Georgensgmünd

Keine andere Wahl

Ben Schwarz ist gemeinsamer Bürgermeisterkandidat von CSU und SPD in Georgensgmünd – Als Nachfolger des Landrats im Gespräch

20.09.2017 | Stand 02.12.2020, 17:28 Uhr
Tritt auch für die CSU an: SPD-Mann Ben Schwarz hat als Bürgermeister von Georgensgmünd die Unterstützung beider Parteien. −Foto: Schmitt

Georgensgmünd (HK) Es ist Wahlkampf in Deutschland. Wirklich? Am 24. September wird im Landkreis Roth nicht nur der Bundestag gewählt, sondern auch der Landrat und der Bürgermeister von Georgensgmünd. Aber für beide Posten gibt es keinen Gegenkandidaten, von Wahlkampf keine Spur.

Für beide Mandate stehen ausschließlich die Amtsinhaber zur Wahl. Während allerdings Landrat Herbert Eckstein seine Solokandidatur einer eher ängstlichen Landkreis-CSU zu verdanken hat, ist sie bei Bürgermeister Ben Schwarz eher auf den Mut der örtlichen CSU zurückzuführen. Der CSU-Ortsverband hat zum zweiten Mal nach 2011 einen Kandidaten der SPD mitnominiert.

Es ist Bürgermeister Ben Schwarz, 42 Jahre alt, Jurist. Dass er nicht nur bei seinen Genossen gut ankommt, ist neben seiner beruflichen Kompetenz sicher auch seinem Wesen geschuldet. Schwarz gleicht aus, tritt souverän auf, argumentiert mit ruhiger Stimme und sieht sich nicht als Parteisoldat. Außerdem ist er in Georgensgmünd aufgewachsen. Ab 2006 hat er dort sogar als Rechtsanwalt gearbeitet. Er kennt die Gemeinde und ihre Bürger. Und sie kennen ihn. „In einer Kommune geht es immer mehr um Sachentscheidungen als um Parteipolitik“, sagt er.

„Ein hervorragender Amtsinhaber mit einer hervorragenden Bilanz.“

Harald Schieder, SPD

 

 

In seiner ersten Amtszeit „ist die Gemeinde um einiges weitergekommen“, stellt Schwarz fest. Die Kinderbetreuung sei ausgebaut worden. An der Schule könne man die mittlere Reife machen. Es gebe neuen Wohnungsbau. In Sachen Gewerbe seien Erweiterungen und Neuansiedlungen zu verzeichnen gewesen. Man habe eine neue Kläranlage gebaut und den Neubau einer Dreifachturnhalle in trockene Tücher gebracht. Ohne offene Gegnerschaft im Gemeinderat. „Alle Fraktionen versuchen, das Lebensumfeld in Georgensgmünd mitzugestalten“, sagt der SPD-Kommunalpolitiker.

So sehen es auch örtliche Parteiprotagonisten. „Die letzten Jahre im Gemeinderat  sind durch eine gute und einvernehmliche Zusammenarbeit gekennzeichnet, die dennoch Raum für Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten zuließ“, sagt Johannes Hofer, bis März Vorsitzender der Georgensgmünder CSU. „Durch seine vermittelnde Art hat er es in der vergangenen Periode geschafft, alle im Gemeinderat vertretenen Parteien auch für schwierige und finanziell weitreichende Projekte zu gewinnen“, lobt SPD-Chef Harald Schieder seinen Parteifreund.

Den Grundstein für diese Erfolge hat nach Schwarz' Meinung bereits seine im Juni 2011 verstorbene CSU-Vorgängerin Evi Loch gelegt. Der Start in die neue Wahlperiode 2008 sei zwar holprig gewesen. Immerhin habe die SPD ein Bürgermeisteramt verloren, das sie 42 Jahre inne hatte. Dann aber habe Evi Loch Klausursitzungen des Gemeinderats zu bestimmten Themen eingeführt. „Das hat die Stimmung verändert, denn wir haben uns als Menschen besser kennengelernt“, sagt Schwarz. Seither lebe man im Ge-meinderat die Zusammenarbeit. So sei die Kooperation mit der CSU möglich geworden.

Die konkrete Idee zu einer gemeinsamen Nominierung hat 2011 Jan Wunram entwickelt, CSU-Mitglied im Gemeinderat. „Das spricht für die Menschen in der CSU“, kommentiert Schwarz diese Initiative, „dass sie bewusst jemanden unterstützen, von dem sie sagen: Mit dem können wir zusammenarbeiten.“ Durchaus erstaunlich. Denn der damals 36-jährige Jurist saß erst seit drei Jahren im Gemeinderat. Als gemeinsamer Bürgermeister hat er in seiner ersten Periode weder CSU noch SPD enttäuscht. „Durch das Einhalten von Absprachen wurde eine Vertrauensbasis zwischen Georgensgmünder CSU und SPD geschaffen, die ein verlässliches und konstruktives Arbeiten ermöglichte“, zieht Johannes Hofer ebenso ein positives Fazit der vergangenen sechs Jahre wie Harald Schieder. „Ein hervorragender Amtsinhaber mit einer hervorragenden Bilanz“, findet der SPD-Vorsitzende.

