Neuer Archaeopteryx bei Mörnsheim entdeckt

Mühlheimer stößt auf bislang größtes Exemplar dieses Urvogels

17.04.2018 | Stand 02.12.2020, 16:33 Uhr
Der Flügel eines Archaeopteryx, gefunden im Steinbruch bei Mörnsheim-Mühlheim im Kreis Eichstätt. Es ist das bisher größte aller bekannten Exemplare. −Foto: LMU

Mörnsheim (DK) Es gilt durchaus als eine kleine Sensation: Im Fossilien-Besuchersteinbruch Mühlheim bei Mörnsheim (Landkreis Eichstätt) ist ein weiterer Archaeopteryx entdeckt worden. Es ist das zwölfte und bislang größte Exemplar. Allerdings ist nur ein Flügel des vor etwa 145 Millionen Jahren lebenden Urvogels erhalten.

Der Mühlheimer Roland Pöschl, dem der Steinbruch zusammen mit Uli Leonhardt gehört, hatte das Fossil bereits im November gefunden. Allerdings war ihm die Bedeutung zunächst verborgen geblieben, weil „ich nur an einer Bruchkante eine dunkelrote Spur gesehen habe, die auf einen Knochen hindeutete“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. „Das hätte auch ein Fisch oder Saurier sein können.“ Pöschl schickte die Platte zu seinem Präparator.

Beim Freilegen folgte die Überraschung: Es handelt sich um einen Archaeopteryx. Für Wissenschaftler ist der Fund umso interessanter, als dieses Fossil in den sogenannten Mörnsheimer Schichten lag, den jüngsten Lagen in der Solnhofer Lagune. Frühere, in tieferen Lagen entdeckte Exemplare sind also älter. „Für uns ist das eine schöne Sache, um weitere Informationen über die Entwicklung dieser Tierart zu erhalten“, sagte Konservator Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München.

Aufgrund der professionellen Vorgehensweise der Steinbruchbesitzer wisse man zudem genau, aus welchem Bereich des Steinbruchs der Fund stammt, was die Arbeit der Wissenschaftler erleichtere. Das im November entdeckte Exemplar sei 10 bis 15 Prozent größer als andere. Die Bedeutung des Fundes soll demnächst in einer wissenschaftlichen Publikation gewürdigt werden. Wer sich mit dem Urvogel intensiver befasst, mag jetzt einwenden, dass es doch schon das 13. Fossil dieser Art sei. Allerdings gibt es Zweifel, ob das 1855 in Jachenhausen bei Riedenburg entdeckte Skelett, als Haarlemer Exemplar bekannt, tatsächlich als Archaeopteryx gilt. Der Paläontologe Oliver Rauhut sieht es eher als vogelähnlichen Raubsaurier an und schlug die Bezeichnung Ostromia vor. „Sowohl Ostromia als auch Archaeopteryx gehören in die direkte Verwandtschaft der Vögel, und da der Übergang hier sehr graduell ist, ist es schwierig, etwas darüber zu sagen, wo genau das Flugvermögen angefangen hat.“

Ob nun Exemplar 12 oder 13, den Steinbruchbesitzern in Mühlheim ist das vermutlich egal. Zum zehnjährigen Bestehen ihrer Anlage kommt ihnen der Fund wohl gerade gelegen.
 

Horst Richter