Allersberg
Landkreisübergreifender Protest gegen Altenfeldener Industriegebiete

Ortsverbände Allersberg und Pyrbaum starten Kampage - Bürgerentscheide in beiden Gemeinden angestrebt

21.06.2019 | Stand 02.12.2020, 13:42 Uhr |
Manfred Kinzler, Stephanie Jaspers, Christine Garibasch, Siegfried Hauff, Gisela und Georg Decker und Tanja Josche (v.l.). −Foto: haz

Allersberg/Pyrbaum (haz) Die Ortsverbände von Bündnis 90/Die Grünen aus Pyrbaum und Allersberg wollen künftig gemeinsam darum kämpfen, dass anstelle der von der Marktgemeinde Allersberg bereits beschlossenen Industrieparks West I und West II bei Altenfelden nur ein kleineres Gewerbegebiet entsteht.

In beiden Gemeinden sollen Bürgerentscheide angestoßen werden. Um Strategien zu entwickeln, wie das geplante Großprojekt mit den über 30 Hektar großen Industriegebieten noch in andere Bahnen gelenkt werden könnte, trafen sich nun Tanja Josche, Gisela und Georg Decker sowie Tanja Josche vom Allersberger Ortsverband der Grünen aus Allersberg mit dem Allersberger Gemeinderatsmitglied Manfred Kinzler (SPD) sowie den Pyrbaumer Grünen Siegfried Hauff, Peter Sonntag, Christine Garibasch, Stephanie Jaspers, die bei der nächsten Bürgermeisterwahl in Pyrbaum als Kandidatin antreten wird.

Laut dem Pyrbaumer Grünen-Vorsitzenden Siegfried Hauff habe man im Vorfeld der jüngsten Landtagswahl in Bayern gehört, dass genügend Gewerbeflächen für die nächsten zehn Jahre ausgewiesen worden seien. Doch nun soll bei Altenfelden erneut eine große Fläche versiegelt werden.

Wie Georg Decker aus Allersberg erklärte, müsse für den ersten und schon rund 18,5 Hektar großen Teil des geplanten Industriegebiets ein Wäldchen komplett abgeholzt werden. Für diesen Teil des Industrieparks sei auch die Ansiedlung von emissions- und/oder logistikintensiven Betrieben geplant. Der zweite Teil mit weiteren 12,35 Hektar grenze unmittelbar an den Ort Altenfelden an und werde von der Kreisstraße durchschnitten. Für deren Verlegung gebe es bereits einen Antrag der Marktgemeinde Allersberg beim Landkreis. Falls der Verlegung der Kreisstraße zugestimmt wird, werde weiterer Wald abgeholzt, so Decker.

Beide Abschnitte des Industriegebiets liegen den Kritikern zufolge nicht nur in der Nähe der A9 und der ICE-Trasse, sondern grenzen auch direkt an ein Biotop und das Wassereinzugsgebiet der Wasserversorgung Brunnbachgruppe, die neben den Haushalten der Marktgemeinde Allersberg auch die Pyrbaumer Ortsteile Oberhembach und Pruppach beliefert sowie über eine Fernwasserleitung die Stadt Fürth, die jährlich bis zu 150 000 Kubikmeter Wasser erhält. Decker monierte auch, dass er bei der Marktverwaltung und beim Bürgermeister nur sehr unbefriedigende Antworten auf seine Nachfrage erhalten habe, welche Firmen sich ansiedeln wollen und wie viele Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Er habe nur den Hinweis bekommen, dass es 27 Interessenten gebe.

Die Pyrbaumer Grünen zeigten sich solidarisch mit dem Bestreben ihrer Allersberger Parteikollegen, dass es ein neues Industriegebiet in dieser Größe nicht geben dürfe. Sie fürchten speziell eine Verschlechterung der Wasserqualität. Und Siegfried Hauff ergänzte, dass sich das Grundwasser zurückziehe, wenn mehr Flächen versiegelt werden.

Doch das Wasser sei nur der eine Punkt. Die Pyrbaumer Grünen fürchten auch den zusätzlichen Verkehr. Schon jetzt sei gerade für den Pyrbaumer Gemeindeteil Seligenporten die Belastung sehr hoch, da sich viel Verkehr von der Autobahnanschlussstelle Allersberg in Richtung Neumarkt bewegt, zumal es sich für viele auch um eine Abkürzung zur Autobahn Nürnberg-Regensburg handelt. Kommt das Industriegebiet, wird die Verkehrsbelastung noch höher, sagt Christine Garibasch. "Von Pyrbaumer Seite werden wir uns stark machen, weil wir mit Trinkwasser und Verkehr unmittelbar betroffen sind", fasste Siegfried Hauff zusammen.

Die Pyrbaumer Grünen wollten aber Klarheit von den Allersbergern: "Wollt ihr das Industriegebiet ganz verhindern oder einfach nur, dass es nicht so wild kommt", fragte Peter Sonntag. Die Antwort von Georg Decker: "Wir setzen auf ein kleineres Gewerbegebiet für Betriebe mit qualifizierten Arbeitsplätzen". Siegfried Hauff kündigte daraufhin an: "Wenn wir was machen, werden wir ein Aktionsbündnis anstoßen mit Bürgerentscheiden in Pyrbaum und Allersberg". Nun wollen die Ortsverbände die nächsten Schritte unternehmen und mit ihren jeweiligen Kreisverbänden zur Unterstützung des Vorhabens sprechen.