Hilpoltstein

Kegler in Turbulenzen

89 Mitarbeiter der Hilpoltsteiner Firma für Präzisionsteile betroffen - Insolvenzverfahren beginnt im Juni

18.05.2020 | Stand 02.12.2020, 11:20 Uhr
Die Hilpoltsteiner Firma Kegler hat Insolvenz angemeldet. Doch es gibt einige Interessenten, die den Betrieb weiterführen wollen. −Foto: Bader

Hilpoltstein - Die Hilpoltsteiner Firma Kegler ist in Gefahr. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist bereits am 20. April das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet worden. Doch es gibt Hoffnung für den Betrieb. Dass das Unternehmen in Schieflage ist, liegt unter anderem an der Corona-Krise. "60 Prozent des Umsatzes der Firma Kegler ist aus der Luftfahrtindustrie und Sie können sich vorstellen, wie es dort derzeit aussieht", sagt Insolvenzverwalterin Mechthild Bruche von der Nürnberger Rechtsanwaltskanzlei Dr. Beck & Partner.

 

Noch wird bei Kegler jedoch gearbeitet. "Wir haben den Geschäftsbetrieb stabilisieren können und zahlen für die insgesamt 89 Mitarbeiter Insolvenzgeld", sagt Bruche "So läuft der Betrieb erst einmal bis Ende Mai weiter." Umstrukturierungen im Betrieb habe es bislang nur wegen der Corona-Krise gegeben, so sie Anwältin. "Wir mussten einfach für alle Mitarbeiter ein passendes Corona-Schutzkonzept erarbeiten, weshalb einige derzeit auch nicht im Betrieb sind."

Mechthild Bruche ist guter Dinge, dass der Betrieb weitergeführt werden kann. "Es ist sehr erfreulich, dass wir für den Betrieb namhafte Interessenten haben, die an einer Übernahme interessiert sind", sagt Bruche. Dies sei umso erfreulicher, da der Einbruch in der Luftfahrtbranche solche Übernahmen derzeit nicht einfacher machten.

Karl Scheuerlein von der Rother Unternehmerfabrik, der den Umsatzeinbruch bei Kegler inklusive dem Automotive-Bereich sogar auf 70 Prozent beziffert, ist wie Bruche guter Dinge, dass die Firma weitergeführt werden kann. "Ja, es gibt schon einige Interessenten und es gibt auch einen aus der Region", sagt er. "Und ich war selbst überrascht, welche Anfragen gekommen sind." Scheuerlein will sich trotz bereits bestehender Interessenten ebenfalls auf die Suche machen. "Wir haben in der Unternehmerfabrik ein gutes Netzwerk und ich werde mich ans Telefon hängen und sehen, was ich erreichen kann."

Als sehr positiv sieht Scheuerlein, dass Kegler zahlreiche Zertifizierungen für die Luftfahrt vorweisen kann, die immer auch an einen Betriebsstandort gebunden sind. Damit bestehe nicht nur die Chance einer Übernahme, sondern auch, dass der Betrieb am jetzigen Standort in Hilpoltstein fortgeführt wird.

"Hier kann ein Unternehmen in geordnete Verhältnisse einsteigen und kann, sobald die Auftragslage wieder besser wird, die Produktion einfach wieder hochfahren", sagt Scheuerlein. Er sieht sogar die Chance, dass ein Unternehmen, dass sich dann in Hilpoltstein engagiert, die Firma durch eine weitere Branche voranbringen kann.

Mechthild Bruche geht davon aus, dass am 1. Juni das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet wird. Die Suche nach Investoren werde dadurch nicht unterbrochen.

"Die Verhandlungen sind bis jetzt sehr erfreulich", sagt Bruche. "Der Betriebsrat des Unternehmens ist hier mit eingebunden und wird immer über die aktuelle Lage informiert."