Röttenbach

Millionen kostet es in jedem Fall

Zweckverband Rezattal steht vor der Alternative: Neubau der Kläranlage oder Anschluss an das Georgensgmünder Klärwerk

29.01.2014 | Stand 02.12.2020, 23:08 Uhr

Sind die Tage der Kläranlage im Bachgrund gezählt? Sicher würden dies, wie Bürgermeister Thomas Schneider (rechts, hier mit Klärwärter Walter Schuster), viele Bürger begrüßen - Foto: Osiander

Röttenbach (ao) Ein Investitionsvolumen von rund drei Millionen Euro kommt in den nächsten Jahren auf den Abwasserzweckverband Rezattal zu. Denn laut Wasserwirtschaftsamt ist es notwendig, die Kläranlage völlig zu erneuern oder die Kanalisation an das Klärwerk einer benachbarten Gemeinde anzuschließen.

Der Zweckverband Rezattal entsorgt die Abwässer von Mühlstetten, Niedermauk und Röttenbach sowie des Pleinfelder Ortes Stirn.

Bis 2015 sind Planungsüberlegungen anzugehen, zwei Jahre später ist die Planung abzuschließen und 2021 muss die neue Anlage in Betrieb gehen – so die Vorgaben des Wasserwirtschaftsamtes. Um die Bürger über das Vorhaben in Kenntnis zu setzen, lud Röttenbachs Bürgermeister Thomas Schneider als Zweckverbandsvorsitzender zu drei Informationsabenden in Stirn, Mühlstetten und Röttenbach ein. Die Bürger zeigten großes Interesse und beteiligten sich rege an den Diskussionen.

Für die Realisierung des Vorhabens wurden drei Varianten vom Ingenieurbüro VNI-Pleinfeld erarbeitet, die dessen Leiter Reinhard Vulpius vorstellte. Alternative eins wäre eine „völlige Erneuerung der Kläranlage am Röttenbachgrund“. Sie müsste auf rund 5000 Einwohnerwerte ausgelegt werden bei einem täglichen Wasserverbrauch von 120 Litern pro Person und Tag. Der Abbruch der bestehenden Kläranlage käme auf 200 000 Euro, der Neubau auf rund 3 bis 3,5 Millionen Euro. An jährlichen Betriebskosten dürften etwa 160 000 Euro und an Kapitalkosten 172 000 bis 199 000 Euro anfallen.

Als zweite Möglichkeit wurde ein Anschluss an das Klärwerk Pleinfeld untersucht. Das Schmutzwasser könnte mit Hilfe von zwei Pumpwerken in einer rund 6200 Meter langen Druckleitung entlang des Rezatgrundes ins Klärwerk der Nachbargemeinde geleitet werden. Die Kosten für die Pumpwerke errechnete Vulpius auf rund 300 000 Euro, für die Druckleitung auf 1,5 Millionen Euro und für den Anschluss zur fremden Anlage auf 2,1 Millionen Euro. Dazu kämen rund 185 000 Euro an Kapitalkosten und jährliche Betriebsaufwendungen von 235 000 Euro.

Die dritte Alternative wäre der Anschluss an die Kläranlage in Georgensgmünd. Das dazu nötige Pumpwerk käme auf rund 150 000 Euro, die 4600 Meter lange Druckleitung auf 830 000 Euro, die zu erwartenden Grunddienstbarkeiten auf 120 000 Euro und die Investitionsbeteiligung für die Georgensgmünder Kläranlage auf 1,5 Millionen Euro. An Kapitalkosten fielen 130 000 Euro und an Betriebsaufwendungen 207 000 Euro an.

Bei der Bewertung stellte Vulpius fest, dass sich die Zweckverbandsräte bereits gegen den Anschluss an Pleinfeld ausgesprochen hätten. Die Jahreskosten sprächen aus wirtschaftlicher Sicht für den Ausbau der eigenen Kläranlage am Röttenbach oder für den Anschluss an Georgensgmünd.

In den Diskussionen kristallisierte sich heraus, dass der Anschluss an Georgensgmünd, wirtschaftlicher und damit für den Bürger billiger käme und zudem leistungsstärker und sicherer sei. Außerdem gewänne der Grünzug im Talgrund enorm durch die Beseitigung der Schlammbecken und Faultürme. Nicht zu übersehen wäre nach Bürgermeinung auch die Nutzung entstehender Methangase. Dies könne nur eine Großanlage wie Georgensgmünd wirtschaftlich leisten.

Auch für Bürgermeister Thomas Schneider überwiegen die Vorteile bei einer Lösung mit Georgensgmünd. Ausdrücklich betonte er, dass der Zweckverband Rezattal weiterbestünde und das Kanalnetz in dessen Zuständigkeit verbliebe. Die finanzielle Seite ansprechend bedauerte Schneider, dass es dem Zweckverband nicht möglich gewesen sei, Rücklagen für die anstehende Großinvestition zu bilden, so dass die bevorstehende Millionenlast in voller Höhe durch Ergänzungsbeiträge der angeschlossenen Anwesen zu schultern sei, sofern man keine staatlichen Zuschüsse erwirken könne.

Wie Schneider weiter mitteilte, habe die Verbandsversammlung bereits bis Ende März über einen Anschluss an die Georgensgmünder Kläranlage zu entscheiden. Angepeilt sei als Inbetriebnahme der neuen Lösung das Jahr 2018.