Ingolstadt

"Lex BGI"?

Bürgergemeinschaft darf für nächsten Maskenball nicht in den Spiegelsaal - neue Richtlinien

13.08.2018 | Stand 02.12.2020, 15:53 Uhr
Der "Fechterball Reloaded" der BGI stieß im vergangenen Jahr auf große Resonanz. Auch Ute, Walter, Moni und Karin (von links), die den Fechterball noch aus den 1980er-Jahren kennen, waren dabei. Auch im nächsten Fasching will die BGI einen Maskenball veranstalten. Den Spiegelsaal dürfen sie dafür aber nicht mehr mieten. −Foto: Foto: Brandl (Archiv)

Ingolstadt (DK) Es war ein Riesenerfolg: Mit ihrem "Fechterball Reloaded" landete die Bürgergemeinschaft einen Volltreffer. Auch in der nächsten Faschingssaison will die BGI am Rosenmontag zum Maskenball laden. Er wird allerdings nicht mehr im Spiegelsaal des Kolpinghauses stattfinden. Denn die Kolping-Akademie hat der BGI eine Absage erteilt.

"Laut Vorstandsbeschluss können leider keine externen Faschingsveranstaltungen im Spiegelsaal stattfinden", teilte die für die Vermietung des Saales zuständige Mitarbeiterin dem BGI-Fraktionsvorsitzenden Christian Lange in einer E-Mail mit. Im Jahr zuvor, als die BGI den Spiegelsaal, in dem Lange, wie er erzählt, 2001 auch seine Hochzeit gefeiert hat, für ihren Rosenmontagsball gemietet hatte, gab es einen solchen Beschluss noch nicht. Da gab es jedenfalls "überhaupt keine Diskussion", so Lange. Man habe nach der Feier aufgeräumt und den Saal "in einwandfreiem Zustand" zurückgelassen. Daran könne es nicht gelegen haben, sagt Lange. Er wittert in der Absage eine "Lex BGI". Und vermutet einen politisch motivierten Hintergrund, nachdem mit Johann Stachel als stellvertretender Vorsitzender des Kolpingvereins, der Träger der Kolping-Akademie ist, auch ein früherer Stadtrat der Freien Wähler in verantwortlicher Position im Vorstand sitzt. Lange fragt sich: Will man der BGI im Hinblick auf die 2020 stattfindenden Kommunalwahlen keine zusätzliche Plattform für Werbung bieten? Im vergangenen Jahr war der Rosenmontagsball der BGI ausverkauft. Die Neuauflage eines Maskenballs kam bei den Ingolstädtern enorm gut an. Der Spiegelsaal wurde zu einer "Hochburg der Maskerade", wie der DONAUKURIER schrieb.

"Mit der BGI hat diese Entscheidung überhaupt nichts zu tun", sagt Johann Stachel. Wie der stellvertretende Kolpingverein-Vorsitzende unserer Zeitung versichert, habe die Absage einen ganz anderen Hintergrund: Man sei gerade dabei, die Richtlinien für die Nutzung des Spiegelsaals zu überarbeiten, so Stachel. Deshalb wolle man sich nicht durch Veranstaltungszusagen festlegen. Die neuen Richtlinien beträfen vor allem große Veranstaltungen, Bälle genauso wie Hochzeiten, die auch sehr eingeschränkt werden sollen. "Es gab immer wieder Schwierigkeiten mit Nachbarn, die sich über Lärm beschwert haben", erklärt Stachel. So sollen Veranstaltungen künftig unter der Woche nur noch bis 22 Uhr stattfinden.

Die Erfahrungen, die man bei der Vermietung des Spiegelsaals mitunter gemacht habe, seien nicht immer positiv gewesen. Auch, dass der Saal manchmal in eine Diskothek umgewandelt worden sei, habe dem Verein missfallen. "Das ist ein Spiegelsaal, das ist keine Disco", betont Stachel. "Ich bin seit 55 Jahren Mitglied im Kolpingverein. Wir haben das Haus für etwa 8,3 Millionen D-Mark saniert. Wir tragen auch eine Verantwortung dafür."

Christian Lange jedenfalls war über die Absage überrascht. Gerne hätte er auch für die zweite Auflage des Rosenmontagsballs den Spiegelsaal genutzt. "Unsere Gäste haben sich bei Ihnen im Haus wohlgefühlt", schrieb Lange , als er den Saal für Rosenmontag im kommenden Jahr - das ist der 4. März 2019 - wieder anmieten wollte. Der Spiegelsaal ist für ihn "einer der schönsten Säle der Stadt." Das Ambiente, sagt er, sei "schöner als im Festsaal", der zudem zu groß für den Ball der Bürgergemeinschaft sei. Einziges Manko am Spiegelsaal: Man habe den Ball pünktlich um 1 Uhr beenden müssen.

So könnte sich die Absage m für den Maskenball im nachhinein sogar als Vorteil erweisen. Derzeit ist die Bürgergemeinschaft auf der Suche nach einem alternativen Veranstaltungsort. Verschiedene Möglichkeiten würden gerade ausgelotet. Mit einem Veranstalter sei man konkret in Verhandlung. Lange ist sicher: Einen Maskenball der BGI wird es im nächsten Jahr wieder geben. "Wir lassen uns nicht unterkriegen."
 

Ruth Stückle