Hilpoltstein

Mit Taschenlampen den Kirchenpatron beleuchten

Johannes der Täufer steht im Mittelpunkt einer Führung für Kinder - Manfred Seitz erzählt vom Leben und Tod des Heiligen

27.10.2019 | Stand 02.12.2020, 12:45 Uhr
Mit dem Licht der Taschenlampen suchen die Kinder den Kirchenpatron auf den Gemälden. −Foto: Tschapka

Hilpoltstein (tis) Im September ist mit der Schauspielführung eine kulturelle Premiere gefeiert worden, jetzt folgte am Freitagabend eine weitere Attraktion rund um die Geschichte der Burgstadt: Auf Initiative des Liturgiekreises des Kirchortsrats Hilpoltstein fand in der katholischen Kirche erstmals eine Führung für Kinder statt, bei der Manfred Seitz den Mädchen und Buben anhand der vielen Gemälde im Gotteshaus die Lebensgeschichte des Patrons der Kirche näherbrachte.

Das ganze erinnerte im Gegensatz zur Schauspielführung weniger an Geschichts-, sondern vielmehr an Religionsunterricht, der jedoch, wie man an den Reaktionen der vielen Besucher sah, sehr spannend sein kann. Denn wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit, ein dunkles Kirchengebäude mit Taschenlampen zu erforschen.

In der barocken Kirche herrschte eine gespannte, und sogar ein bisschen unheimliche Atmosphäre. Die vielen Heiligenfiguren blickten aus dem Halbdunkel auf die Kinder herab, als diese in den Kirchenbänken Platz nahmen. Mit rund einhundert Personen, davon gut zwei Drittel Kinder, war das Interesse an den spannenden Ausführungen von Manfred Seitz groß. Er wollte von den Kindern zunächst wissen, wer denn der Namensgeber der Kirche sei. Ein paar Versuche brauchten die Kinder schon, bis sie - von Jesus über Maria bis Gott - schließlich Johannes den Täufer ins Spiel brachten. "Und von eben diesem Johannes, einem Zeitgenossen Jesu, berichten die vielen Gemälde an den Wänden und der Decke", erklärte Seitz, und ließ seinen Laserpointer in der Dunkelheit aufblitzen. "Es gibt hier sogar ein Bild von dem ungeborenen Johannes", so Seitz. "Ein Ultraschall-Foto?", fragte ein Mädchen. "Nein, so modern waren die Menschen damals noch nicht", relativierte Seitz und deutete stattdessen auf ein Bild an der Decke mit zwei schwangeren Frauen. "Die eine ist die Heilige Maria mit dem Jesuskind im Bauch, die andere ist Elisabeth, die bald ihren Sohn Johannes bekommen wird - und dadurch ist irgendwie auch er auf dem Bild", fand Seitz.

Und er konnte noch viele Bilder aus dem abenteuerlichen Leben von Johannes dem Täufer beschreiben, dem "Lieblingsjünger" Jesus, der im neuen Testament sowohl als Prophet der Endzeit als auch als Wegbereiter Jesu beschrieben wird.

Von der Endzeit war bei der kindergerechten Führung natürlich nicht die Rede, wohl aber vom schlimmen Ende von Johannes, durch das er zum Märtyrer der katholischen Kirche wurde. Denn er legte sich gerne mit der dortigen römischen Besatzung an und galt insgesamt als unangepasster Zeitgenosse. "Er ging in die Wüste, um dort Umkehr und Buse zu predigen, aß Heuschrecken und trug einen Kamelhaar-Mantel, der bestimmt ziemlich greißlich war", glaubt Seitz.

Auch von Johannes Zeit in der Wüste berichtete ein Gemälde, auf dem unter anderem ein verdorrter Baum zu sehen ist. "Wenn ich Führungen für Erwachsenen mache, sage ich immer, dass irgendwann einmal ein Messner dieser Kirche dort oben einen Weihnachtsbaum aufgestellt und vergessen hat, aber irgendwie glaubt mir das keiner", so Seitz.

Schnell kehrte er zurück zum Leben von Johannes dem Täufer, der aufgrund seiner aufrührerischen Predigten bei König Herodes, dem römischen Stadthalter, in Ungnade fiel. Vom vorzeitigen Ende Johannes berichtet das größte Bild der Kirche, welches über dem Altar hängt. Gemalt hat es ein Schüler des berühmten niederländischen Malers Rubens, betonte Seitz. "Dort sehen wir den gefesselten Johannes kniend vor König Herodes", sagte Seitz und erklärte die Szenerie weiter: Im Hintergrund tanzt Salome, die Stieftochter Herodes. Und weil dem König der Tanz so gut gefiel, fragte er sie, was sie sich denn wünschen würde. "Ich will das Haupt Johannes des Täufers", lautete ihre Antwort.

Wie die blutige Bibel-Geschichte ausging, überließ Seitz der Phantasie der Kinder, die die gesamte Bildergeschichte aufmerksam verfolgt hatten. "Damit ist die Religionsstunde beendet", schloss Seitz seinen rund halbstündigen Vortrag. Und aufgrund der positiven Reaktionen der Besucher denkt er sogar über eine Fortsetzung der Taschenlampen-Führungen durch die dunkle Kirche nach.