Schulden in Millionenhöhe

Maas+Roos meldet Zahlungsunfähigkeit an

Insolvenzverwalter Michael Farnbacher sieht Schulden in Millionenhöhe, aber gute Chancen für die Zukunft

24.07.2020 | Stand 02.12.2020, 10:54 Uhr
Die Maas+Roos AG mit Sitz im Gewerbegebiet an der Autobahn bei Sindersdorf hat am Mittwoch einen Antrag auf Zahlungsunfähigkeit gestellt. 180 und 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeite bangen jetzt um ihre berufliche Zukunft. Bei Insolvenzverwalter Michael Farnbacher meldeten sich aber schon am Donnerstag und Freitag die ersten beiden ernsthaften Interessenten. −Foto: Tschapka

Hilpoltstein - Nur wenige Wochen nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei der Hilpoltsteiner Firma Kegler ist jetzt ein weiteres größeres Unternehmen im Stadtgebiet in schwere Schieflage geraten: Die Maas+Roos AG mit Sitz im Gewerbegebiet an der Autobahn bei Sindersdorf hat am Mittwoch ebenfalls einen Antrag auf Zahlungsunfähigkeit gestellt. Das bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Farnbacher auf Nachfrage unserer Zeitung. Seinen Angaben zufolge beschäftigt der Hersteller von LED-Schildern und Beschilderungslösungen derzeit zwischen 180 und 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jetzt um ihre berufliche Zukunft bangen.

 

Die Verbindlichkeiten der Maas+Roos AG, die nun zum Antrag auf Zahlungsunfähigkeit führten, haben sich dem Insolvenzverwalter zufolge gewiss auf einen Millionenbetrag angehäuft. Genaue Gründe für die finanziellen Probleme des Unternehmens, das zu den größten Arbeitgebern in Hilpoltstein gehört, konnte Farnbacher am Freitag aber noch nicht benennen. Die Betriebswirte, die zu seinem Team gehören, seien derzeit noch damit beschäftigt, sich einen Überblick zu verschaffen. Sie müssten erst herausfinden, ob etwa die Kosten zu hoch gewesen oder ob Kunden weggebrochen seien. "Aber das alles ist zum jetzigen Zeitpunkt noch Spekulation", so Farnbacher. Ebenso wie die Vermutung, inwieweit die Corona-Krise das Geschäft des Leuchtreklameherstellers beschädigt hat. Als alleiniger Grund für die Zahlungsunfähigkeit taugt die Pandemie nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber kaum: "Eventuell war es aber der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat", sagt Farnbacher.

Generell wolle er sich aber nicht zu lange mit der Vergangenheit der Maas+Roos AG befassen. Denn seine Aufgabe sei es vielmehr, eine Zukunftsperspektive zu entwickeln, damit der Betrieb erhalten bleibt. "Schließlich soll die Insolvenz nicht das Ende sein." Dazu gelte es jetzt den Blick nach vorne zu richten, den Betrieb zu stabilisieren, die Mitarbeiter zu motivieren, die Lieferanten trotz der ausstehenden Rechnungen wieder ins Boot zu holen und letztlich auch die bestehenden Aufträge zu erledigen.

Die ersten Tage als vorläufiger Insolvenzverwalter würden ihn aber positiv für die Zukunft stimmen, sagt Farnbacher. "Bei so einem Unternehmen mit einer solchen Substanz kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser Betrieb einfach so vom Markt verschwindet." Schon am Donnerstag habe er den ersten Anruf von einem Mitbewerber von Maas&Roos erhalten, der Interesse zeigte, das Unternehmen zu übernehmen. Und gleich am Freitag habe sich eine weiterer Interessent gemeldet.

Bis zum 1. Oktober will der vorläufige Insolvenzverwalter einen Investor gefunden haben. Ebenfalls bis zu diesem Termin ist die Bezahlung der Mitarbeiter von Maas+Roos gesichert. Das Insolvenzgeld, das die Agentur für Arbeit bezahlt, entspricht zu 100 Prozent den bisherigen Gehältern und ist für die Monate Juli, August und September gesichert.

Die Firma Maas+Roos wurde 1958 gegründet. Vom langjährigen Standort an der Lohbachstraße zog das Unternehmen in den vergangenen Jahren Stück für Stück ins Gewerbegebiet an der Autobahn, das seitdem als Hauptsitz der Maas+Roos Gruppe angegeben wird. Weitere Produktionsstätten gibt es dem Unternehmen zufolge in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Hinzu kommen Projektbüros in Hamburg, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Polen, Indien und Nordamerika.

Jochen Münch