Lampertshofen

Klassenerhalt nur mit Einheimischen

Luftpistolenmannschaft von Enzian Lampertshofen blickt auf eine gelungene Bayernligasaison 2018/19 zurück

07.03.2019 | Stand 02.12.2020, 14:29 Uhr
Ein starkes Team: (v. l.) Franz Mayr, Andreas Sojer, Rainer Kahn, Florian Fröhlich und Thomas Maucher dürfen als Enzian Lampertshofen I auch in der kommenden Saison wieder in der Luftpistolen-Bayernliga Süd-Ost an den Start gehen. −Foto: A. Elbl

Lampertshofen (SZ) Das Aushängeschild des Gaues Schrobenhausen in Sachen Luftpistolenschießen hat ganze Arbeit geleistet. Nicht nur, dass die Mannschaft von Enzian Lampertshofen überhaupt nichts mit dem Abstieg aus der Bayernliga Süd-Ost zu tun bekam - mit Rang drei im Schlussklassement 2018/19 übertraf sie am Ende sogar die eigenen Erwartungen.

"Mehr ging nicht, das war der für uns maximal erreichbare Erfolg in dieser Saison", sagt Franz Mayr. Die Bogenschützen Grund I sowie die VSG Dingolfing I, die in der Tabelle noch vor der Truppe aus der Gemeinde Berg im Gau liegen, hätten schlichtweg in einer anderen Welt geschossen. "Und dass wir direkt dahinter ,Best of the Rest´ wurden, hierauf dürfen wir wahrlich stolz sein", so der Enzian-Kapitän: "Schließlich waren wir als Aufsteiger ins Rennen gegangen."

Sich in der höheren Klasse zu akklimatisieren, das erwies sich zunächst als gar nicht so leicht. "Wir agierten hin und wieder schon ein bisschen nervöser, als wir das noch in der Oberbayernliga getan hatten", räumt Mayr ein. Prompt wurde gerade zu Beginn der Saison so mancher Gesamterfolg hauchdünn verpasst, obwohl er von den Einzelergebnissen absolut möglich gewesen wäre.

Keine Frage: Das neben Mayr noch aus Rainer Kahn, Thomas Maucher, Andreas Sojer und Florian Fröhlich bestehende Enzian-Quintett hätte deswegen ganz schnell komplett unruhig werden können - schließlich war es zuvor noch nie einem Luftpistolenteam aus dem Sportschützengau Schrobenhausen gelungen, den Klassenerhalt in der Bayernliga zu realisieren. "Aber daran dachten wir nicht im Entferntesten", berichtet Kahn, die Nummer eins der Lampertshofener: "Wir sagten uns selbst nach Niederlagen, dass wir hundertprozentig in diese Bayernliga gehören. Auch aus den knappen Spielen - sogar, wenn sie von uns am Anfang verloren wurden - schöpften wir regelmäßig Selbstvertrauen. Und in der Rückrunde haben wir die Gaudi dann richtig umgedreht."

In nackten Zahlen ausgedrückt ergatterte die Enzian- Vertretung 16:12 Zähler in 14 Partien, ihr Ringschnitt lag bei guten 1811,07. Auffallend bei den Lampertshofenern: Es gab keinen Doppelschießtag außerhalb der Gemeinde Berg im Gau, bei dem sie gleich zwei Niederlagen erlitten - zumindest einmal wurde immer gewonnen. "Dafür schwächelten wir zu Hause", verrät Mayr. In der Tat gab es an den eigenen Ständen am 28. Oktober gleich zwei Pleiten innerhalb von wenigen Stunden - also von wegen Heimvorteil beim Luftpistolenschießen. "Da kam Vieles zusammen. Einerseits hatten wir an diesem Tag zwei bärenstarke Gegner - andererseits konnten wir uns nicht rein auf unsere Leistung konzentrieren. Wir waren zuvor etwa noch mit dem Aufbauen beschäftigt gewesen - und vor heimischer Kulisse setzten wir uns zudem noch mehr unter Druck als sowieso schon", erzählt der Teamkapitän.

Was soll's? Stattdessen holten die Lampertshofener die nötigen Zähler eben in der Fremde. Weil sie einerseits als verschworene Gemeinschaft stets an sich glaubten. Weil sie andererseits vor allem in Fröhlich einen Akteur in ihren Reihen hatten, der zum nimmermüden Punktelieferanten wurde. "Gerade unter höchstem Druck war Florian ein Phänomen. Je enger es wurde, umso mehr kitzelte er heraus", so Mayr voller Anerkennung. Und Kahn ergänzt: "Nicht umsonst ist er gerade eben auch Luftpistolen-Gaumeister geworden. Florian hat definitiv eine Supersaison absolviert."

