Eichstätt

Katastrophenschutz à la carte

David Vogl und Thomas Daniel initiierten ein interaktives Informationssystem für den Raum Eichstätt

14.01.2019 | Stand 02.12.2020, 14:51 Uhr
Wichtige Informationsquelle: David Vogl vom Landratsamt in Eichstätt (links) und der Kartograf Thomas Daniel hatten die Idee, eine allgemeine Gefahrenkarte für den nördlichen Raum Ingolstadts in analoger und digitaler Form zu erstellen. Studenten setzten die Idee um. −Foto: Richter

Eichstätt (DK) Während die einen nur noch vom Schnee reden, haben andere bereits wieder den Sommer im Blick. Gemeinsam entwickelten David Vogl und Thomas Daniel eine analoge und digitale Karte, die alle Gefahrenstellen im Kreis Eichstätt und darüber hinaus beinhaltet, inklusive Waldbrandgefährdung. Studenten setzten das Projekt um.

Die zwei Männer sind selber aktiv in der Luftbeobachtung zur Waldbrandbekämpfung unterwegs: David Vogl als Fachbereichsleiter für Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt Eichstätt und Thomas Daniel als ehrenamtlicher Pilot. Auf einer ihrer gemeinsamen Runden am Himmel über der nördlichen Region Ingolstadt kam die Idee auf, eine Gefahrenkarte zu erstellen. Sie sollte alle notwendigen Details erhalten, um im Ernstfall sofort informiert zu sein.

Herausgekommen ist ein interaktives Medium, das auf Mausklick relevante Fragen beantworten soll. Das erfasste Gebiet geht in alle Richtungen jeweils zehn Kilometer über die Kreisgrenzen Eichstätt hinaus, reicht also nach Franken, ins Neuburger Land, nach Ingolstadt und in den nördlichen Kreis Pfaffenhofen hinein. Das Kartenmaterial umfasst Altlasten, Kraftwerke, Störfallbetriebe, Felswände, Photovoltaikanlagen, Denkmäler, Dolinen, Flugplätze, Steinbrüche, Windräder sowie Heide- und Waldgebiete, Überlandleitungen, Gewässer, Straßen und vieles mehr. Trockenrasenflächen im Gebiet - beispielsweise die Gungoldinger Heide - sind ebenfalls vermerkt. "Die können nämlich brennen wie Zunder", sagt David Vogl.

Einsatzkräfte brauchen im Ernstfall nur den betroffenen Bereich der Digitalversion anzuklicken, um etwa zu erfahren, wie hoch ein Windrad oder ein Strommasten ist, wo sie auch nach Mitternacht noch tanken können, wie die Fluchtwege in den ICE-Tunnel verlaufen oder wo es mit dem Hubschrauber möglich ist, Außenbehälter zum Löschen von Waldbränden zu füllen - im Stausee Ingolstadt, im Kratzmühlsee oder Main-Donau-Kanal zum Beispiel. Die Karte zeigt zudem schwierige Geländesituation an, wie steile Waldhänge, schwer zugängliche Forstgebiete, aber auch Flugverbots- und Beschränkungszonen.

"Die Karte ist nur für den internen Gebrauch gedacht und nicht öffentlich abrufbar, weil sie sehr viele sicherheitsrelevante Bereiche zeigt", sagt Vogl. Nach seinen Worten besitzt kein anderer Kreis in der Region eine solche Ressource. Nur die Stadt Ingolstadt nutzt ein ähnliches interaktives System, wie Thomas Schimmer von der Berufsfeuerwehr bestätigt. "Das ist für uns eine wichtige Hilfe und geht bis ins Detail - selbst die Fließrichtung eines Abwasserkanals ist abrufbar."

Ohne Thomas Daniel wäre das Projekt in Eichstätt freilich kaum umsetzbar gewesen. Der 51-Jährige ist Kartograf beim Stiefel Eurocart-Verlag, ein Experte also. Sein Chef hatte ihn für das Vorhaben freigestellt, "er war sehr großzügig". Zugleich hat Daniel einen Lehrauftrag an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München. Im Studiengang Kartografie und Geomedientechnik schlug er die Gefahrenkarte als Thema für eine Bachelorarbeit vor und fand 14 Studenten, die sich im Oktober dafür einschrieben. Die jungen Leute arbeiteten akribisch an der Umsetzung, stets in Absprache mit Daniel und Vogl.

Jetzt ist das Projekt fertiggestellt und wird morgen offiziell übergeben. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis", sagt Thomas Daniel. Welche Noten die Studenten für ihre Arbeit bekommen, will er vorerst nicht verraten. "Das ist noch geheim!"

Horst Richter