Ingolstadt

Moodle und Lernnuggets

Die Ausbildung der Audi-Azubis läuft während der Corona-Krise über Home-Learning

08.04.2020 | Stand 02.12.2020, 11:34 Uhr
Die Verbindung steht: Kfz-Mechatroniker-Azubi Hayrettin (oben) beim Home-Learning, unten sieht man Trainer Thomas Seemann an seinem Arbeitsplatz. −Foto: Kaczynski, Audi AG

Ingolstadt - Virtuelle Azubi-Ausbildung mit Moodle-Einheiten und Lernnuggets: Was wie ein Gericht in einem Fastfood-Restaurant klingt, hilft den Auszubildenden bei Audi, trotz Corona-Krise Lerninhalte effektiv zu erarbeiten und umzusetzen - auch zu Hause.

 

Denn seit dem 19. März wurden bei Audi alle Lehrlinge in die eigenen vier Wände verbannt und auf "Home-Learning" umgestellt.

Ein Riesen-Kraftakt, sollte man meinen. Doch so dramatisch war es gar nicht, wie Christoph Hermreck, Koordination Berufsausbildung, erklärt - denn Audi war gut vorbereitet: Schon im September 2019 führte das Unternehmen in der Ausbildung digitale Lehrmethoden unter Nutzung der Lernplattform Moodle ein und konnte jetzt gezielt darauf aufbauen. Inzwischen stehen rund 500 Einheiten mit berufsspezifischen, aber auch übergreifenden Inhalten für die Audi-Azubis zur Verfügung. Trotz der Dramatik, die das Virus mit sich bringt, sieht Hermreck daher auch einen positiven Effekt: "Die Digitalisierung hat einen richtigen Push erlebt und die Azubis entwickeln eine hohe Eigenverantwortung und Disziplin, weil sie ihren Tag selbst strukturieren müssen. Sie lernen außerdem neue digitale Kompetenzen, weil sie sich im Team mit anderen Azubis vernetzen müssen, um Ergebnisse zu erarbeiten und zu präsentieren. "

 

Im Audi-Bildungszentrum sitzt Thomas Seemann, Ausbildung Fahrzeugtechnik, am Schreibtisch und demonstriert, wie Home-Learning funktioniert: Mehrere Bildschirme stehen vor ihm, auf denen die Aufgaben, die auf dem Unterrichtsprogramm stehen, gespeichert sind. Direkt vor ihm befindet sich seine "Klasse" - allerdings nur virtuell auf dem iPad. "Wir besprechen täglich gegen 7.30 Uhr die Themen mit der kompletten Gruppe, dann haben die Azubis etwa vier Stunden Zeit, die Aufgaben zu bearbeiten", erklärt Seemann den Tagesablauf. "Über die Chatfunktion können individuell Fragen an mich gestellt werden, mittags findet nochmal eine gemeinsame Besprechung statt. " Die Azubis nutzen zur Erledigung der "Hausaufgaben" nicht nur die Lernplattform Moodle, sondern noch weitere Tools wie Office 365, Skype, E-Mails oder Chats, um als Team gemeinsam Lösungen zu finden.

"Für die Zeiteinteilung selbst verantwortlich zu sein, war schon eine Umstellung, aber ansonsten läuft es gut. Problematisch ist aktuell nur, dass die praktische Ausbildung auf Eis gelegt ist", meint der angehende Kfz-Mechatroniker Hayrettin, und auch Kollege Max vermisst das Schrauben: "Man lernt zu Hause die Theorie, kann sie aber nicht am Auto anwenden. Ich befürchte zudem, dass wir später eine ganze Menge nachzuholen haben. " Dennoch sind die Azubis überzeugt, dass sie die Prüfungen gut schaffen werden und auch die Stimmung in der Gruppe passt: "Wir verstehen uns alle prima und unterstützen und helfen uns gegenseitig", bestätigt Azubi Julia.

Die Trainer, die immer mehrere Gruppen aus verschiedenen Lehrjahren betreuen, stehen auch im engen Austausch mit den Fachverantwortlichen der Berufsschulen, die ihrerseits die Lernplattform Mebis nutzen. Beide Plattformen sind miteinander verwandt, so dass der Austausch von Lerneinheiten möglich ist. Auch Audi-intern finden die Module mehrfache Anwendung: "Die Moodle-Einheiten bestehen aus Lernnuggets, die wir sowohl städteübergreifend, also in Ingolstadt und Neckarsulm, aber auch je nach Inhalt berufsübergreifend nutzen", erklärt Hermreck die Vorteile des digitalen Unterrichts. Ein positives Fazit bezüglich des Home-Learnings zieht auch Maximilian Resch: "Es ist gar nicht so verkehrt, sich jetzt vermehrt mit der Theorie zu befassen, um dann später die Praxis besser zu verstehen", ist der Auszubildendenvertreter überzeugt. "Zudem ist es für die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Azubis sehr wertvoll, wenn ihnen nicht permanent über die Schulter geschaut wird, sondern sie ihren Tag selbst organisieren müssen. "

DK