Eichstätt

Kontakt mit der Antarktis

Eichstätter Funkamateure: Über Satellit mit der deutschen Forschungsstation Neumayer III verbunden

11.08.2021 | Stand 16.08.2021, 3:33 Uhr
Christian Weiß
Auf den Ruf "CQ DP0GVN" antwortet die Neumayer-Station III in der Antarktis, wenn Funkamateure Kontakt mit ihr herstellen wollen. Vor Kurzem war es auch für die Eichstätter Funker so weit. −Foto: Weiß

Eichstätt/Wintershof - Wenn ein Funkamateur mit seiner Station speziell auf Kurzwelle Verbindungen in die ganze Welt herstellt, ist das immer aufregend - aber durchaus nichts Besonderes. Meist sind solche Kontakte Zufall, weil ganz spezielle, seltene und oft unvorhersagbare Ausbreitungsbedingungen herrschen müssen. Zudem braucht es dafür in der Regel große Antennen und leistungsfähige Funkgeräte. Funkverbindungen - so wie sie den Eichstätter Funkamateuren nun gelungen sind - mit der Antarktis kommen daher nicht so oft vor, natürlich auch mangels Gesprächspartner aus diesem Teil der Welt.

Ortsverband aus Fürstenfeldbruck zu Besuch

Nun gibt es seit Kurzem einen Amateurfunksatelliten und eine Funkerin im Überwinterungsteam der deutschen Forschungsstation "Georg von Neumayer III" in der Antarktis, was eine solche Verbindung planbar erlaubt. Die Eichstätter Funkamateure hatten vor Kurzem ein solch seltenes Event und über 50 Minuten Kontakt mit der Neumayer Station III in der Antarktis. Wie kam es dazu?

Der Ortsverband C28 Fürstenfeldbruck im DARC veranstaltete unter der Leitung seines Vorsitzenden Helmut Berka (DL2MAJ) einen dreitägigen Ausflug mit der Jugendgruppe seines Ortsverbandes - übrigens nicht zum ersten Mal - nach Eichstätt, wo man in der Jugendherberge logierte und dort eine Notfunkübung inszenierte, eine Fuchsjagd mit Funkfuchs durchführte und auf Schatzsuche ging. Der dazwischenliegende Samstag war dann dem Besuch der Eichstätter Funkamateure in Wintershof gewidmet. Ziel des Besuches war, einen Funkkontakt von Eichstätt aus über Satellit zur Neumayer-Station in die Antarktis herzustellen, wo noch bis Februar 2022 ein Mitglied der Fürstenfeldbrucker Funkamateure überwintert. Das ist nämlich die 26-jährige Theresa Thoma (DC1TH), die IT-Ingenieurin der Forschungsstation.

Das nötige Equipment stellte Lars Mesow (DL4JLM) vom Eichstätter Ortsverband zur Verfügung und baute es tags zuvor auf. Die deutsche Antarktisstation Neumayer III antwortete dem Anruf mit dem der Forschungsstation zugeordneten Sonderrufzeichen DP0GVN nach kurzer Zeit. Der Kontakt wurde einige Tage vorher vereinbart, schließlich sind solche Aktivitäten nur in der knappen Freizeit von Thoma möglich. Die Verbindung lief über einen geostationären (also ortsfest stehenden) Satelliten in rund 38000 Kilometer Entfernung von der Erde. Er nennt sich Quatar Oscar 100 (kurz: QO100), ein eigentlich kommerzieller Fernsehsatellit aus Qatar, der auch eine Amateurfunkmitbenutzung ermöglicht. Über den Satelliten, der praktisch als Umsetzer dient, ging das Funksignal direkt in die Antarktis. Dafür sind nur recht geringe Sendeleistungen notwendig - schließlich besteht ja quasi "Sichtverbindung" zum Satelliten. Die bei den Eichstättern eingesetzte 80-Zentimeter-Parabolantenne und viel Eigenbautechnik von Mesow lieferte eine hervorragende Verbindung mit einem nahezu störungsfreien Empfang. Die Uplink-Frequenz ist dabei das Amateurfunkband bei etwa 2,4 GHz, die Downlink-Empfangsfrequenz ist zirka 10 GHz. Der Satellit deckt rund ein Drittel der Erde ab, reicht also von Skandinavien, der Ostküste Südamerikas über ganz Afrika, Indien, Vorderasien bis eben in die Antarktis.

Viele spannende Fragen über das Leben auf der Station

Es gab ein großes Hallo im Funkcontainer in Wintershof, als sich Thoma aus der Antarktis mit den Worten meldete: "Hallo Eichstätt, hier spricht DP0GVN, Theresa aus der Neumayer-Forschungsstation in der Antarktis, ich kann euch laut und klar aufnehmen", und Berka (DL2MAJ) begann die Funkrunde. Alle Jungs aus Fürstenfeldbruck und natürlich auch die Eichstätter Funkamateure saßen vor dem Mikrofon und plauderten in fröhlicher Runde. Es gab viele spannende Fragen: "Wie kommt man in die Neumayer-Station?", "Wie kalt ist es momentan bei euch?", "Was macht ihr in eurer Freizeit?", "Wo habt ihr euren Strom her?", "Welche Forschungsgebiete sind bei euch versammelt?", "Wie viel Leute seid ihr momentan dort?", "Was bekommt ihr dort zu essen?", "Was macht ihr mit eurem Abwasser?", und viele mehr. Diese beantwortete Thoma geduldig und versprach, auch viele QSL-Karten (Bestätigungskarten) für die Verbindung nach Deutschland zu senden.

Mesow war anschließend sehr zufrieden, hatte er doch schon in seinem Vortrag vor dem Funkkontakt über die interessante Übertragungstechnik referiert, mit der man über den Satelliten QO-100 im Orbit bequem unter anderen auch die Antarktis erreichen kann. Auf dem Landwege wäre im normalen Sprechfunk über Kurzwelle zwar im Vergleich zum Satellit "nur" eine Entfernung von rund 14000 Kilometern zu überbrücken, dies gelänge jedoch nur mit sehr großem technischen Aufwand auf Kurzwelle und etwas Glück bei den Ausbreitungsbedingungen.

Thoma berichtete in dem Gespräch etwa darüber, dass bei ihr derzeit Winter ist und in dieser Zeit durchaus minus 39 Grad Celsius vorherrschen können und außerdem aktuell die Zeit der Polarnächte ist - es ist also nahezu ständig dunkel. In einem Gewächshaus für Weltraumforschung will man Erkenntnisse für Pflanzenanbau im Weltall gewinnen. Ihre Energie bezieht die Station über Windkraft und Aggregate.

In ihrer Freizeit machen die derzeit zehn Bewohner miteinander Spiele, schauen sich Filme an, treiben Sport oder besuchen eine Kolonie Pinguine, deren Verhalten ein derzeitiges Forschungsprojekt der Neumayer-Station III ist. Alles in allem war der Funkkontakt von Eichstätt in die Antarktis für alle Teilnehmer ein "Event mit Herzklopfen", an das viele noch lange denken werden.

EK

Christian Weiß