Neuburg

Mal fröhlich, mal melancholisch

10.05.2010 | Stand 03.12.2020, 4:02 Uhr

Beeindruckendes Konzert: Die Windrose unter Leitung von Werner Lecheler erfreute am Vorabend des Muttertags mit Liebesliedern im Kongregationssaal. - Fotos: Hammerl

Neuburg (ahl) Einen höchst genussvollen Muttertagsvorabend bescherte die Windrose den Konzertbesuchern im gut besuchten Kongregationssaal. Mit Liedern von Liebesleid und Liebesglück, Sehnsucht und Abschied, entfaltete der bekannte Neuburger Chor einen bunten Reigen aus allen Facetten der Liebe.

Ein ausgesprochen anspruchsvolles Programm mit schwierigen Liedern, an das sich die wenigsten Laienensembles herantrauen dürften, hatte Chorleiter Werner Lecheler für das gut zweistündige Konzert zusammengestellt. Mit Franz Liszt Liebestraum Nr.3 versetzte Willi Brems (Klavier) die Zuhörer in romantische Muttertagsvorabend-Stimmung. Im Laufe des Abends war der junge Pianist mit gefühlvollen Interpretationen weiterer Liebeslieder zu hören, darunter Kompositionen von Frederic Chopin und Robert Schumann.

Frühling auf Englisch

Seinen ersten Auftritt meisterte der neu gegründete Kinderchor der Windrose unter Leitung von Beate Riesinger mit Bravour. "Spring, spring, spring" – quicklebendig intonierte der knapp 20-köpfige Nachwuchs das englische Frühlingslied und ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass hier ebenso viel Wert auf Qualität gelegt wird wie bei den Großen. Die stiegen mit Johannes Brahms "All meine Herzgedanken" in den Konzertabend ein und nahmen das dankbare Publikum mit auf einen Streifzug durch zwei Jahrhunderte Musikgeschichte mit Schwerpunkt auf dem 19. Jahrhundert.

Freude am Gesang

Stimmlich auf hohem Niveau – was die Solisten Evelyn Mayer, Rainer Reitwießner, Brigitta Glatz, Angelika Kornreiter, Sven Modes und Regina Weigl im zweiten Teil des Konzertes noch einmal unterstrichen – homogen und mit großer Freude am Gesang, bot die Windrose Chormusik vom Feinsten. Anders als bei so manch anderen Chören klingt hier jedes Werk anders, tritt kein Gewöhnungseffekt ein. Lecheler nutzte die ganze Bandbreite an Tempi, Modulationen und Varianz der Werke und seiner zwölf Sänger und 23 Sängerinnen. Mal sehnsüchtig im Bruckner-Lied "Du bist wie eine Blume", mal fröhlich-melodiös im "Mailied – zwischen Korn und Weizen", dann wieder melancholisch in der "Ballata" von Wilhelm Killmayer stellte der Chor Können und Vielseitigkeit unter Beweis.

Damit nicht nur die Komponisten, sondern auch die Texter entsprechend gewürdigt würden, trugen Chormitglieder Gedichte namhafter Dichter, deren Texte vertont wurden, vor. Auch hier wurde die Liebe in ganzer Bandbreite abgearbeitet – mitunter ein wenig schwülstig, sehr oft aber humorvoll, hintergründig und mit dem ein oder anderen Schuss (Selbst)ironie. Prädestiniert dafür sind unter anderem die Texte von Heinrich Heine, der erzählt "Sie saßen und trinken am Teetisch. Der Hofrat sprach, die Liebe solle platonisch sein, die Hofrätin lächelte ironisch: ,So’" . . .

Zum absoluten Höhepunkt aber wurde das abschließende Tempus est iucundum aus der Carmina Burana von Carl Orff. Hier brachen sich Temperament und Sangesfreude in fulminanter Weise Bahn und der ohnehin reichlich gespendete Zwischenapplaus wurde von den nun folgenden Ovationen um etliches übertroffen. Zwei Zugaben ließ die Windrose noch springen und verließ dafür die klassische Moderne, um sich in seichtere Gewässer zu begeben, wie Lecheler ankündigte. Dafür begab sich zunächst der Maestro höchstpersönlich ans Klavier und begleitete eine eigenwillige, augenzwinkernde, ja schon parodistisch zu nennende Interpretation von "Only you", der Solist Rüdiger Haug mit ganz eigenem Schmelz zu Lachtränen und Begeisterungsstürmen im Publikum verhalf.