Ingolstadt

Knochenarbeit für Architekten

04.10.2011 | Stand 03.12.2020, 2:20 Uhr

Die Chefin putzt selbst: Zumindest für den Fotografen poliert Direktorin Marion Ruisinger die Museumsvitrinen, fast auf Augenhöhe mit menschlichen Präparaten aus dem 19. Jahrhundert - Fotos: Strisch

Ingolstadt (DK) Was seine Museen betrifft, kämpft Ingolstadt derzeit an vielen Fronten. Kunst-, Donau-, vielleicht Landesmuseum für Bayerische Geschichte oder gar Museum der Illuminaten – an Plänen fehlt es nicht. Eher im Verborgenen arbeitet dagegen das Medizinhistorische Museum an seiner Erweiterung.

„Wir möchten 2014 eröffnen“, ist Kulturreferent Gabriel Engert noch voller Hoffnung, obwohl die Sache sich nicht ganz einfach anlässt. Am mangelnden Geld liegt das jedenfalls nicht. „Die Finanzmittel sind im Haushalt eingestellt“, betont er, „das Schwierigste ist die Fassade, das ist eine absolut sensible Stelle.“

Wer wissen will, warum das Deutsche Medizinhistorische Museum sich unbedingt verändern möchte, dem ist zunächst ein kleiner Rundgang mit der Chefin Marion Ruisinger zu empfehlen. „Der jetzige Zustand entspricht in keiner Weise der Bedeutung des Museums“, schickt sie voraus. Die Liste der Unzulänglichkeiten ist lang und beginnt schon am Eingang. Der ist links, etwas versteckt und unscheinbar an der Seite der Alten Anatomie, „ein kleines Schlupfloch“, findet die Direktorin. Betritt der Besucher das historische Gebäude, geht es erst einmal reichlich eng zu. „Es fehlt der Platz, gerade wenn Schulklassen mit Rucksäcken kommen, es fehlen Schließfächer und Garderoben.“

Oft schauen Reisegruppen vorbei, die bei ihrer Stadtbesichtigung nur (gratis) zum Anatomiegarten durchgehen wollen und die medizinhistorische Sammlung links liegenlassen. Mal kurz im Eingangsbereich auf die Toilette? Geht nicht. Die Leute müssen zum Austreten durch das halbe Museum marschieren. „Das stört auch ein bisschen die Stimmung“, hat Ruisinger beobachtet, „wenn die Gruppen so durchrennen.“ Ganz zu schweigen von den Behinderten. „Wir haben keinen Aufzug, das ist für Rollstuhlfahrer eine Katastrophe.“ Gerade für ein Museum mit medizinischen Themen sei das problematisch.

Und dann erst das Nachbarhaus der historischen Anatomie, ein hundert Jahre altes Gebäude, in dem sich die Museumsleute mehr schlecht als recht zwischen betagten Öl-öfen und vergammelten Bädern eingerichtet haben. An den Wänden kleben Tapeten, die vor 50 Jahren modern waren. Alles wirkt improvisiert, das Magazin, Teile der Sammlung und der Bibliothek, Büros. „Es gibt viele Punkte, wo’s knirscht“, sagt die Museumschefin.

Wenn es nach ihr geht, wird sich das bald ändern. Das Haus neben der Anatomie soll abgerissen werden und Platz für einen Neubau machen. In dessen Erdgeschoss wird künftig das Foyer des Museums eingerichtet. „Nicht überkandidelt“ soll es werden, stellt sich Ruisinger vor, „aber freundlich und einladend. Auch die Gartenbesucher werden durch dieses Foyer geleitet.“ Im Erdgeschoss erwarten das Publikum auch ein kleines Café und ein Museumsladen. Was eben heute so der Standard ist. Der große Vorteil dieser Lösung: Die Alte Anatomie wird dadurch komplett frei für die Ausstellungsräume.

Über den Neubau, der ein Stockwerk weniger haben und sich dem benachbarten Baudenkmal unterordnen soll, hat schon mehrfach der Gestaltungsbeirat diskutiert. Aber so recht überzeugt haben die bisherigen Entwürfe wohl noch nicht. „Das ist sehr schwer zu lösen“, ist sich Referent Engert bewusst, zumal eine Durchfahrt für die Mitarbeiter des Gartenamtes mit ihren Spezialgeräten bleiben muss. „Es ist aber mein Ziel, die Planung noch dieses Jahr vom Stadtrat genehmigen zu lassen.“