Pfaffenhofen

Locker vom Hocker

Christoph Hörmann feiert mit seinen Musikerkollegen ein gelungenes Heimspiel in der Künstlerwerkstatt

11.02.2018 | Stand 02.12.2020, 16:50 Uhr

Es gab immer wieder Szenenapplaus: Bandleader Christoph Hörmann (links), Gitarrist Helmut Kagerer, Kontra-Bassist Ernst Techel und Schlagzeuger Michael Keul lieferten in der Künstlerwerkstatt ein überzeugendes Heimspiel ab. - Foto: Steininger

Pfaffenhofen (PK) Über ein volles Haus hat sich am Samstag Bernhard "Wacky" Singer in seiner Künstlerwerkstatt gefreut. Garant dafür war das Christoph Hörmann Quartett, das wieder mal ein Heimspiel hatte und sein Publikum voll überzeugte.

Die Sitzgelegenheiten aller Art in Wackys Schreinerwerkstatt reichten nicht aus und auch auf den Stehplätzen wurde es eng. Das in Verbindung mit der ebenso einmaligen wie unverwechselbaren Atmosphäre zwischen Holzstapeln, Kreissägeblättern und Schreinereimaschinen schafft eine wohl einmalige Clubatmosphäre, die das Publikum fasziniert und die Musiker inspiriert. Zumindest solche wie Tenorsaxofonist und Bandleader Christoph Hörmann, Gitarrist Helmut Kagerer, Kontra-Bassist Ernst Techel und nicht zuletzt Schlagzeuger Michael Keul, der mit Hörmann zusammen zuletzt auf der Gartenschau zu hören war. Und die legten los mit dem fast acht Minuten langen Titel "Bouncing with Bud" von Bud Powell, "zumindest phasenweise", betonte Hörmann. Soll heißen, dass der "Straight-Ahead Jazz", den das Quartett pflegt, sich im Ablauf an Thema-Improvisation-Thema orientiert, was den Musikern gerade im Mittelteil viel Raum für kreatives Musizieren ermöglicht. Wie zum Beispiel bei "Mambo Inn" von Mario Bauza mit seiner vertrackten Rhythmik, Jazz mit südamerikanischen Anklängen. Aber auch Balladen hat die Band im Repertoire wie "Autumn in New York" von Vernon Duke, das sich zu einem Jazz-Standard entwickelt hat, oder nach der Pause "Imagination", ein sehr melodiöser Titel, den Hörmanns über 80 Jahre altes Selmer-Tenorsax klanglich unterstreicht.

"Der Ton macht die Musik" heißt ein Sprichwort, und das darf man ruhig wörtlich nehmen, wenn Hörmann auf seiner "Kanne" sogenannte "Subtones" anstimmt. Die klingen wie gehaucht und unterstreichen die große Soundvielfalt dieses Instruments, das Hörmann in allen Nuancen virtuos beherrscht. Große Virtuosität aber auch bei seinen Kollegen wie Gitarrist Helmut Kagerer, der in rasenden Tempi schräge, schier "unmögliche" Akkorde aneinanderreiht und das Tenorsax begleitend unterstützt oder auch melodische Parts mit großer Fingerfertigkeit improvisiert. Über die verfügt auch Ernst Techel am Kontrabass, der dessen Hals in ganzer Länge bearbeitet und mit einem stoischen "Walking Bass" zusammen mit den Drums eine homogene Rhythm-Section bildet. Die wird geprägt durch Michael Keul, der seine Becken, Hi-Hat, Snare, Tom-Toms und anderes mehr nach allen Regeln der Kunst mit höchst variablen Techniken einsetzt und mit Sticks oder Besen ebenso rhythmische, wie klangliche Akzente setzt.

Am Ende ergibt alles zusammen ein bestens eingespieltes und aufeinander abgestimmtes Ensemble, das präzise, aber trotzdem locker vom Hocker musiziert, Spaß, humorvolle Moderation und Dialoge unter Musikern oder mit den Zuhörern inbegriffen. Immer wieder gibt es Szenenapplaus vom jazz-affinen Publikum, das sich altersmäßig ziemlich gleichmäßig über alle Erwachsenen-Jahrgänge verteilt. Das freut sich über den Titel "Soy Califa" von Dexter Gordon direkt nach der Pause, wippt mit den Füßen bei Dizzie Gillespies "A night in tunisia" oder bei Kurt Weill's "Speak low". Natürlich gibt's am Ende eine Zugabe, "There is no greater love" von Isham Jones. Das Schlusswort aber sprach Hausherr Wacky Singer selbst: "Was mich so fasziniert ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich so etwas anhören und welche, die so etwas spielen können, das finde ich klasse".