Gaden

Lässt sich verpasste Chance wiedergutmachen?

Viele Gadener wären nun doch sehr froh über die Abstufung ihrer Ortsdurchfahrt und weniger Verkehr

03.09.2020 | Stand 02.12.2020, 10:38 Uhr
Völlig neu gebaut wurde die Durchgangsstraße von Gaden im Laufe des Jahres 2015. Danach wäre die frisch sanierte Kreis- zur Gemeindestraße abgewidmet worden, doch dafür fand sich in dem Ortsteil damals keine Mehrheit. −Foto: Archiv GZ

Gaden - Wochenlang ist damals leidenschaftlich darüber diskutiert worden: Soll die Kreisstraße aus Gaden hinaus verlegt und die Ortsdurchfahrt zur Gemeindestraße abgestuft werden?

 

Letztlich fand sich 2014 weder bei den Gadenern selbst noch im Stadtrat eine Mehrheit dafür. Jetzt jedoch deutet sich in der Dorfbevölkerung ein Meinungsumschwung an, und der Grund dafür liegt auf der Hand: die mittlerweile abgeschaffte Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs), wodurch die unmittelbaren Straßenanwohner vor einer späteren finanziellen Belastung durch eine Abstufung gefeit sind. Bleibt nur die Frage, ob es für eine Umwidmung jetzt nicht zu spät ist.

Dass sich 2014 diese Möglichkeit einer deutlichen Verkehrsentlastung für den Ortsteil eröffnete, lag an einem zeitlichen Zufall - weil nämlich zwei Baumaßnahmen zusammentrafen: Der Landkreis erneuerte im Ortsbereich seine Kreisstraße und die Stadt führte (etwas später) die Sanierung der Gadener Straße mit dem Teilstück zwischen Gaden und der Einmündung in die B 300 zu Ende. Es bestand also die Möglichkeit, die Kreisstraße von Unterpindhart her kommend am Ortseingang von Gaden nach rechts abknicken zu lassen.

Die vom Kreis frisch sanierten Ortsdurchfahrt wäre in diesem Fall abgestuft und in den Unterhalt der Stadt übergegangen. Konsequenz daraus gemäß der damaligen Rechtslage: Irgendwann nach mehreren Jahrzehnten, wenn die Ortsdurchfahrt erneut sanierungsbedürftig ist, wären die Straßenanlieger mit 50 oder 60 Prozent der Ausbaukosten herangezogen worden.

Diese befürchteten Mehrbelastungen waren der Grund, warum sich in Gaden letztlich keine Mehrheit für das Umwidmungsangebot fand - auch wenn es im Laufe der Diskussion damals zu einer gewissen Verschiebung im Meinungsbild kam. Während zunächst nur ein Bruchteil der Gadener für eine Änderung der Verkehrsführung votierte, erbrachte eine Befragung durch die Stadt ein Stimmenpatt, und ein solches ergab sich dann auch bei der entscheidenden Sitzung des Geisenfelder Stadtrats Ende Juli 2014: Das 11:11 im Gremium beendete letztlich die Umwidmungspläne, was nicht nur die Geisenfelder Bauamtsleiterin Irene Wimmer damals von einer "verpassten Chance für eine deutliche Verkehrsentlastung des Ortsteils" sprechen ließ.

Und so sieht es mittlerweile auch die Mehrheit der Gadener selbst. Dies sei ihm zumindest von Ortsteilbürgern so geschildert worden, ließ Reinhard Bachmaier (USB) in der jüngsten Stadtratssitzung wissen, wobei hier auch die "geänderten Rahmenbedingungen" eine Rolle spielten. Will heißen: Mit der Abschaffung der Strabs haben sich die Befürchtungen der Anwohner hinsichtlich einer späteren finanziellen Mehrbelastung erledigt - der Verkehr im Ort ist aber leider Gottes geblieben und hat sich nach Ansicht mancher Ortsbewohner seitdem sogar noch verstärkt. Immer wieder, so hat Bachmaier erfahren, komme es etwa im Bereich der Bushaltestelle, zu gefährlichen Situationen durch Sattelzüge, wenn diese zum Durchfahren der Kurve über den Straßenrand hinaus geraten.

Ihm, so Bachmaier, liege sein damaliges, aus heutiger Sicht falsches, Votum im Stadtrat "schwer im Magen", und deshalb bitte er die Verwaltung im Sinne der Gadener zu prüfen, ob es Möglichkeiten gibt, die vor sechs Jahren verpasste Umwidmung nachträglich zu realisieren. Eine Abstufung der Ortsdurchfahrt zur Gemeindestraße böte dann ja die Möglichkeit, diese für den Schwerlastverkehr zu sperren.

Mit diesem Vorstoß, so erklärte die neue Gadener Ortssprecherin Dominic Winkler, sei ihr "der Kollege Bachmaier etwas zuvorgekommen". Die hohe Belastung, gerade durch den Schwerlastverkehr, sei "ohne Frage ein Thema im Ort". Sie wolle sich demnächst bei der Geisenfelder Bauamtsleiterin über die Möglichkeiten einer Verbesserung informieren, um dann mit diesen Infos auf die Dorfbevölkerung zuzugehen und deren Meinung einzuholen, erklärte Winkler gegenüber unserer Zeitung.

Die Geisenfelder Bauamtsleiterin Irene Wimmer ist ihrerseits bereits dabei, die Möglichkeiten auszuloten. Sie werde dazu Ende September einen Termin beim Leiter der Bauabteilung des Landratsamtes Pfaffenhofen haben, ließ sie wissen. "Wir sollten es probieren, aber es wird schwierig", meint sie zu den Chancen und verweist darauf, "dass beim Ausbau des Reststücks des Gadener Straße der Kreuzungsbereich ja gemäß der geltenden Vorfahrtssituation - also mit Beibehaltung der Kreisstraße durch den Ort - gestaltet wurde".

Hätte man sich damals für eine Umwidmung der Kreisstraße entschieden, wäre statt einer fast rechtwinkeligen Kreuzung eine Ableitung des (vorfahrtsberechtigten) Verkehrs aus Unterpindhart in einem weiten Bogen vorgesehen gewesen. "So etwas lässt sich nicht einfach nachträglich umbauen", gibt Wimmer zu bedenken. Wie das Landratsamt angesichts des baulichen Status Quo zu einer Umwidmung steht, bleibe abzuwarten. Und wenn es nicht funktioniert? Dann werden sich manche Gadener wohl doppelt ärgern, wie knapp ihr Dorf 2014 eine historische Chance verpasst hat.

GZ

Gerhard Kohlhuber