungskräfte Kontakt. "Die Kreisbrandinspektoren treffen sich jeden Montag über die Plattform MS-Teams zu Besprechungen, die Kreisbrandmeister einmal im Monat." Davor habe man sich über Funk ausgetauscht, berichtet Löchl. "Das geht zwar nicht so schön wie der persönliche Kontakt, aber es ist besser als nichts." Doch er weiß auch: "Wenn die Situation nicht besser wird, müssen wir uns etwas einfallen lassen."

Während es für die dienstlichen Aufgaben der Feuerwehr noch ein paar Ausnahmen gibt, ist die reine Vereinstätigkeit strikt unterbunden. "Deshalb gibt es auch keine Jahresversammlungen. Wenn sich so viele Leute treffen, ist das Risiko einfach zu groß." Die Amtszeit von Kommandanten, deren Wahl eigentlich anstünde, werde deshalb im Moment einfach verlängert. Auch er selbst hängt im Moment in der Luft: Im Oktober 2008 wurde Werner Löchl Nachfolger von Hans Dess als Kreisbrandrat, im März 2015 wurde diese "Verpflichtung" um weitere sechs Jahre verlängert. Offiziell läuft Löchls Amtszeit im März ab. Auch die Nachfolgeregelung von Kreisbrandmeistern wie Erwin Schneider aus Thalmässing ist pandemiebedingt auf Eis gelegt. "Um hier Entscheidungen zu treffen, muss man sich mit den Leuten zusammensetzen", unterstreicht Werner Löchl, "sonst kommt nichts Gscheites raus".

Froh ist Löchl nur über eines - dass die Zahl der Einsätze in den vergangenen Monaten nicht größer gewesen ist. "Es geht beim Verbot von Silvesterfeuerwerk oder Beschränkungen bei Ausflügen nicht primär darum, dass sich die Leute nicht anstecken. Es geht vor allem darum, dass die Einsatzkräfte nicht so stark belastet werden." Gerade der Rettungsdienst sei am Anschlag. "Wenn die Feuerwehr den Rettungsdienst beim Transport eines Corona-Infizierten durch ein Treppenhaus unterstützen muss, ist das wie ein Gefahrguteinsatz."

HK

Andrea Karch