Hilpoltstein

Nur Hilpoltstein wächst rasant

In Allersberg und Greding steigen die Einwohnerzahlen langsam - Thalmässing und Heideck stagnieren

17.01.2019 | Stand 02.12.2020, 14:49 Uhr
Im Hilpoltsteiner Baugebiet Dorotheenhöhe II entstehen derzeit zahlreiche neue Häuser. Die Plätze waren schnell vergeben, doch es gibt noch immer Interessenten. −Foto: Münch

Hilpoltstein (HK) Deutlich steigende Einwohnerzahlen in Hilpoltstein, ein kontinuierlicher Anstieg in Allersberg, mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre eine leichte Zunahme in Greding und weitgehende Stagnation in Thalmässing und Heideck: So sieht die aktuelle Einwohnerstatistik für den südlichen Landkreis Roth aus. Und wenn es nach den Bürgermeistern geht, sollen alle Gemeinden in den nächsten Jahren wachsen.

Die Zahlen des Bayerischen Statistischen Landesamtes sind eindeutig: Hilpoltstein wächst nicht nur kontinuierlich, sondern sogar in rasantem Tempo. Wurden im Jahr 2000 12570 Einwohner gezählt, sind es heute 13550 und damit knapp 1000 Bürger mehr. Das entspricht in 18 Jahren immerhin fast acht Prozent Zuwachs - ein Wert, den keine andere Gemeinde im südlichen Landkreis Roth auch nur annähernd erreicht.

Der Zuwachs zeigt sich am auffälligsten im Kernort. "Beim Baugebiet Über dem Rothsee ist von der Erschließung im Jahr 1997 bis zum Jahr 2005 sehr viel passiert", sagt Herbert Walter, der geschäftsleitende Beamte Hilpoltsteins. Doch auch die Bauplätze in Hofstetten, die kurz nach dem Jahr 2000 zum Verkauf standen, sind inzwischen vergeben.

Ausnehmend groß war das Interesse beim Baugebiet Dorotheenhöhe I, das 2015 entstand und deren 30 Plätze schon bei der ersten Vergabe komplett verkauft wurden. Auch beim zweiten und nunmehr jüngsten Bauabschnitt, der Dorotheenhöhe II, gab es viele Nachfragen: Waren es zum Start der Vergabe mehr als doppelt so viele potentielle Käufer wie Parzellen, hat sich das Interesse im Laufe der Vergabe deutlich relativiert. Trotzdem wurden auch hier inzwischen alle Plätze verkauft. "Im Kernort Hilpoltstein ist trotzdem der Druck noch da, wir könnten noch Plätze verkaufen, haben aber keine mehr", so Walter. Im Gemeindegebiet ist es besser: "In Meckenhausen und Weinsfeld sind noch insgesamt 15 Plätze zu haben."

Auch Allersberg verzeichnet nach den Jahren 2000 bis 2010, in dem die Zahl der Einwohner bei rund 8000 stagnierte, einen leichten Anstieg. Hier hat das Baugebiet Im Keinzel geholfen. Ab 2013 standen dort rund 40 Bauplätze zum Verkauf. Zudem sind damals die Vergaberichtlinien gelockert worden. Konnten anfangs nur Allersberger oder Menschen mit einem Arbeitsplatz in Allersberg ein Grundstück erwerben, wurde es dann erstmals auch Auswärtigen möglich, in Allersberg zu bauen. Doch das Wachstum Allersbergs ist nach Einschätzung von Bürgermeister Daniel Horndasch erst in den Startlöchern: "Ich gehe von deutlichen Zuwächsen aus", sagt er. Grund für die Attraktivität der Gemeinde ist "mit Sicherheit die Nähe zu Nürnberg, die gute Anbindung und dass wir künftig auch noch ein S-Bahn-Standort sind." Um potenziellen Neubürgern Grundstücke anbieten zu können, seien derzeit die zwei Baugebiete Am Sankt Wolfgang und Keinzel II im Entstehen. Rund acht Hektar Fläche stünden zur Verfügung, was für 80 bis 90 neue Plätze reichen könnte. "Ich gehe davon aus, dass es im nächsten Jahr mit der Erschließung losgehen kann." Doch nicht nur in den neuen Baugebieten könnte Wohnraum entstehen: "Wir sind auch in der Innenverdichtung aktiv."

In Greding hat sich in den vergangenen 18 Jahren vergleichsweise wenig getan. Die Stadt ging im Jahr 2000 mit 7218 Einwohnern an den Start und landet nach einem leichten Tiefpunkt um das Jahr 2010 herum bei aktuell 7106 Bürgern. "Die Einwohnerzahlen sind bei uns durch den Mikrozensus nach unten korrigiert worden, ich sehe jetzt aber ein leichtes Wachstum", betont Bürgermeister Manfred Preischl.

