Neuburg

Neuburger Geschwader betritt Neuland

Militärverband hilft in den nächsten Wochen im Auftrag der Nato bei der Luftraumsicherung in Rumänien

06.02.2022 | Stand 11.02.2022, 3:35 Uhr
Ein Eurofighter aus Neuburg: Drei der Kampfjets und 55 Soldaten sollen in den nächsten Wochen dabei helfen, den rumänischen und bulgarischen Luftraum zu sichern. Die Nato-Mission ist zugleich die erste Kooperation für das Neuburger Geschwader mit den italienischen Streitkräften. −Foto: Thorsten Weber/Luftwaffe

Neuburg - Neuland für das Taktische Luftwaffengeschwader 74: Der Neuburger Militärverband wird im Februar und März im Auftrag der Nato erstmals den rumänischen Luftraum absichern. Die Aufgabe werden die Soldaten mit der italienischen Luftwaffe erfüllen - sozusagen als Junior-Partner.

Es geht um Kooperation, es geht um Effizienz und es geht letztlich auch um Wirtschaftlichkeit. So einfach lässt sich zusammenfassen, was im Militärjargon als Stärkung der Interoperabilität bezeichnet wird. Dieses Ziel treibt Luftwaffeninspekteur Ingo Gerhartz seit Jahren voran, um die Zusammenarbeit der vier Eurofighter-Kernnationen, also Deutschland, Italien Spanien und das Vereinigte Königreich, zu intensivieren. Dabei erfolgt nun der erste Schritt für die Neuburger Soldatinnen und Soldaten ist - viele weitere sollen folgen.

Für Oberstleutnant Swen Jacob, stellvertretender Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 und Chef des deutsche Kontingents für Rumänien, liegen die Vorteile der Kooperation auf der Hand. "In ein paar Jahren soll es so ablaufen, dass wir einfach ein italienisches Bauteil bei uns einbauen können", erklärt der erfahrene Eurofighter-Pilot. Ein simples Beispiel, für das aber noch viel passieren muss. Das betrifft neben der Anpassung der industriellen Standards die Arbeitsweise der Techniker und auch die der Piloten. "Wenn das funktioniert, beschleunigt das aber nicht nur die Prozesse, es macht auch alles günstiger", so Jacob. Denkbar wäre etwa, dass Deutschland beim Dauerauftrag im Baltikum, wo auch das Neuburger Geschwader regelmäßig im Einsatz ist, einfach das Material einer Eurofighter-Nation übernimmt, die vorher dort tätig war - oder andersrum. Das spart nicht nur Geld, sondern schont auch die Ressourcen. "Auf diesem Weg müssen wir nun Schritt für Schritt machen", sagt der Oberstleutnant, der bereits diese Woche mit dem Vorauskommando nach Rumänien fliegt.

Im dortigen Konstanza direkt am Schwarzen Meer, genauer gesagt vom Flugplatz bei Mihail Kogalniceanu aus, werden Jacob und 55 Soldatinnen und Soldaten aus Neuburg in den nächsten Wochen die 36. Stormo aus dem süditalienischen Gioia del Colle unterstützen - so wie im Vorjahr das Schwestergeschwader 71 aus dem niedersächsischen Wittmund die britische Royal Air Force. Der italienische Verband ist seit Dezember in Rumänien und damit direkt an der Südostflanke der Nato im Einsatz, wenige Hundert Kilometer von der 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim entfernt.

Der Auftrag dort ist identisch mit dem in der Heimat und im Baltikum: die Sicherung des Nato-Luftraums. Sobald ein Flugzeug ohne Genehmigung oder aber mit defektem Funk eindringt, steigen zwei Eurofighter auf, um es abzufangen und zu kontaktieren. Neu ist für die Neuburger allerdings nicht nur das Gebiet, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Italienern. "Normalerweise besteht die Alarmrotte aus zwei unserer Eurofighter, diesmal fliegen wir gemischt mit den Italienern", erklärt Kontingentchef Jacob.

Für ihn und seine Pilotenkameraden sind die fliegerischen Standards innerhalb der Nato dabei natürlich von Vorteil. "Bei teilweise nur einem Meter Abstand sollte man schon wissen, was der andere macht", erklärt er. Gleichzeitig kennen sich viele Piloten bereits. Er selbst war zudem in Süditalien, um sich ein Bild von der Arbeit des dortigen Geschwaders zu machen. Jacobs Eindruck: "Fliegerisch und technisch ist das hochprofessionell, mit den gleichen Qualitätsstandards wie bei uns."

Die Erfahrungen der Neuburger Soldaten sollen die Zusammenarbeit weiter verbessern. Auch deshalb findet das Miteinander unter realen Missionsbedingungen statt. Gleichzeitig ist ein Gegenbesuch der Italiener bereits jetzt sicher - dann allerdings in Estland, wo das Taktische Luftwaffengeschwader 74 regelmäßig die Nordostflanke der Nato absichert.

DK

Stefan Janda