Ingolstadt
Kupferstich und Sektionen

22.08.2016 | Stand 02.12.2020, 19:24 Uhr |

Ingolstadt (DK) Am heutigen Dienstag, 23. August, findet ab 12.30 Uhr wieder die halbstündige Mittagsvisite im Deutschen Medizinhistorischen Museum in der Alten Anatomie statt. Direktorin Marion Ruisinger stellt dabei einen Kupferstich aus dem Stadtmuseum vor, der als Leihgabe zu sehen ist.

Sein Motiv ist das Anatomiegebäude. 1723, im Jahr der Grundsteinlegung zum neuen Anatomiegebäude der Universität Ingolstadt (der heutigen Alten Anatomie), fertigte Simon Thaddäus Sondermeyr im Auftrag der Universität einen Kupferstich an, der das fertige Gebäude zeigt. Der Stich zeigt das Gebäude so, wie man es sich bei der Grundsteinlegung wünschte. Der Eintritt ist frei.

Im Begleitprogramm zur aktuellen Sonderausstellung veranstaltet das Deutsche Medizinhistorische Museum zudem eine Vortragsreihe zum Thema "Anatomie im Jahrhundert der Aufklärung". Am morgigen Mittwoch ab 19 Uhr setzt die Historikerin Karin Stukenbrock die Vortragsreihe fort. Die Referentin leitet die Zweigbibliotheken Medizin der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle. Ihr Thema: "Leichen für die Anatomie. Soziale und rechtliche Aspekte der Sektionen."

Im 18. Jahrhundert gab es keine freiwilligen Körperspender für die Anatomie. Weder das Argument der Vergänglichkeit des menschlichen Körpers noch der Hinweis auf den Nutzen der anatomischen Forschung für das Gemeinwesen konnte die Menschen dazu bewegen, ihre Leichname freiwillig der Anatomie zur Verfügung zu stellen. Für die Sektionen waren deshalb ausnahmslos die Körper von hingerichteten Verbrechern und Selbstmördern vorgesehen. Zu Problemen kam es, als deren Anzahl für den steigenden Bedarf der Anatomie nicht mehr ausreichte. In der Folge weitete man den Kreis, der nach dem Tod abzuliefernden Personen aus: Nun sollten auch Arme, ledige Mütter und deren Kinder nach dem Tod der Anatomie zur Verfügung gestellt werden. Im Vortrag geht Karin Stukenbrock den sozialen und rechtlichen Aspekten dieser Ausweitung nach.