Er legt Wert darauf, dass es im richtigen Tempo vorangeht: "Wir müssen nicht nur Bauplätze haben, wir müssen Neubürgern auch genügend Plätze in den Kindergärten und der Schule zur Verfügung stellen." Insgesamt 60 neue Bauplätze sollen laut Preischl in den nächsten zwei Jahren entstehen. 25 davon entfallen auf den Kernort und "diese werden im nächsten Jahr erschlossen".

Ein kleines Kuriosum ist in Thalmässing zu verzeichnen: Hier fällt auf den ersten Blick auf, das die Bevölkerungszahl von 2000 bis 2005 auf dem vergleichsweise hohen Niveau von 5300 bis 5400 Bürgern war und bis 2010 um rund 200 Bürger absank. Ein großer Teil der Mehrbürger ab dem Jahr 2000 ist auf den Bau der ICE-Strecke zurückzuführen. Während der mehrjährigen Bauzeit sind zahlreiche Bauarbeiter nach Thalmässing gezogen und haben den Ort nach Abschluss der Arbeiten bis 2010 sukzessive verlassen. In den Folgejahren pendelte die Zahl der Einwohner nur noch leicht zwischen gut 5100 und knapp 5200 bis auf den aktuellen Stand von 5154 Bürgern. "Wir haben bei uns mehr Todesfälle als Geburten, wir leben also vom Zuzug", sagt Thalmässings Bürgermeister Georg Küttinger. Um mehr Familen anzulocken wurden die Baugebiete An der Leiten III und Offenbau II erschlossen und kamen gut an. "An der Leiten sind von den angebotenen 15 Plätzen nur noch drei frei, in Offenbau sind von 16 Plätzen noch fünf zu haben." Ein weiteres Baugebiet in Eysölden, das derzeit in der Planung ist, könnte im nächsten Jahr erschlossen werden.

Auch in Heideck ist zwischen 2000 und 2005 der Bevölkerungsstand mit teilweise deutlich über 4900 Bürgern sehr hoch und fällt dann, ähnlich wie in Thalmässing, bis auf nur noch 4680. Einen greifbaren Grund gibt es im Gegensatz zu Thalmässing allerdings nicht. "Es dürfte eine ganz normale Entwicklung gewesen sein", sagt Roland Hueber, der geschäftsleitende Beamte Heidecks. In diesen fünf Jahren wurden demnach einfach mehr Wegzüge als Zuzüge registriert. "Ich denke, dass vor allem viele jüngere Menschen Heideck für ein Studium verlassen haben und nach ihrem Abschluss nicht mehr in unsere Stadt zurückgekommen sind." Zudem hätten vergleichsweise wenig Geburten und mehr Todesfälle ein Weiteres zu diesem negativen Trend getan. Seit dem Tiefpunkt im Jahr 2012 mit nur noch 4580 Bürgern bleiben die Einwohnerzahlen in den vergangenen Jahren vergleichsweise stabil und liegen derzeit bei 4677 Einwohnern. "Aber ich sehe durchaus, dass wir im Vergleich zu anderen Gemeinden die rote Laterne haben."

Einen Aufschwung könnten nach Huebers Einschätzung die ausgewiesenen neuen Bauplätze bringen. "Wir haben derzeit ein Baugebiet in Laibstadt mit 19 Plätzen und ein Baugebiet in der Seiboldsmühle mit 26 Plätzen in der Pipeline." Allerdings müssten diese noch erschlossen werden, so dass er frühestens im Herbst mit der Fertigstellung rechnet. Bereits erschlossen ist das Baugebiet in Schlossberg. "Hier stehen zwar schon jetzt sieben Plätze zur Verfügung, da jedoch alle in privater Hand sind, ist nicht klar, wie viele davon ihren Grund auch wirklich an Interessenten verkaufen."

Die Entwicklung des Landkreises sieht Thomas Pichl vom Landratsamt Roth durchweg positiv. "Wir profitieren einfach von der Nähe zur Metropolregion." War die Zahl der Landkreisbewohner in den Jahren 2003 bis 2012 stark rückläufig - sie sank von 125720 auf nur noch 123160 - geht es seitdem kontinuierlich bergauf und liegt derzeit bei 126760 Einwohnern.

Doch nicht alle Gemeinden profitieren gleichermaßen: "Wenn ich junge Familien anlocken will, ist die Infrastruktur das Wichtigste", so Pichl. "Ich brauche Kindergärten, Grund- und Hauptschulen, weiterführende Schulen und natürlich eine möglichst gute Verkehrsanbindung." Und obwohl im Landkreis laut Pichl sehr viele Pendler wohnen, sei es zudem wichtig, wie viele Arbeitsplätze eine Gemeinde anbieten kann. Auch hier zeigt sich ein Grund für den Erfolg Hilpoltsteins: "Nach Roth haben wir in Hilpoltstein die höchsten Beschäftigungszahlen im Landkreis."

Kai Bader