Launiger Abschied: Mit dem Wirtschaftsschulabschluss in der Tasche den Job als "Bierfahrer-Beifahrer" vor Augen

30.07.2021 | Stand 04.08.2021, 3:33 Uhr
20 - 1 = 19. Eine solche Rechnung lösen die kaufmännischen Nachwuchskräfte, wie sie die Staatliche Wirtschaftsschule in Greding ausbildet, natürlich mit links. In diesem Fall bedeutet das aber auch, dass nur 19 Absolventen auf dem Foto sind, ein Entlassschüler fehlt wegen Krankheit am Zeugnistag. −Foto: Luff

Greding - Mit "nicht wenig Respekt" gratuliert der Plankstettener Abt Beda Maria Sonnenberg OSB, katholischer Religionslehrer an der Wirtschaftsschule in Greding, den Absolventen zu ihrem Schulabschluss.

Denn die letzten beiden Schuljahre, geprägt von der Corona-Pandemie, seien eine "Reise im Nebel" gewesen. Der Geistliche gibt damit den Ton für die Zeugnisübergabe am Donnerstag vor. Geprägt ist sie von der Rückschau auf eine außergewöhnliche Schulzeit.

Als Laptop-Klasse könnten die Wirtschaftsschüler in Zeiten des Distanzunterrichts im Vergleich zu anderen wenigstens ein paar kleine Vorteile gehabt haben. Zumindest haben alle 20 Absolventen - 11 Mädchen, 9 Jungs - ihren Abschluss in der Tasche. Und bis auf einen, der sich ein wenig Zeit mit seiner Wahl lässt, auch schon einen Anschluss, weiß Klasslehrer Dominic Schels. Ob an der Fachoberschule, deren Besuch der Mittlere Abschluss an der Wirtschaftsschule berechtigt, oder bei einer Ausbildung im kaufmännischen Bereich, im Büro oder auch in Berufen, die auf den ersten Blick wenig mit der Wirtschaftsschule zu tun haben. Einer der Entlassschüler will beispielsweise Kaminkehrer werden.

Beeinträchtigt von der Pandemie ist vor allem die Zeugnisübergabe selbst. Denn Dominic Schels und seine Kollegin Marina Riemann haben es in den vergangenen Jahren zu ihrem guten Brauch gemacht, kleine Schlaglichter aus dem Schulgeschehen aufzugreifen und ihre Schüler als letzten liebevollen Gruß durch den Kakao zu ziehen. Diesmal wissen sie "etwas weniger als sonst", sagt Schels. Gemeinsames schulisches und vor allem außerschulisches Leben war dann doch Mangelware in der langen Zeit des Lockdowns.

Ein paar liebevolle Spitzen gibt es dann aber doch. Einer der Schüler ist Fan von Oettinger Bier, weiß Riemann. Und als Konsument sehr fleißig. Er solle doch "Bierfahrer-Beifahrer" werden, rät die Klassleiterin ihm, selbst einmal am Steuer zu sitzen, wäre zu gefährlich. Felix Lang aus Aue beschreibt Lehrer Schels mit "Hummeln im Arsch, das Herz auf der Zunge" und "eigentlich ein stinkfauler Sack". Worüber sich andere vielleicht aufregen würden, kann dem Angesprochenen herzlich egal sein: Mit einem Notenschnitt von 1,63 teilt er sich nämlich den Spitzenplatz der Klasse mit Anna Varga aus Greding - der Jüngsten in der Klasse. Auch Yasmin Köberle und Felix Käsbatzinger teilen sich mit einem Schnitt von 1,75 Platz zwei, das Quartett wird bei der Zeugnisausgabe besonders geehrt.

Die Wirtschaftsschüler lobt auch der frühere Gredinger Mittelschulrektor Oswald Brigl, stellvertretender Bürgermeister von Greding. In der Kommune sei man stolz auf diese Institution an der Landkreisgrenze, sagt er. Und auf ihre Absolventen. "Bildung verleiht Flügel", schreibt er den jungen Leuten ins Stammbuch - "ihr seid jetzt flügge geworden. " Sie sollten sich in die Gesellschaft einbringen, appelliert er, Verantwortung zum Beispiel in Vereinen übernehmen.

Ein Anliegen, das der Leiter der Wirtschaftsschule, Wendelin Ferstl aus Eichstätt, nur unterschreiben kann. Er gibt den Absolventen drei weitere Ratschläge an die Hand, die sie in ihrem Leben nach der Schule beherzigen sollten. "Beherrscht die Digitalisierung! ", mahnt er. "Lasst euch nicht von ihr beherrschen! " Die Pandemie habe diese Entwicklung nicht nur in der Schule, sondern auch in der Arbeitswelt befeuert, da müsse man immer am Ball bleiben. Zudem sollten die Jugendlichen stets Vertrauen in sich und ihre Fähigkeiten haben. Last but not least: "Habt den Mut, das Richtige zu tun! ", fordert er die jungen Leute auf. "Sagt eure Meinung! "

Ferstls Kollegium spricht die Elternbeiratsvorsitzende Evelyn Pfeiffer ein großes Lob aus. Wegen Corona hätten die Lehrkräfte "weit mehr Kraft und Energie" aufbringen müssen als in normalen Zeiten - und das hätten sie auch getan. Ebenso wie die Schüler. Die jetzige "Chill-out-Phase sei euch gegönnt".

HK

Volker Luff