Aber eben nicht nur er, sondern das gesamte Enzian-Quintett. "Nur mit Einheimischen auf Tabellenplatz drei in der Bayernliga zu landen, das soll uns erst mal jemand nachmachen", sagt Andreas Elbl, der Schützenmeister des Vereins, voller Stolz. Tatsächlich waren die sieben Konkurrenten nichts anderes als Auswahlteams der jeweiligen Gaue, während die Lampertshofener Truppe ausschließlich aus der eigenen Gemeinde Berg im Gau stammt. Und der Klub lehnt es auch weiterhin rigoros ab, hieran vielleicht etwas zu ändern. "Wir schießen nur mit unseren eigenen Leuten, und damit basta. Sollten wir deswegen eventuell mal wieder absteigen müssen, dann wäre das halt so", erklärt Elbl klipp und klar. Auch Kapitän Mayr sieht es so: "Natürlich gibt es im Gau Schrobenhausen weitere Top-Luftpistolenschützen. Aber einen von ihnen anzuwerben, würde zu einem Identitätsverlust bei uns selbst führen. Dann wären wir nicht mehr nur Enzian Lampertshofen - und das wollen wir nicht."

Einmal ganz davon abgesehen gibt es aktuell gar keinen Grund, sich über Verstärkungen Gedanken zu machen - denn das Erfolgsquintett 2018/19 bleibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in der neuen Saison zusammen. Und wenn ab dem Herbst dann die zuletzt herausragenden Teams aus Grund beziehungsweise Dingolfing in die 2. Bundesliga Süd aufgestiegen wären?.?.?. Ja, ein bisschen Träumen muss definitiv erlaubt sein - dagegen sträuben sich die Lampertshofener auch gar nicht. "Wenn es geht, dann wollen wir 2019/20 natürlich ganz vorne mitmischen", gibt etwa Kahn ganz ehrlich zu: "Weshalb sollen wir da groß um den heißen Brei herumreden?"

"Was für ein großes Potenzial wir haben, war ja bereits 2018/19 zu sehen - denn wir waren das einzige Team, das gegen jeden der beiden Erstplatzierten zumindest einmal gewonnen hat", ergänzt Kapitän Mayr. Prompt gibt's von Kahn zustimmendes Kopfnicken: "Ja, die Beiden haben wir mächtig ins Schwitzen gebracht."

Trotzdem nur mal so: Was wäre, wenn einer aus der aktuell so verschworenen Enzian-Gemeinschaft doch herausbrechen würde - sei es aus beruflichen Gründen, sei es durch eine Verletzung? Für einen kleinen Augenblick wird Mayr blass, das ansonsten so erfrischende Lächeln verschwindet blitzschnell aus seinem Gesicht: "Das wäre dann das allerschlimmste Szenario, das ich mir vorstellen könnte. Also vergessen wir's gleich wieder."

Stattdessen möchte der Kapitän lieber über das offizielle Ziel für 2019/20 reden. "Die obere Tabellenhälfte muss es dann definitiv wieder sein", wirft er in den Raum - um von Kahn sofort Zustimmung zu erhalten: "Die nächste Saison schießt es sich für uns definitiv leichter, weil wir die Bayernliga Süd-Ost mit den meisten ihrer Schießstätten beziehungsweise Mannschaften dann bereits kennen." Mayr vergleicht das Ganze augenzwinkernd mit einer Sauna: "Wir sitzen diesmal schon gemütlich drin, jetzt kommen die anderen rein."

Gutes Luftpistolenschießen sei laut der Lampertshofener eben nicht nur eine Frage des Talents, sondern auch des Kopfes. "Je selbstbewusster Du an die Sache herangehst, umso besser", glaubt Kahn. Ganz davon abgesehen soll das Mitwirken in der Bayernliga nie zu einer Art Routine für die Enzian-Truppe werden, das betonen ihre Aktiven immer wieder gerne. "Das ist vielmehr ein großes Abenteuer, eine riesige Sensation für uns. Auf dieser Ebene schießen zu dürfen - darauf sind wir mächtig stolz. Und wir mögen es noch möglichst lange in vollen Zügen genießen", erklären Kahn und Mayr unisono.

Dass sie in der neuen Saison vielleicht nicht mehr das einzige LP-Team aus dem Gau Schrobenhausen in der Bayernliga Süd-Ost sein werden - nämlich dann, wenn Edelweiß Weilach am 7. April in Hochbrück den Aufstieg schaffen sollte - die Lampertshofener hätten nichts dagegen. Sogar ganz im Gegenteil: "Wir würden es den Weilachern von ganzem Herzen gönnen, wir drücken ihnen fest die Daumen. Dann zu zweit die Bayernliga aufzumischen, das wäre doch ein Riesenspaß", sagt Kapitän Mayr.

Roland Kaufmann