Drittes Gold in Stuttgart

Kunstrad-WM: Milena Slupina vom TSV Bernlohe gelingt Titelverteidigung

Kunstradfahrerin gewinnt Weltmeisterschaft in Stuttgart mit 194,56 Punkten

01.11.2021 | Stand 01.11.2021, 20:06 Uhr
Benedikt Schimmer
Kunstrad-Weltmeisterin Milena Slupina unterstrich in Stuttgart ihre Nervenstärke und fuhr mit 194,56 Punkten die beste Wertung ein, die eine Frau jemals bei einer WM erreicht hat. −Foto: Schwarz

Freude pur, aber auch ein Stück weit Erleichterung bei Milena Slupina: Die Kunstradfahrerin vom TSV Bernlohe ist ihrer Favoritenrolle bei der Weltmeisterschaft in der Porsche-Arena in Stuttgart gerecht geworden und hat ihren Titel nach einem Jahr Corona-Pause erfolgreich verteidigt.

Für die 26-Jährige war es nach 2017 und 2019 bereits ihr dritter WM-Triumph. Insbesondere im Finale am vergangenen Samstag wuchs die Rotherin über sich hinaus und erreichte mit 194,56 Punkten sogar eine neue WM-Bestleistung. Trainerin und Mutter Petra Slupina sprach von einer "grandiosen" Kür.

"Schon als bei der letzten Übung klar war, dass es für den Sieg reicht, überkam mich diese unendliche Freude über eine richtig gute Fahrt. Das hat eine große Bedeutung für mich, dass das ausgerechnet in einem WM-Finale so klappt", sagt Milena Slupina über ihren denkwürdigen Erfolg. Bereits in der Vorrunde am Freitagabend habe sie ein gutes Gefühl auf dem Rad gehabt und sich sicher gefühlt. "Ich habe zwar Fehler gemacht und Punkte liegen gelassen. Das waren aber keine Fehler, die mich ins Grübeln gebracht hätten." Doch auch die Konkurrenz ließ Federn, am Ende qualifizierte sich die amtierende Titelverteidigerin als Zweite - einen Punkt hinter Nationalmannschaftskollegin Lara Füller (RKV Poppenweiler) - für das Finale, in das die vier besten Kunstradfahrerinnen der Vorrunde einzogen.

Optimale mentale Vorbereitung

Vor dem Finale tags darauf galt Slupinas Augenmerk dann voll und ganz der optimalen mentalen Vorbereitung. "Beim Einfahren habe ich speziell auf die Fehler der Vorrunde geachtet. Hauptsächlich habe ich aber meine Aufmerksamkeit total geschärft, um mit dem Kopf dabei zu sein und bei Abweichungen vom optimalen Weg schnell reagieren zu können." Und das sollte sich auszahlen, denn schon nach der zweiten Übung sah sich die Rotherin mit einer "schwierigen Situation" konfrontiert - ein Schlüsselmoment für das weitere Abschneiden. "Ich habe gemerkt, dass der Wechsel von der zweiten Übung zur dritten nicht passte und ich stürzen würde."

Geistesgegenwärtig traf sie eine riskante Entscheidung: Sie setzte ihr Vorderrad kurz ab und baute die Übung neu auf, was zwar keinen Punktabzug, dafür aber einen nicht unerheblichen Zeitverlust zur Folge hatte. Ganze zehn Sekunden ihrer fünfminütigen Kür hatte Slupina dadurch verloren und geriet somit unter Zeitdruck. "Ich wusste, dass alles, was innerhalb der fünf Minuten nicht gezeigt werden kann, nicht mehr zählt." Was die 26-Jährige auch wusste: Konkurrentin Lara Füller war bereits gut durch ihr Programm gekommen, die amtierende Weltmeisterin konnte sich also keine weitere Unsauberkeit mehr erlauben. "Es war klar, dass ich auf Tempo gehen musste. So schnell bin ich noch nie gefahren. Da war die erhöhte Konzentration dann Gold wert", sagt Slupina, die ihre Kür am Ende tatsächlich vollständig zeigen konnte.

Drittes Gold

Insgesamt beendete die Rotherin ihre Fünf-Minuten-Kür mit 194,56 Punkten und heimste mit der höchsten Wertung, die eine Frau jemals bei einer Weltmeisterschaft erreicht hat, ihr drittes WM-Gold ein - eine beeindruckende Konstanz auf Weltklasseniveau. "Es war eine sehr besondere Fahrt, die ich mir auf jeden Fall noch einmal anschauen und genießen werde. Viele Zuschauer haben gesagt, dass sie mich noch nie so ruhig und schön fahren haben sehen."

Auch Slupinas Vereinstrainerin und Mutter Petra zeigte sich von der Kür ihrer Tochter begeistert. "Sie hatte diese Entschlossenheit in ihrem Blick. Während andere im Wettkampf oft etwas schlechter fahren, kann Milena noch eine Schippe drauflegen. Sie hat bewiesen, dass sie auf den Punkt abliefern kann. Für mich war es grandios."

HK

Benedikt Schimmer