Ingolstadt

Neuer Chef setzt Schwerpunkte

Leitender Oberstaatsanwalt Wolfram Herrle hat neue Referate geschaffen

09.10.2015 | Stand 02.12.2020, 20:42 Uhr

Neuer Leitender Oberstaatsanwalt: Mit Wolfram Herrle hat ein bereits viele Jahre im Hause erfahrener Jurist den Posten des Chefermittlers in der Region 10 übernommen. - Foto: Heimerl

Ingolstadt (DK) Als der DK Wolfram Herrle am Donnerstagmorgen in seinem Büro besucht, liegt bereits der erste schriftliche Bericht zum Feuer in der Asylantenunterkunft an der Haenlinstraße auf seinem Schreibtisch. Klar, dass der Leitende Oberstaatsanwalt in Ermittlungen zu solchen Vorgängen sofort eingebunden wird. Im Ministerium in München genießen Vorfälle dieses Kalibers Priorität bei der täglichen Lagebewertung. Es eilt.

Doch das wird längst nicht die einzige Akte sein, in die der neue Chef der Ingolstädter Staatsanwaltschaft an diesem Tag schauen wird. Über alles, was tagtäglich an potenziellen oder tatsächlichen Strafsachen neu eingeht, will der Behördenleiter zumindest kurz informiert werden. Das klingt nach großem Pensum. Denn bei rund 20 000 Vorgängen, die jedes Jahr von den hiesigen Strafverfolgern zu sichten, zu bewerten und zu einem guten Teil auch in tatsächlichen Ermittlungsverfahren und Anklagen abzuarbeiten sind, ist langer Atem gefordert – gerade auch für denjenigen, der den Gesamtüberblick haben muss.

Und Wolfram Herrle will stets im Bilde sein, was schwere Ordnungswidrigleiten und Strafsachen in der Region 10 angeht. Am 1. September bereits hat er als vormaliger ständiger Vertreter die Nachfolge des früheren Ingolstädter Chefermittlers Helmut Walter angetreten (DK berichtete).

Seit dem 1. Oktober ist der Jurist, der in wenigen Tagen 60 Jahre alt wird, nun ganz offiziell Leitender Oberstaatsanwalt und damit verantwortlich für ein Team von Strafverfolgern, das mit 17,5 Planstellen nicht gerade üppig besetzt ist. Dass das Ingolstädter Landgericht, in dessen Gebäude Auf der Schanz auch die Staatsanwaltschaft untergebracht ist, heuer eine zusätzliche Strafkammer zugebilligt bekommen hat, ist von der regionalen Justiz angesichts der Fallzahlen mit großer Genugtuung aufgenommen worden. Dass die Staatsanwaltschaft zugleich eine halbe Planstelle an die Strafverfolger in Passau abgeben musste, hat da weniger geschmeckt. „Es ist eine extrem hohe Arbeitsbelastung“, macht Herrle die Situation in seinem Hause klar, denn: „Hier arbeitet jeder deutlich mehr als 40 Stunden in der Woche.“

Weil sich in jüngerer Zeit neue Schwerpunkte der Kriminalität herausgebildet haben, müssen auch die Strafverfolger Strukturen schaffen, die diesen Herausforderungen gerecht werden. „Wir haben inzwischen so gut wie keine Tankstellen- oder Banküberfälle mehr“, verdeutlicht Wolfram Herrle. Dafür greifen Betrügereien im Internet und das Bandenwesen bei Einbruchsdiebstählen immer mehr um sich – mit Fällen, die meistens umfangreiche Recherchen bis ins Ausland nach sich ziehen und nach enger Kooperation mit auswärtigen Polizeibehörden verlangen. Der neue Chef hat deshalb gleich mit seiner Amtsübernahme das umgesetzt, was er mit seinem Vorgänger bereits durchgesprochen und vorbereitet hatte: Ab sofort gibt es bei der Ingolstädter Staatsanwaltschaft zwei neue Referate, die sich ausschließlich mit diesen neuen Kriminalitätsformen befassen und die von erfahrenen Gruppenleiterinnen geführt werden.

Dass der beständige Zuzug von Menschen nach Ingolstadt auch die Justizbehörden vor neue Herausforderungen stellen wird, glaubt der neue Chefermittler indes nicht. Die Stadt sei kein sozialer Brennpunkt, die Leute kämen zum Arbeiten her, und nicht, um krumme Sachen zu machen. Was den Zustrom von Asylbewerbern angeht, so habe auch der in der Region bislang nicht zu einem signifikanten Anstieg von Straftaten geführt, macht der Chefermittler klar. Auch für die Zukunft sieht er solche Probleme nicht zwingend voraus: „Sicher, es wird auch hier Straftaten geben, aber wohl nicht mehr als in der einheimischen Bevölkerung insgesamt auch.“

Der Chefposten hat Wolfram Herrle neue Zuständigkeiten gebracht, aber keine neue Umgebung. Bereits seit Ende 1994 gehört er der Staatsanwaltschaft Ingolstadt an, nachdem er hier 1985 auch in den Staatsdienst eingetreten war. Nach Stationen als Richter am Ingolstädter Landgericht und Neuburger Amtsgericht sowie als Ermittler in der politischen Abteilung der Staatsanwaltschaft München I kehrte er als Gruppenleiter zur Ingolstädter Ermittlungsbehörde zurück, wo er 2001 zum ständigen Vertreter des Leitenden Oberstaatsanwalts avancierte. Der neue Behördenleiter (verheiratet, eine erwachsene Tochter) zeichnet sich auch privat durch Kontinuität aus: Seit vielen Jahren lebt er mit seiner Familie in seinem Geburtsort Wellheim im Landkreis Eichstätt.