Ingolstadt

"Kulturelle Bildung aufwerten"

13.04.2010 | Stand 03.12.2020, 4:06 Uhr

Politikerin und Pianistin: Agnes Krumwiede will musische Bildung fördern. - Foto: oh

Ingolstadt (DK) "Künstler an die Schulen" ist ein Projekt, das die Ingolstädterin Bundestagsabgeordnete Agnes Krumwiede (Bündnis 90/Die Grünen) in Ingolstadt etablieren möchte. Sie will eine bessere Vermittlung zwischen Kultur und Schulen ermöglichen.

Die musische Bildung an den Schulen soll aufgewertet werden und Künstler sollen ihr Wissen und ihre Begeisterung an die Schüler weitergeben. Bernd Limmer sprach mit der 33-jährigen ausgebildeten Pianistin über das neue Projekt.

Frau Krumwiede, ist in Ingolstadt der Bedarf für ein solches Projekt vorhanden?

Agnes Krumwiede: Ich glaube schon, dass es den Bedarf gibt, man muss es nur publik machen. Überall, auch in Bayern, werden momentan bei der kulturellen Bildung an den Schulen Zeit und Kapazitäten eingespart. Diesem Prozess kann ein Verein wie "Künstler an die Schulen" in Ingolstadt entgegenwirken. Niemand ist in der Vermittlung von Kultur und Musik authentischer als der Künstler selbst. Das ist eine Grundidee von "Künstler an die Schulen". Natürlich ist bei den Projekten, die wir mit unserem Verein anbieten wollen, die kind- und jugendgerechte Vermittlung entscheidend. Es soll auch immer ein Lehrer mit dabei sein.

Es gibt im Internet bereits Plattformen, auf denen sich Künstler registrieren können, die ihr Wissen an Schüler vermitteln wollen.

Krumwiede: Ja, aber noch nicht für Ingolstadt. Wir wollen die Kräfte und die vorhandenen Angebote bündeln. Ich weiß von einigen Lehrern, dass es an der Vermittlung hapert. Viele wissen nicht, wohin sie sich wenden können, wenn sie zum Beispiel einen Schauspieler für eine Lesung an ihrer Schule engagieren wollen. Diese Vermittlerfunktion soll "Künstler an die Schulen" übernehmen.

Ist der Verein nur auf die Region Ingolstadt begrenzt?

Krumwiede: Ja, vorerst. Wir müssen jetzt sehen, welche Resonanz es gibt. Auslöser war, dass ich auf der Frankfurter Musikmesse einen Preis als "Klavierspielerin des Jahres" erhielt. Dieses Preisgeld von 2500 Euro ist das Startkapital unseres Vereins.

Haben Sie Erfahrungswerte aus anderen Städten oder von Schulen?

Krumwiede: Ich stehe mit "Rhapsody in School" in engem Kontakt, einer bundesweiten Initiative prominenter klassischer Musiker. Oft gibt es Kommunikationsprobleme mit den Schulen. Deshalb ist es für unseren Verein wichtig, dass man an die Schulen geht und erklärt, was wir mit unserem Projekt beabsichtigen. Es ist ein zusätzliches Angebot an die Schulen. Für die Mehrheit der Kinder sind Sport und Musik die Lieblingsfächer, weil sie dort Eigeninitiative zeigen können. Wir brauchen an den Schulen ein stärkeres Gegengewicht zur reinen Wissensvermittlung. Wenn ich an meine eigene Schulzeit denke, erinnere ich mich weniger an Mathe oder Chemie, sondern an die Schulstunden, in denen ich selbst aktiv sein durfte – zum Beispiel beim Theaterspielen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bei Kindern, die sich musikalisch betätigen, die Motivation zum Lernen auch in anderen Fächern wächst. Und außerdem wird das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt.

Wie soll die Finanzierung bewältigt werden?

Krumwiede: Zuerst muss man Sponsoren suchen. Und zweitens hoffen wir auf zahlreiche Vereinsmitglieder, die einen Jahresbeitrag zahlen.

Die Lehrpläne, zum Beispiel des G8, lassen den Schülern nur wenig Freizeit. Bleibt da überhaupt noch Zeit für künstlerische Aktivitäten?

Krumwiede: Das ist meiner Ansicht nach ein großes Problem in der bayerischen Bildungslandschaft. An vielen Schultypen bleibt neben dem enormen Leistungsdruck keine Zeit. Wir brauchen eine Entschleunigung auf allen Ebenen unserer Gesellschaft. Die Schüler des G8 stehen so unter Stress, dass Entfaltung und Kreativität kaum mehr möglich sind. Realistisch betrachtet, bleibt folglich an den Gymnasien weniger Zeit für kulturelle Projekte als zum Beispiel an den beiden offenen Ganztagesschulen in Ingolstadt. Aber unser Angebot soll sich an alle Bildungseinrichtungen richten, also auch an Jugendzentren.

Haben Sie schon einen Pool an Künstlern, auf den Sie zurückgreifen können?

Krumwiede: Wir haben aus unserem Bekanntenkreis viele Kontakte zu Schauspieler, Hip-Hop-Künstlern und klassischen Musikern. Das Angebot von "Künstler an die Schulen" wird zweigeteilt sein. Auf der einen Seite Workshops, die mehrere Wochen dauern, auf der anderen Seite einmalige Veranstaltungen.