Stuttgart (DK) Beim VfB Stuttgart wünschen sie sich nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre nur eines: Endlich mal wieder eine Saison ohne Abstiegskampf bis zum Schluss. So bescheiden sind die Schwaben geworden, die in der Saison 2012

Nicht schon wieder zittern

24.07.2015 | Stand 02.12.2020, 20:59 Uhr

Stuttgart (DK) Beim VfB Stuttgart wünschen sie sich nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre nur eines: Endlich mal wieder eine Saison ohne Abstiegskampf bis zum Schluss. So bescheiden sind die Schwaben geworden, die in der Saison 2012/13 noch international unterwegs waren. Ein paar Leute im Verein aber träumen schon wieder von der Rückkehr auf die europäische Bühne.

n Welche Spuren hat der Abstiegskampf hinterlassen? „So eine Saison wollen wir nie wieder erleben“, war der Tenor beim VfB vor einem Jahr, nachdem die Mannschaft unter Trainer Huub Stevens gerade noch dem Abstieg entronnen war. Doch dann kam es noch schlimmer: Nach dem überraschenden Rücktritt von Hoffnungsträger Armin Veh Ende November wurde erneut Stevens zum Retter, diesmal musste aber bis zum letzten Spieltag gezittert werden. Nun hoffen die Stuttgarter aber, die positive Stimmung des Endspurts mit drei existenziell wichtigen Siegen in den letzten drei Saisonspielen in die neue Saison mitzunehmen. In schlechten Phasen könnte die Verunsicherung aber schnell wieder zum Vorschein kommen.

n Gab es, wie in solchen Situationen häufig, einen personellen Umbruch? Davon zu sprechen wäre weit übertrieben. Mit dem – nicht unumstrittenen – Torhüter Sven Ulreich ging nur ein einziger Stammspieler, ansonsten wurde der Verein vor allem Bankdrücker und Altlasten los. Bei den Zugängen sind keine Kracher dabei. Wie immer ist beim einen oder anderen Spieler die Hoffnung groß, dass er positiv überrascht und zum Leistungsträger wird. Interessant wird der Konkurrenzkampf im Tor zwischen den Neuzugängen Mitchell Langerak, der allerdings gleich mal verletzt ist, und Przemyslaw Tyton zu beobachten sein.

n Was ist vom neuen Trainer Alexander Zorniger zu erwarten? Dass seine Verpflichtung schon frühzeitig durchgesickert war, kann man Zorniger ebenso wenig vorwerfen wie seine fehlende Bundesliga-Erfahrung. Der Schwabe tritt nach der Rückkehr in die Heimat selbstbewusst und mit einem klaren Plan an. „Ab durch die Mitte“, lautet in Zukunft die Spielphilosophie, die die Spieler aber zuerst verinnerlichen müssen. Die Vereinsführung unter dem ebenfalls erst seit einem halben Jahr wirkenden Sportvorstand Robin Dutt glaubt jedenfalls an den Neuen – sonst hätte sie Stevens zum Weitermachen bewegen oder einen anderen namhafteren Trainer verpflichten können.

n Welchem Spieler ist eine tragende Rolle zuzutrauen? Der gelungene Klassenverbleib ist auch ein Verdienst von Stürmer Daniel Ginczek, der nach fast einjähriger Verletzungspause rechtzeitig fit geworden und getroffen hatte, sowie von Winterzugang Serey Dié, der den Laden im defensiven Mittelfeld zusammenhielt. Diese beiden sollen auch in der neuen Saison Stabilität herstellen und Tore erzielen. Dem ebenfalls lange verletzten Mittelfeldgestalter Daniel Didavi wurde sein Wechselwunsch nach Leverkusen verwehrt, weil er (endlich) die zentrale Figur im Offensivspiel werden soll. Wenn er Bayer und der Champions League nicht zu sehr nachtrauert und vor allem, wenn er über längere Zeit fit ist, könnte er diese Rolle spielen.

n Ist dem VfB eine Saison ohne Zittern zuzutrauen? Wer die Stuttgarter in den vergangenen Jahren beobachtet hat, mag daran nicht recht glauben. An den Rahmenbedingungen wird viel gearbeitet, am Kader trotz eingeschränkter finanzieller Möglichkeiten gefeilt – aber so schnell sind die vielen Fehler der Vergangenheit nicht auszubügeln. Wenn es gut läuft und Trainer Zornigers Ideen schnell greifen, wird es zumindest etwas entspannter als in der abgelaufenen Katastrophensaison.

n Abgänge: Joshua Kimmich (FC Bayern/8,5 Mio.),Sven Ulreich (FC Bayern/3,5 Mio.), Gotoku Sakai (Hamburg/700 000), Sercan Sararer (Düsseldorf, 500 000), Robin Yalcin (Caykur Rizespor/250 000), Thorsten Kirschbaum (Nürnberg/150 000) Tim Leibold (Nürnberg/ablösefrei), Karim Haggui (Düsseldorf/ablösefrei), Konstantin Rausch (Darmstadt/ablösefrei).

n Zugänge: Mitchell Langerak (Dortmund/3 Mio.), Joshua Kimmich (Leipzig/Leihende, 1,5 Mio.), Przemyslaw Tyton (PSV Eindhofen/1 Mio., Jan Kliment (FC Vysocina/1 Mio.), Philip Heise (Heidenheim/ 750 000), Lukas Rupp (Paderborn/ablösefrei), Emiliano Insua (Atletico Madrid/ablösefrei).

Nächste Folge: Hannover 96 peilt einen Platz im gesicherten Mittelfeld an. Nach dem Abstiegskampf liegen die Europapokal-Träume vorerst auf Eis.