Ebersberg
Kampf um den Ebersberger Forst

Staatliches Bauamt Rosenheim will Ortsumgehung durch den Wald bauen - Bund Naturschutz protestiert

20.09.2019 | Stand 23.09.2023, 8:40 Uhr
Der Ebersberger Forst ist eines der größten Waldgebiete Deutschlands. −Foto: Bund Naturschutz

Ebersberg (DK) Die bayerische Staatsregierung hatte erst im Juli dieses Jahres angekündigt, den Flächenverbrauch im Freistaat verringern zu wollen - wenngleich zunächst nur auf freiwilliger Basis.

Selbst geht das Kabinett aber nicht mit gutem Beispiel voran, wie ein aktuelles Beispiel aus Oberbayern zeigt. Der aktuelle Flächenverbrauch in Bayern beträgt laut Umweltministerium etwa 11,7 Hektar pro Tag (Stand 2017). Pro Jahr werden 43 Quadratkilometer Freifläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt.

Nun soll durch den Ebersberger Forst die geplante Ortsumgehung Schwaberwegen und Moos mit der Staatsstraße 2080 führen. Der Ebersberger Forst ist mit seinen rund 90 Quadratmetern Ausdehnung nicht nur eines der größten Waldgebiete Deutschlands, sondern auch eines der größten nicht-alpinen Waldgebiete Mitteleuropas. 77 Quadratkilometer der Fläche befinden sich im Besitz des Freistaats, der Rest ist Gemeinde- und Privatbesitz.

Der Bund Naturschutz in Bayern ist über die Pläne empört: "Das Straßenbauprojekt wird den Forst durchschneiden und Bannwald vernichten. Bei dem Gebiet der geplanten Straße handelt es sich zum Teil um 100-jährige Buchen und Eichen sowie 13 weitere Baumarten wie Wildkirsche und Wildbirne, unter denen aufgrund der vorbildlichen Bewirtschaftung die nächste Waldgeneration heranwächst", erläutert Annemarie Räder, die Regionalreferentin für Oberbayern beim Bund Naturschutz. Sie ist überzeugt: "Eine Ertüchtigung der Bestandsstraße ist hier ausreichend. "

Beim zuständigen Staatlichen Bauamt Rosenheim, das schon zu Jahresbeginn das Planfeststellungverfahren bei der Regierung von Oberbayern eingereicht hat, kann man die Empörung nicht nachvollziehen. Schließlich habe man die Unterlagen auf Anraten der Regierung in den vergangenen Monaten nochmals ergänzt, erläutert der zuständige Bauoberrat Matthias Geitz auf Nachfrage. Man verfolge mit dem Projekt, das als Baumaßnahme der ersten Dringlichkeit gilt, mehrere planerische Ziele, unter anderem eine Verlagerung des Schwerlastverkehrs aus dem Ort raus und eine "größtmögliche Entlastung der Dörfer Schwaberwegen und Moos". In der Betrachtung und Abwägung der verschiedenen Varianten, urteilt Matthias Geitz, habe sich die Westumfahrung "als diejenige Variante herausgestellt, mit der die Planungsziele am besten erreicht werden. " Ein Ausbau der bestehenden Staatsstraße 2080 - wie vom Bund Naturschutz ins Spiel gebracht - sei "aufgrund der beengten Verhältnisse der Ortsdurchfahrt nicht möglich", so der Bauoberrat.

Noch bis Freitag, 11. Oktober, dauert die vierwöchige Auslegung der Planungsunterlagen in den Gemeindeverwaltungen von Forstinning, Anzing und Markt Schwaben sowie im Ebersberger Landratsamt. Während dieser Zeit können Einwände vorgebracht werden - wozu der Bund Naturschutz seine Anhänger nachdrücklich aufruft.

Andre Paul