Ingolstadt

Massive Kritik am Veranstalter

Besucher äußern in den sozialen Netzwerken schwere Vorwürfe gegen das Hip-Hop-Festival

24.07.2017 | Stand 02.12.2020, 17:44 Uhr
Aus dem Festival Hip Hop am Auwaldsee wurde das Hip Hop am Parkplatz −Foto: Meßner

Ingolstadt (DK) Die Besucher des zweiten Hip-Hop-Festivals in Ingolstadt kritisieren verstärkt die Organisation der Musikveranstaltung am vergangenen Wochenende. Veranstalter Lukas Eberl sieht sich in Erklärungsnot.

Am Sonntag hatte Lukas Eberl noch eine positive Bilanz gezogen. Der Veranstalter war mit der Resonanz zufrieden gewesen. Allerdings hagelte es daraufhin gestern in den sozialen Netzwerken massive Kritik. Auf der Facebook-Seite des DONAUKURIER kommentierten Nutzer zum Artikel vom Wochenende mit teils aggressiven Worten: Fehlende Stimmung, Besucher mussten für die eigentlich kostenlose Busverbindung 2,50 Euro bezahlen, es gab weniger Bühnen als angekündigt – statt vier nur zwei.

Es sei schon ein Unterschied, ob es einem nicht gefalle, weil man einen anderen Geschmack habe, oder ob jemand „systematisch Leute verarscht“ habe und nun auch noch die eigenen Fehler jemand anderem in die Schuhe schieben wolle, kommentierte ein Nutzer.

„Die Plattenspieler waren kaputt, die Lautsprecher fielen aus, und es gab nur einen Sonnenschirm für die Besucher.“

Benjamin Jeloucan Festival-DJ

 

 

Der Veranstalter habe zum Beispiel auch die Ticketpreise kurz vor dem Festival geändert: 50 Euro zahlte man im Vorverkauf und nur noch 30 Euro an der Abendkasse. Besonders missfiel den Besuchern der kurzfristige Standortwechsel, der für einige überraschend war. Statt einer lauschigen Party am See erhielten sie „Hip-Hop am Parkplatz“. Denn das Festival fand (angeblich aus Naturschutz- und Sicherheitsgründen) nicht am Auwaldsee statt, sondern auf einem Schotterplatz an der Eriagstraße, wo sich auf dem großen Festgelände am frühen Abend eine überschaubare Menge an Gästen tummelte. „So ein Event plant man ja auch von einem auf den anderen Tag. Völliger Schwachsinn, es stand schon seit Monaten fest, dass es der Parkplatz wird“, schrieb ein weiterer Facebook-Nutzer.

Lukas Eberl kommentierte zunächst die Vorwürfe in dem sozialen Netzwerk, löschte aber alles im Laufe des Tages. „Ich hatte keine Lust mehr, mich zu rechtfertigen“, sagte er über die vielen Angriffe. Laut Eberl war die Stimmung im Verlauf des Abends immer besser geworden – Fotos von der Besuchermasse würden das beweisen. Die 2,50 Euro für den Bus-Shuttle habe er aufgrund der Verlegung und zusätzlichen Haltestellen berechnen müssen. Auch den Standortwechsel rechtfertigte der Veranstalter: „,Hip-Hop am Parkplatz ‘ wurde nicht durch uns verschuldet, sondern uns wurde vier Tage vorher erst mitgeteilt, dass wir das Gelände aufgrund neuer Naturschutz- und Sicherheitsauflagen verlegen müssen.“ Die Alternative wäre gewesen, das Festival abzusagen. „Das wollten wir aber unseren Gästen, die sich auf das Event schon lange gefreut haben, nicht zumuten.“

Der Ingolstädter Clubbesitzer Benjamin Jeloucan, der am Samstag auf dem Festgelände aufgelegt hatte, kann das nicht nachvollziehen: „Ich glaube nicht, dass man so schnell einen neuen Platz findet. Die Mühlen bei den Behörden mahlen etwas langsamer.“ Eine Genehmigung dauere länger als vier Tage.

Je mehr sich Eberl gestern rechtfertigte, umso größer wurde die Kritik. Die Facebook-Seite vom „Hip-Hop am See“ schaltete der Veranstalter nach zahlreichen kritischen Beiträgen auf unsichtbar. „Die Seite ist nicht gelöscht“, betonte Eberl. Ihren Unmut konnten die verärgerten Gäste aber dort nicht mehr loswerden.

Einen Teil der Kritik konnte sich der Veranstalter erklären: „Die meisten sind enttäuscht, dass es nicht am See stattgefunden hat.“ Dabei habe er versucht, aus der Situation das Beste zu machen. Doch laut Jeloucan gab es gerade bei der Umsetzung und Organisation große Probleme: „Der Ablauf war unüberlegt. Bei der Technik gab es Probleme. Die Plattenspieler waren kaputt, die Lautsprecher fielen aus, und es gab nur einen Sonnenschirm für die Besucher.“

„Ich hatte keine Lust mehr, michzu rechtfertigen.“

Lukas Eberl Veranstalter

 

Eberl betonte gegenüber unserer Zeitung weiter, dass alle DJs und Künstler von der geplanten Hauptbühne am Auwaldsee auch auf dem Ausweichgelände aufgetreten seien. Bis auf Hauptact Kianush, der seinen Auftritt um zwei Uhr nachts gehabt hätte. Er sei aufgrund des Regens nicht mehr auf die Bühne gegangen. „Es wurde eine Stunde lang versucht, das Mikrofon zu reparieren. Als dann die Leute das Gelände nach und nach verließen, wollte Kianush auch nicht mehr nur vor 30 Leuten auflegen“, schilderte Jeloucan die Lage.

Bereits bei der Premiere des Festivals im vergangenen Jahr stand Eberl im Anschluss an die Veranstaltung vor dem Ingolstädter Landgericht: Der Betreiber des Sicherheitsdienstes hatte gegen ihn geklagt, da Eberl die Rechnung nicht bezahlt hatte. Heuer stehen erneut Gagen aus. „Alle DJs wurden nicht bezahlt“, betonte Jeloucan – auch er warte noch darauf. Das Geld sei den Künstlern gleich nach dem Auftritt zugesichert worden.

17 Stunden Lärmbelästigung statt 17 Stunden Festival: So haben das zumindest zahlreiche Anwohner rund um den Auwaldsee empfunden. „Wir haben gut über 20 telefonische Beschwerden erhalten“, antwortete Werner Semmler von der Ingolstädter Polizeiinspektion auf Nachfrage unserer Zeitung. Laut dem Polizeisprecher waren diese Beschwerden größtenteils dem Hip-Hop-Festival zuzuschreiben. Besonders im Konradviertel und in Mailing auf der anderen Donauseite hätten sich die Anwohner über den dröhnenden Bass und die Geräuschkulisse beschwert. Ob eine Streife zu dem Festivalgelände aufgrund der Lärmbelästigung gefahren sei, könne er nicht bestätigen.

Laut Eberl schauten Beamte am Samstagabend vorbei und hätten genau hingehört. „Die Polizei konnte vor Ort keine Lärmbelästigung feststellen“, stellte Eberl klar. „Auch in der Nähe der Lautsprecher konnte man sich normal unterhalten.“ Er könne die Beschwerden nicht verstehen: „Wir haben uns an die Lärmschutzvorschriften gehalten.“

Ob ein „Hip-Hop am See“ nächstes  Jahr wieder stattfindet, ist laut Veranstalter noch unklar. Eberl hat jetzt die nächste Zeit alle Hände voll zu tun, die diesjährigen Gäste zu besänftigen.