Nürnberg

Landschaftlich reizvoll, historisch wertvoll

Neue Serie führt zu besonderen Orten in Bayern: Schloss Neunhof bei Nürnberg ist seit Jahren geschlossen, der verwilderte Garten aber zu besichtigen

17.08.2017 | Stand 02.12.2020, 17:38 Uhr

Im Dornröschenschlaf: Schloss Neunhof vor den Toren Nürnbergs ist eine Außenstelle des Germanischen Nationalmuseums. - Foto: Pelke

Nürnberg (DK) "Hinter Gittern" präsentiert sich dieses traumhafte Schloss vor den Toren Nürnbergs. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ein dickes Eisentor versperrt den Zugang zum Herrensitz im Knoblauchsland. Ein kleines Schild vertröstet die Besucher, die sich umsonst nach Neunhof aufgemacht haben. Schon seit 2013 ist der fränkische Patrizierlandsitz geschlossen. Seitdem befindet sich das Bilderbuch-Schlösschen im Dauerdornröschenschlaf.

Verwunschen schlummert der Landsitz der Patrizierfamilie Kreß, deren Wappen sich noch an mehreren Stellen des Anwesens finden, vor sich hin. Rund um das historische Gemäuer aus Fachwerk und Sandstein mit dem Wassergraben und den beiden hoch oben thronenden Zwerchgiebelhäusern wuchert das Grün. Die Stille ist beinahe mit Händen zu greifen. Im großen Garten haben sich an diesem Sommertag keine Besucher verlaufen. Dabei hat sich diese Traumimmobilie einst vor Gästen kaum retten können. Sogar mit dem Pferdegespann konnte man sich zum prächtigen Herrensitz kutschieren lassen. Das Germanische Nationalmuseum nutzte die größtenteils im Originalzustand erhaltenen Innenräume des Schlosses als Dependance. In dem Garten durften die städtischen Gärtner zeigen, was sie draufhaben. Das ist lange her.

"Es ist wirklich schade. Aber wir können leider nichts machen", verteidigt Sonja Mißfeldt, die Sprecherin des Nationalmuseums, den traurigen Zustand, in dem sich das Gesamtanwesen mit Garten, Gebäude und Inneneinrichtung derzeit präsentiere. Die adeligen Schlossbesitzer aus der alten Patrizierfamilie seien für den Erhalt des Landsitzes zuständig. 2013 seien verschiedene Maßnahmen zur Pflege der Bausubstanz angestanden. Seitdem sei das Schloss geschlossen und damit ein Besuch der wertvollen Innenräume nicht mehr möglich gewesen. Um den Erhalt und die Präsentation der originalen Ausstattung habe sich das Nationalmuseum gekümmert. Um eine Ausstellung habe es sich dabei im engeren Sinne des Wortes nicht gehandelt. Das Museum habe "nur" den Luxus der historischen Inneneinrichtung vorführen müssen. "Das Besondere an Schloss Neunhof ist seine gut erhaltene noch originale Innenausstattung", erklärt die Museumssprecherin. Etwas Besseres kann einem Nationalmuseum wohl nicht passieren. Dass man den historischen Schauplatz der Geschichte in traumhafter Kulisse wenige Minuten vor den Toren der Stadt in zeitgemäßem Originalambiente präsentieren kann. Umso trauriger dürften die Museumsleute über den Dauerdornröschenschlaf sein. "Wann die Arbeiten beendet sind, ist leider noch nicht absehbar", erklärt Mißfeldt und verweist darauf, dass Renovierungen selbst für Adelsfamilien aufwendig und teuer seien.

Nicht ganz billig ist offensichtlich auch die Pflege des überdimensionalen Barockgartens. Die Stadt, die sich um das Grün eigentlich kümmern soll, führt einen Pilzbefall der Buchsbäume als Erklärung für den schlechten Zustand ins Felde. Aus diesem Grund hätten die vielen Kübelpflanzen ebenfalls entfernt werden müssen. Die Stadt beteuert, dass sie sich derzeit "bemühe", neue Pflanzen aufzustellen. Bis dies geschieht, bittet man die Besucher "noch um ein wenig Geduld". Der nun schon vier Jahre anhaltende Dauerschlaf des Schlösschens hat auch positiven Seiten. Einsamer und verwunschener hat sich das Bilderbuch-Ensemble schon lange nicht mehr präsentiert. Wild rankt das Grün um Eisengitter und Sandsteinmauern. Ein Guckloch in der romantisch vor sich hinwuchernden Hecke gibt einen grandiosen Blick auf die benachbarte Wehrkirche in Kraftshof frei. Das "Gespenster-Schloss" ist derzeit vielleicht der perfekte Ort für ein royales Familienpicknick in Nürnberg.

 

Der Garten ist bis Oktober täglich zwischen 10 und 19 Uhr geöffnet.