Gleichwohl hat Ben Schwarz noch wichtige Ziele. Den Grundstein für eines davon hat er bereits gelegt: Die regionale Zusammenarbeit mit anderen Kommunen, um wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen und zugleich eine intakte und lebenswerte Umwelt mit ländlichem Charakter zu erhalten. Das kürzlich mit Spalt und Röttenbach aus der Taufe gehobene Kommunalunternehmen soll sicherstellen, „dass in der Region kein Kirchturmdenken mehr Platz greift“, sagt Schwarz. Es sollen die Stärken der jeweiligen Gemeinde weiterentwickelt werden, ohne dass eine davon als Verlierer dasteht.

„Eine Vertrauensbasis zwischen CSU und SPD wurde geschaffen.“

Johannes Hofer, CSU

 

Ausschließlich in einer Zusammenarbeit werde nämlich die Trennung von gewerblicher Entwicklung sowie Tourismus und Naherholung möglich. „Denn Fläche ist endlich“, sagt Schwarz. Nun profitiere im Bereich des öffentlich-rechtlichen Unternehmens stets jede Kommune von neuem Gewerbe. Ein Wettlauf mit riesigen neuen Gewerbeflächen in allen Gemeinden entfalle somit. Georgensgmünd und Röttenbach könnten ihre Infrastrukturvorteile wie Bundesstraße und Bahnanschluss nützen. Spalt sollte darauf setzen, seine Potenziale als Urlaubsziel zwischen Brombachsee, Hopfenanbau und Stadtbrauerei auszubauen. Schwerpunkte zu verfolgen, das ist für Schwarz ohnehin die Zukunft kommunaler Entwicklung. „Die Zeiten sind vorbei, dass jeder alles erhalten kann.“

Schneller vorankommen will Schwarz auch bei der Energiewende, die seiner Meinung nach jüngst vor allem durch Gesetzesänderungen auf Bundesebene ins Stocken geraten sei. „Lange konnten wir hier in der Gemeinde mit den Bürgern eine gemeinsame Linie verfolgen“, stellt Schwarz fest. „Schwierig wurde es erst, als die Rentabilität zurückging.“ Geschafft habe man dennoch einiges. „Bürgersolaranlagen, Blockheizkraftwerke und die Deponiegasanlage“, zählt er auf. „Aber es könnte mehr sein.“

Ebenso will Schwarz sich weiter für eine Belebung des Ortskerns stark machen, die dringende Sanierung des Hallenbads angehen und ein aus seiner Sicht recht ärgerliches Dauerthema weiterverfolgen: Den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs.

Doch Schwarz setzt nicht nur Themen mit relativ wenig Polarisierungspotenzial auf die Tagesordnung. Dass er auch bei originär sozialdemokratischen Fragen um des Erfolgs willen den Kompromiss sucht, beweist der Einstieg der Gemeinde in den sozialen Wohnungsbau. Neben dem geplanten Wohngebäude, das mit Unterstützung der Schwabacher GewoBau öffentlich-rechtlich errichtet und verwaltet wird, soll ein freifinanziertes Haus entstehen. Der soziale Ausgleich sei ihm ein Anliegen, versichert Schwarz. „Es profitieren nicht alle von der guten Wirtschaftslage, sondern die Einkommens- und Vermögensschere geht an einigen Stellen weiter auseinander“, sagt er. Dem gelte es entgegenzutreten. „Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit und gleiche Lebensgrundlagen“, sieht Schwarz als geeignete Instrumente dafür an, die er mittlerweile nicht mehr ganz uneigennützig einsetzt. Seit wenigen Jahren ist er verheiratet und hat mittlerweile zwei Kinder.

Eine Frage kommt auf das überparteiliche Gemeindeoberhaupt jüngst immer wieder zu: Könnte es sein, dass er in sechs Jahren als Nachfolger Herbert Ecksteins für die SPD als Landrat kandidiert? Immerhin ist er bereits stellvertretender Kreisvorsitzender. Konkret wird er dabei nicht, sondern er lacht lediglich. Die CSU im Landkreis Roth würde das mit Blick auf einen eigenen Kandidaten jedenfalls gewiss erneut in die Bredouille bringen. Immerhin könnte Schwarz dann auf zwölf Jahre als erfolgreicher CSU-SPD-Bürgermeister verweisen, den alle loben. Was sollte die Wählerinnen und Wähler in einem konservativen Wahlkreis mehr überzeugen? Wie könnte die CSU dann einen eigenen Wahlvorschlag rechtfertigen? „Eckstein und ich, wir brennen beide für unsere Ämter, alles andere ist Zukunftsmusik“, sagt Schwarz schließlich. Zu hoffen bleibt, dass es in sechs Jahren eine Alternative gibt. Nur dann kann es mit Recht heißen: „Es ist Wahlkampf im Landkreis Roth.“