Pfaffenhofen

"Nur ein Nein ist im Sinne der Bürger"

Bürgerinitiative macht Stimmung gegen den geplanten Windpark im Förnbach Forst

06.10.2016 | Stand 02.12.2020, 19:13 Uhr

Foto: Michael Kraus

Pfaffenhofen (PK) Die Bürgerinitiative Gegenwind, die den Windpark im Förnbacher Forst verhindern will, hat am Mittwoch einen großen Informationsabend abgehalten. Dabei lauschen über 120 Menschen den Referenten - zwei bekannten Anti-Windkraft-Aktivisten.

"Wir müssen zurück zu einem pulsierenden und lebenswerten Miteinander." Als Gegenwind-Sprecher und Moderator des dreistündigen Abends schlägt Martin Ott betont moderate Töne an - und trotzdem auch Unmissverständliche: "Ein Ja beim Bürgerentscheid macht es unmöglich, einen weiteren Ausbau der Windenergie zu bremsen oder abzuwehren", so der Thalhofer. Nur ein Nein sei im Sinne der Bürger. "Es geht hier um unsere Stadt, um unser Land", mahnt Ott. Da müsse man hinterfragen dürfen, ob Windkraft-Aktionsmus sinnvoll ist. "Soll die Lösung wirklich sein, dass die Bürger wegen Windrädern wegziehen müssen, weil sie das Mindeste nicht mehr haben - nämlich Schlaf"

Gegenwind führt als Argumente für ein Nein beim Bürgerentscheid unter anderem Umwelt- und Landschaftszerstörung, drohende Gesundheitsschäden, Wertminderung von Immobilien, fragwürdige Wirtschaftlichkeit und fehlenden Nutzen für die Energiewende ins Feld. "Uns geht es hier um die Bedenken gegen Windkraft, die in Pfaffenhofen längst ausgedrückt werden müssten", stellt Ott klar. Daher der Infoabend: "Bürger informieren hier Bürger - auf Augenhöhe und fern von Unbelehrbarkeitsunterstellungen." Denn die Windkraftgegner fühlen sich herablassend behandelt. Als Bürger zweiter Klasse. Die Bürgerenergiegenossenschaft etwa, die hinter dem Windpark steht, habe im Rathaus-Festsaal die Bühne bekommen, ihre Sicht der Dinge zu erklären. "Auch wir wollten unsere Meinung sagen und haben gefragt, ob wir den Saal nutzen dürfen", berichtet Ott. "Das wurde uns von Bürgermeister Herker verwehrt mit der Aussage, wir seien kein eingetragener Verein." Daher das Treffen im Stockerhof.

Der Einladung dorthin sind am Mittwochabend etwa 120 bis 130 Menschen gefolgt. Darunter auch vereinzelt Windkraftbefürworter sowie eine Handvoll Kommunalpolitiker, fast ausschließlich aus den Reihen von CSU und FDP. Ott bittet die Besucher aber, den Abend nicht zum politischen Schlagabtausch zu nutzen. Es gehe darum, Informationen weiterzugeben.

Diese Aufgabe fällt zwei Referenten zu, aus deren Identität im Vorfeld noch ein Geheimnis gemacht wurde: dem Energieingenieur Walter Schorsch aus Hof sowie dem Allgemeinarzt und Osteopath Johannes Mayer aus Dasing. Beide sind überregional als Redner bei Anti-Windkraft-Veranstaltungen bekannt, beide ernten auch in Pfaffenhofen donnernden Applaus. Aus gutem Grund: Sie verstehen es, auf ihrem jeweiligen Fachgebiet wortgewaltige und eindringliche Plädoyers gegen Windkraft zu halten.

Schorsch bezeichnet Windräder als "sinnlose Monstermaschinen". In Bayern, und vor allem auch in der Holledau, seien sie höchst unwirtschaftlich. Das würden auch die Zahlen von Eon Bayern für Sünzhausen und Dürnzhausen zeigen. Und dass die Windenergiestatistik in Bayern seit heuer unter Verschluss gehalten werde, sei der "Offenbarungseid der Windindustrie". Schorsch sammelt Daten - technische, wirtschaftliche und meteorologische - um den "Volksbetrug" aufzudecken. "Der Strommarkt ist zu einer Spielwiese für Betrüger geworden", ist er sicher. Und die Kosten würden am Ende auf die Verbraucher umgelegt.

Wo Schorsch sich auf plausibel vorgetragene Eigenrecherchen stützt, ist Mayers Vortrag eher polemischer Natur. Der Arzt, der unter Windkraftbefürworten als Demagoge verrufen ist, jongliert vor dem Pfaffenhofener Publikum mit Zahlen und Studien, warnt eindringlich vor Gesundheitsgefahren durch Windkraftanlagen. Durch Schall, Schatten, Befeuerung oder Umweltschäden etwa bei Bränden. Vor allem aber durch den viel diskutierten Infraschall. "Das ist keine wissenschaftliche Spinnerei", versichert Mayer. Das Problem: Veraltete Messstandards würden Normen, die die Menschen eigentlich schützen sollen, unwirksam machen, indem sie Infraschall herausfiltern. Dabei sei bei Dauerbeschallung mit künstlichem Infraschall der Effekt auf das Gehirn wie bei Dauerstress. Das "Windturbinensyndrom" bedeute für Betroffene Schlaflosigkeit, Veränderungen von Hirnströmen, Unwohlsein und Schlimmeres. Zahlreiche Studien würden dies belegen - zumindest solche aus anderen Ländern. Anders in Deutschland: "Es ist ein Skandal aller ersten Ranges, dass der Staat die Forschungslage nicht verbessern will", kritisiert Mayer, der vor dem Bundesverfassungsgericht ein sofortiges Moratorium erzwingen will. "Es stehen massenhaft Windräder in Deutschland, ohne dass ihre gesundheitlichen Auswirkungen untersucht sind, geschweige denn ihre Unbedenklichkeit nachgewiesen ist."

Am Ende trifft es das Motto des Abends ("Bürger informieren Bürger") dann doch nicht ganz: Denn nicht die Pfaffenhofener greifen zum Mikrofon. Stattdessen spielen sich die auswärtigen Windkraftgegner in der Fragerunde gegenseitig die Bälle zu. Und so durfte auch Bernd Huhnt nicht fehlen, der schon bei Mayers Vortrag in Geroldshausen mit von der Partie war. "Ich gehöre zu den 30 Prozent der Menschen, die empfindlich gegenüber Windrädern sind", berichtete der Augsburger in einem emotionalen Vortrag. Seine anfängliche Euphorie für Windkraft sei geschwunden, sein Haus in Laimering habe er mit hohem Verlust verkaufen müssen. "Ich habe viel Geld verloren und auch die Gesundheit." Sein Rat an die Windkraftgegner: "Sie können es nur stoppen, wenn sie die anderen Menschen auf ihre Seite bringen."