Pfaffenhofen

Mehr als eine Party

Queere Künstler machen auf lesbische, schwule, bi-, trans- und intersexuelle Lebensentwürfe aufmerksam

17.02.2020 | Stand 02.12.2020, 11:56 Uhr
Szene-Star Leopold kam beim Pfaffenhofener Publikum im Musikklub 14/1 glänzend an. −Foto: Frank Stolle

Pfaffenhofen - Regenbogenfahne, bunte Luftballons, flatternde Boas: Bunt war die Devise, manch ein Gast schrill und extrovertiert, manch einer eher zurückhaltend und nicht weiter auffällig.

Alle aber waren bester Laune und vor allem eines - gespannt auf den Abend: Der Musikklub 14/1 hatte mit seinem hochkarätigen Gast Leopold, der am 25. Februar auf der Berlinale auftreten wird und dessen Lied "This" zuletzt bei "Germany's next Topmodel" auffiel, am Valentinstag geladen. Unter dem Motto "Warmer Amor - LGBT*IQ + Friends Valentinsparty" stieg damit die erste Party Pfaffenhofens, die explizit das Thema lesbisch, schwul, bi-, trans- und intersexuell sowie queer im Allgemeinen sichtbar machte. "Wir möchten ganz klar ein Zeichen zu Toleranz und noch besser - Akzeptanz- setzen", so die Veranstalter Christian Spanheimer und Josef Schindlbeck. "Homophobie hat in unserer Gesellschaft nichts mehr zu suchen. " Es müsse normal werden, dass es mehr gibt als nur die Norm. "Das schafft man durch Sichtbarkeit", so das Duo.

Ein Thema, das auch den Stadtratskandidaten und Eheleuten Norbert und Andreas Sigl-März am Herzen liegt: "Wir sind Menschen, die offen zu ihrer Homosexualität stehen. Aber nicht jeder hat das Selbstbewusstsein, so zu sein, wie er ist. " Dass das aber geht und dabei auf beste, positive Resonanz stieß, bewiesen als grandiose Einstimmung auf den queeren Abend zunächst die Travestiekünstlerinnen Jaqueline Mattel aus Rohrbach und die Pfaffenhofener Glamour-Queen Elisabeth, dargestellt von Andreas Sigl-März. "Hallo ihr Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen, hallo ihr Heteros! Hallo vor allem aber ihr Menschen! Wir lassen uns doch alle nicht in Schubladen pressen! " So begrüßte sein Ehemann die Künstlerinnen und den gut gefüllten Musikklub - und erntete tosenden Applaus. "Gleichberechtigung ist vielleicht im Gesetz nun verankert, aber noch bei weitem nicht in den Köpfen angekommen. Wir sind nicht so exotisch und selten, wie oft dargestellt wird. Es gibt so viele Homosexuelle und Queere, die zum Beispiel eine Heterovergangenheit haben", so Sigl-März. "Glaubt an euch und lebt euer Leben! "

Und dann legten Jaqueline und Elisabeth im Wechsel los: Mit aufwendigen, selbstgenähten Kleidern, paillettenbestickt und elegant, dazu ein Make-up, das manche Dame sicher neidisch hat werden lassen und gekonnt auf hochhakigen Schuhen stolzierend, inszenierten sie augenklimpernd und kokett Lieder wie "Er gehört zu mir" oder auch einen grandiosen Jodler mit einmaligem Zungenschlag, den die Menge mit Jubel und Euphorie honorierte.

Während Travestie eine schauspielerische Leistung ist, die Jaqueline Mattel und Elisabeth in ihrer Rolle als Frau gekonnt meistern, verkörpert der aufstrebende Szene-Künstler Leopold eine authentische, selbstbewusste, unversteckte, nicht gespielte Lebensweise. Klar positioniert er sich mit seinem Styling und fast femininer Zartheit zu seiner Homosexualität, ermutigt damit gesellschaftliche Normen zu verlassen und konservative Einstellungen aufzubrechen. Sein mit Tiefgang behafteter Sound, den er selbst als "Glam-Pop" bezeichnet, und sein extravaganter Stil ermutigen den Zuschauer, sich nicht zu verstecken, sondern sich in seiner Individualität zu zeigen. Mit seiner Bühnenpräsenz und ungewöhnlich hohen Stimme riss er die Zuschauer mit. High Heels, bauchfreies Pailletten-Shirt, lange Wimpern, perfektes Make-up, künstliche Fingernägel und eine sanfte, aber auch impulsive Performance unterstrichen seine Lieder, die eine Mischung aus elektrischem Sound, fetten Beats und eingängiger Popmusik sind, die mit Einflüssen von Michael Jackson, Prince und Beyoncé spielt. "Selbstverwirklichung ist so wichtig im Leben", so der 25-Jährige. "Zu sich selbst stehen, seiner inneren Stimme folgen - nur das führt zum persönlichen Glück! "

Auch auf Plakaten waren Statements und vielfältige Informationen zum Thema des Abends zu lesen, die die Gäste, die selbst aus München und Ingolstadt angereist waren, interessiert lasen. Man spürte nicht nur ausgelassene Partylaune, sondern auch Interesse am Thema. "Wir kommen beide aus einer heterosexuellen Ehe mit noch recht kleinen Kindern und eher konservativer Lebensweise", erzählt ein Frauenpaar im Publikum. "Es ist nicht immer einfach für uns, jetzt das Leben umzukrempeln und dazu zu stehen - aber heute haben wir hier auch andere Menschen mit sehr ähnlicher Biografie getroffen. " Es tue gut, zu wissen, dass man nicht alleine ist.

Und das wollten die Veranstalter auch erreichen: "Wir wollen Menschen unterstützen, offen mit ihrer persönlichen Lebensweise umzugehen. Solche Veranstaltungen sind ein Ansatz", so Spanheimer und Schindlbeck. Auch das Ehepaar Sigl-März möchte in Pfaffenhofen ein Bewusstsein für queere, also nicht der Norm entsprechende Lebensweisen, schaffen. "Wir freuen uns auf weitere Partys und schäumen über vor vielfältigen Ideen! " Die nächste queere Party ist im Mai geplant.