Pfaffenhofen

"Mit System zum Konsens"

Ehrenamtskongress vermittelt Strategien für eine erfolgreiche Kommunikation im Verein

24.03.2019 | Stand 02.12.2020, 14:22 Uhr
Maggie Zurek
Im Rollenspiel übte Horst Kaindl vom BC Uttenhofen (von links) unterstützt von den Referentinnen Gisela Goblirsch und Kathrin Leppla die richtige Verhandlungs-Taktik per "repräsentativer Wahrnehmung". m −Foto: Zurek

Pfaffenhofen (PK) Zum siebten Mal hat heuer das KOBE in Pfaffenhofen zum Ehrenamtskongress geladen und mit dem diesjährigen Leitthema "Miteinander reden - überzeugen - Vereine führen" ins Schwarze getroffen. Die Resonanz fiel entsprechend positiv aus.

Zu der von Uschi Schlosser als Leiterin des Koordinierungszentrums Bürgerschaftliches Engagement (KOBE) organisierten Veranstaltung, die sich als Plattform für die Begegnung von ehrenamtlich Engagierten im Landkreis versteht, hatten sich am Samstag über 100 Gäste - darunter Vertreter des Ehrenamts, interessierte Bürger und fünf Gemeinde-Oberhäupter - im dritten Stock des Landratsamts eingefunden.

Das Ehrenamt zeige sich im Landkreis als "ungeheuer vielfältig", als "Schatz unserer Gesellschaft" befand Hausherr Martin Wolf in seiner Laudatio. Ehrenamtliche übernähmen Verantwortung, schenkten Zeit und seien so "wichtige Vorbilder, gerade auch für die Jugend". Wer ein solches Amt ausübe, der bereichere seine eigene Persönlichkeit und bekomme "viel zurück", so der Landkreis-Chef. Die heutige Gesellschaft habe das richtige "Miteinander-Reden" vielfach verlernt. Und wenn man "falsch miteinander spricht, dann gibt es Scherben", erklärte der Landrat, der das diesjährige Schwerpunktthema unter Hinweis auf eigene Erfahrungen begrüßte. Führen bedeute eben nicht "befehlen oder managen", sondern "leiten und lenken".

Doch wie genau soll das gelingen? Dieser Frage gingen die beiden Referentinnen Gisela Goblirsch aus München und Kathrin Leppla aus Wien - beide erfahrene systemische Beraterinnen und als Coach tätig - auf ebenso unterhaltsame wie anschauliche Art nach.

Als probates Format für die Diskussionsrunden wählten sie die sogenannte "Fishbowl". Dabei sprachen in wechselnder Zusammensetzung Personen aus dem Publikum im kleinen "Stuhl-Kreis" (eben wie im Goldfischglas) an, was ihnen auf der Seele liegt. Die Moderatorinnen ihrerseits führten lebhaft vor Augen, wie gute Kommunikationsführung aussieht. Die Kernelemente: Zuhören, immer wieder den Wert des Gehörten herausstellen und gelegentlich die Vogelperspektive einnehmen und das Gesagte mit einem gewissen Abstand reflektieren. Als wichtige Themen in der Vereinsführung machten sie die Wertschätzung, das Finden tragbarer Entscheidungen, Verhandlungsgeschick und Konfliktlösungs-Strategien aus.

Die Wertschätzung sei "der Kitt, der einen Verein zusammenhält", bestätigte ein Teilnehmer. Doch birgt die richtige Dosierung von Lob und Anerkennung - deren oberstes Gebot die Authentizität und Ehrlichkeit ist - durchaus ihre Tücken, wie Bürgermeister Herbert Nerb aus Manching zum Amüsement der Anwesenden zu berichten wusste.

Steht im Verein eine wichtige Entscheidung an? Da kann eine Abstimmung "Pro oder Contra" bei knappen Mehrheiten, so die Erfahrung nicht nur der Referentinnen, spaltend wirken. Oder wie es jemand plakativ formulierte: "Demokratie ist, wenn drei Wölfe und ein Schaf bestimmen, was es zum Abendessen gibt". Die Methode der Wahl sei vielmehr, "mit System zu einem Konsens zu kommen". Das Verfahren, bei dem zunächst Vorschläge unkommentiert gesammelt, schriftlich festgehalten und dann in verschiedenen Stufen mit Widerstandsstimmen bewertet werden, exerzierte man an einem konkreten Beispiel durch.

Wie man sich auf knifflige Verhandlungen vorbereiten kann, indem man sich in die Wahrnehmung seines potenziellen Gesprächspartners einfühlt, führte sodann ein mutiger Proband per Rollenspiel vor.

Die Botschaften kamen an - und das Publikum machte rege mit. Nur der Zeitplan geriet aus den Fugen. Entgegen der Planung war mit dem Mittagessen nicht Schluss. Wer sich weitere Konfliktlösungsstrategien und die "Vier-Felder-Technik" für mehr Selbstsicherheit im Argumentieren nicht entgehen lassen wollte, musste "nachsitzen".

Letztlich stieß der Tag auf ein positives Echo. Wie Renée Wenninger von der Rheuma-Liga fanden wohl viele den Tag "sehr interessant". Stefan Hegenauer und Thomas Hausl von der Feuerwehr Ehrenberg wollen nach dem Probelauf im Workshop das systemische Konsensieren jedenfalls zeitnah "im Verein ausprobieren".
 

Maggie Zurek