Gerolfing

Nur echt mit Bänderhaube

Brauchtumspflege und Tradition liegen dem Heimat- und Trachtenverein Gerolfing am Herzen

14.06.2016 | Stand 02.12.2020, 19:40 Uhr

Bis Freitag ist noch viel zu tun: Helfer statten ein Festzelt aus, damit am Wochenende gefeiert werden kann. - Foto: Eberl

Gerolfing (DK) Der Heimat- und Trachtenverein Gerolfing feiert kommendes Wochenende sein 60-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums richtet der Verein auch das Donaugau-Trachtenfest aus. Das Fest findet von Freitag bis Sonntag auf dem Gerolfinger Festplatz statt.

Festleiter Josef Nißl (55) sitzt an einem Biertisch und lässt den Blick durch das leere Festzelt schweifen. Am Eingang kreischt eine Kreissäge, an der Helfer Holz zersägen. Von Freitag bis Sonntag werden in Gerolfing Trachtler aus der ganzen Region zusammenkommen. Nißl rechnet am Sonntag, dem Höhepunkt der Feierlichkeiten, mit 1500 bis 1800 Gästen. Neun Musikkapellen werden dann bayerische Blasmusik spielen.

Das Donaugau-Trachtenfest findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Insgesamt sind 31 Vereine im Trachtenverband organisiert. Sie verteilen sich auf ein Gebiet zwischen Berching im Norden, Pfaffenhofen im Süden, Treuchtlingen im Westen und Kelheim im Osten. Letztes Jahr war das Fest in Ingolstadt; dieses Jahr ist Gerolfing an der Reihe.

Der Gerolfinger Heimat- und Trachtenverein mit seinen 350 Mitgliedern hat etwa 80 aktive Trachtler in seinen Reihen. "Die Kinder tragen die Miesbacher Gebirgstracht und die Älteren die Gerolfinger Bauerntracht", sagt Josef Nißl. Die Bauerntracht werde erst seit Mitte der 1970er-Jahre wieder getragen. Davor hätten die Leute - wenn überhaupt - die Gebirgstracht getragen. "In dieser Zeit wurde, wenn Leute gestorben sind, teilweise ihre Tracht verbrannt", bedauert Nißl.

Mithilfe von Fotos konnte die Gerolfinger Bauerntracht aber rekonstruiert werden. Dazu gehören zum Beispiel auch die maßgeschneiderten Faltenstiefel. "Meine Stiefel haben 1200 Euro gekostet", erzählt der 55-Jährige.

Jeden Freitag treffen sich die Trachtler im Vereinsheim und proben ihre Tänze. Die Kinder tanzen dann Volkstänze und die Männer üben das Schuhplattln. "Einmal im Jahr treffen sich die Plattler zum Wertungsplattln", berichtet Nißl. Die Gerolfinger Plattler sind sogar weit über die Grenzen Oberbayerns hinaus bekannt: "Ein paar unserer Plattler haben mit einer Neuburger Blaskapelle schon eine vierwöchige Tournee durch Brasilien gemacht", erzählt der 55-Jährige.

Die Planung des Fests gestaltete sich wegen der Flüchtlingskrise schwierig. Da der Gerolfinger Festplatz bis weit in den vergangenen Herbst mit einer Notunterkunft für Flüchtlinge belegt war, konnte die Stadt lange nicht sagen, ob der Platz für das Fest frei würde. "Wir haben trotzdem schon mit den Vorbereitungen angefangen", sagt Nißl. Letztlich ging dann alles gut, da nach der Schließung der Balkanroute die Zahl der Flüchtlinge deutlich sank und die Container wieder vom Festplatz verschwanden.

Die Höhepunkte des Fests sind für Nißl der Gau- und Heimatabend am Samstag sowie der Gottesdienst im Festzelt, bei dem auch Horst Seehofer anwesend sein wird, und der Umzug durch Gerolfing am Sonntag. "In den Wetterbericht schau' ich bis Sonntag nicht rein", verrät Nißl, der sich für das Fest extra Urlaub genommen hat. "Wenn es nämlich richtig regnet, können wir den Umzug nicht machen."

Zwei Jahre hätten die Vorbereitungen gedauert. Nun hofft Nißl auf ein schönes Fest. Damit die Gerolfinger auch in Zukunft das bayerische Brauchtum pflegen können, ist die Nachwuchsarbeit sehr wichtig für das Überleben des Vereins. "Mit dem Nachwuchs ist es ein bisschen schwierig", gibt Nißl zu. Im Teenageralter läge die Priorität meist auf der Freundin oder dem Freund. Deshalb veranstalten die Trachtler auch Zeltlager und andere Freizeitaktivitäten für ihre jungen Mitglieder. "Wir versuchen aber auch, unsere ehemaligen Mitglieder wieder einzubinden", berichtet Josef Nißl. Aktuell habe der Verein sechs Paare von Jugendlichen.