Hilpoltstein

Kuhglocken läuten in der Stadtpfarrkirche

Christoph Well und Franz Hauk gestalten abwechslungsreiches Jubiläumskonzert zum 100-jährigen Bestehen des Frauenbundes

31.05.2019 | Stand 02.12.2020, 13:50 Uhr
Das gefühlvolle Harfenspiel von Christoph Well war eines der Highlights des Konzerts in der Hilpoltsteiner Stadtpfarrkirche. −Foto: Klier

Hilpoltstein (HK) "Gloria & Glanz mit Stofferl und Franz", das hatte sich der Katholische Frauenbund Hilpoltstein als Geburtstagsständchen zu seinem 100-jährigen Bestehen gewünscht. Daraus wurde in der Hilpoltsteiner Stadtpfarrkirche ein brillantes Geburtstagskonzert, das von keinem Geringeren als Christoph (Stofferl) Well und Franz Hauk bestritten wurde. "In eine so glanzvolle Kirche gehört ein ebenso glanzvolles Konzert", sagte die Vorsitzende Marianne Herzog bei der Begrüßung der in großer Zahl erschienenen Besucher.

Als feierlichen Auftakt intonierten Christoph Well (Hoch A Trompete) und Franz Hauk (Orgel) die Suite in D-Dur HWV 341 von Georg Friedrich Händel. Schon bei den ersten Tönen merkte man, dass hier Meister ihres Faches am Werk waren.

Christoph Well, genannt Stofferl, ist der zweitjüngste der bekannten 15 Well-Geschwister. Bereits während seines Studiums an der Musikhochschule München war er vom legendären Generalmusikdirektor Sergiu Celibidache als Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern engagiert worden. Später war er dort auch als Konzertharfenist zu hören. Zusammen mit drei seiner Brüder wurde er in der Gruppe "Biermösl Blosn" für politisch-satirische Lieder bekannt. Oft war Gerhard Polt dabei, gelegentlich folgten Auftritte in der Sendung "Scheibenwischer".

Seit 40 Jahren spielt Well mit dem Konzertorganisten Franz Hauk aus Ingolstadt zusammen, der ebenfalls an der Musikhochschule München studiert hat. Er ist heute als Dozent für historische Aufführungspraxis tätig. Neben seiner internationalen Konzerttätigkeit wagt er sich in "wenig betretenes kulturelles Gebiet und zu musikalischen Grenzgängen". Davon konnte man sich am Schluss des Konzerts überzeugen.

In wohl keinem Orgelkonzert darf die Toccata und Fuge in D-Moll von Johann Sebastian Bach fehlen. Der Organist lotete dabei die gesamte Bandbreite der erst vor kurzem in den Dienst gestellten Orgel aus, zog alle Register und erfüllte damit das Kirchenschiff mit zarten und auch mächtigen Orgelklängen. Melodiös und zart schloss sich vom gleichen Barockmeister das Choralvorspiel "Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter", gewissermaßen als flehentliches Gebet an.

Mit festlichen Trompeten- und Orgelklängen ging es weiter. Lebhafte Allegro-Partien wechselten mit einem verhaltenen Andante-Satz ab. Die Allegro-Kadenzen stammten von Christoph Well.

Nach den Kompositionen aus dem Bereich der Barockmusik folgte mit zwei Sätzen aus "Douze Pièces Nouvelles" von Théodore Dubois ein romantisches Zwischenspiel. Während im melodiösen "In Paradisum" zarte Weisen vorherrschten, wurde in "Fiat Lux" der strahlende und mächtige Sieg des Lichtes über die Finsternis offenbar.

Als sich nun Christoph Well an die Harfe setzte, die im Chorraum inmitten der Zuhörer stand, wurde klar, dass es nun alpenländisch weiterging. Aus traditionellen Melodien hat Well geistliche Volksmusik arrangiert, die auf dem Text "Kimmst schöi hoam bei der Nacht, is mei Tagwerk vollbracht" fußt. Dieses Thema, das er eingangs musikalisch vorstellte, griff er dann bei seinem Harfenspiel refrainartig immer wieder auf, gelegentlich von einem "Harfenjodler" begleitet. Zart bis energisch glitten seine Finger über die Saiten, als er diese eingängige Weise intonierte. Die habe er, wie er versicherte, sonst immer nur "da-hoam" gespielt. Zum ersten Mal sei sie jetzt öffentlich erklungen. Überhaupt sei diese Musik für ihn so etwas wie ein Spaziergang mit Noten.

"Wachet auf, ruft uns die Stimme", heißt ein Choralvorspiel für Orgel von Johann Sebastian Bach. Aufwachen musste aber keiner der Zuhörer, denn sie lauschten begeistert dem herrlichen Spiel. Sollte jemand allerdings ins Träumen geraten sein, der wurde nun vom letzten Programmpunkt aus diesen gerissen.

Well begann mit einem Jodler und mit dem Geläut von Kuhglocken. Die Hilpoltsteiner Stadtpfarrkirche war nun Schauplatz einer originellen Uraufführung, komponiert von ihm selbst. "Pastorale maestoso für Alphorn und Orgel", war das Werk überschrieben. Kernige Alphornklänge von der Empore herab vermischten sich, für manche vielleicht etwas ungewohnt, mit Orgelklängen, die von harmonischen Tönen bis hin zu mächtigen Cluster-Tontrauben reichten. Das harmonische Finale bildeten schließlich traditionelle Alphornklänge.

Manfred Klier