Kelheim

Kämpfer für Freiheit und Demokratie

05.07.2010 | Stand 03.12.2020, 3:53 Uhr

Mit Dietrich Bonhoeffer befasst sich eine Ausstellung, die noch bis 9. Juli im Kelheimer Einkaufszentrum zu sehen ist. Im Bild der Bundestagsabgeordnete und SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold, der die Festrede bei der Eröffnung hielt. - Foto: jbd

Kelheim (DK) Im ersten Stock des Kelheimer Einkaufszentrums ist anlässlich des 65. Todestages des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der im Zweiten Weltkrieg für Freiheit und Demokratie eingetreten ist, eine Ausstellung über dessen Leben und Wirken zu sehen. Sie ist noch bis 9. Juli zugänglich.

Obwohl die Ausstellung vom SPD-Arbeitskreis Labertal in Zusammenarbeit mit den evangelischen Kirchengemeinden inszeniert und in der Kreisstadt von den SPD-Ortsvereinen Kelheim und Saal präsentiert wird, werden keine parteipolitischen Ziele verfolgt, heißt es. Ausdrücklich richte man sich auch an interessierte Schulklassen.

Die Szenerie in der verstärkt für Ausstellungen genutzten Fläche zwischen Schuhgeschäft und Reisebüro zog bei der Ausstellungseröffnung neugierige Blicke auf sich. Es kommt ja auch nicht alle Tage vor, dass an einem belebten Einkaufssamstag rund 30 Sozialdemokraten das Lied "Von guten Mächten" anstimmen und anschließend der Bundestagsabgeordnete und SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold als Festredner das Wort ergreift.

Mit der Ausstellung, deren Eröffnung mit einer Kranzniederlegung durch die Landtagsabgeordneten Reinhold Perlak und Bernhard Roos an der KZ-Gedenkstätte im Friedhof von Saal verbunden war, soll an das Martyrium des Christen im Widerstand erinnert werden. Die sachliche und engagierte Gestaltung lasse für jeden Betrachter genug Raum, sich ein eigenes Bild über den evangelischen Theologen zu machen.

Kelheims Vize-Bürgermeister Franz Peter Sichler (SPD) schilderte den Lebens- und Leidensweg Bonhoeffers. Wie weiter erklärt wurde, sei die Station in Kelheim Teil der bis November dauernden Bonhoeffer-Wochen. Die Wanderausstellung wurde im Mai in Geiselhöring erstmals gezeigt und ist in den nächsten Wochen auch in Abensberg und Mallersdorf zu sehen.

Wie Sichler im Beisein von Reinhard Schwikowski, dem Vorsitzenden der Saaler SPD, erklärte, wolle man zur Rehabilitation Bonhoeffers, der nur 39 Jahre alt wurde, beitragen. Pronold meinte, kaum ein evangelischer Theologe des 20. Jahrhunderts hätte so tief in Kirche und Gesellschaft hineingewirkt wie Bonhoeffer. Eine Demokratie lebe von den Menschen, die sie und ihre Werte mit Nachdruck leben. Pronold erläuterte, warum sie stets in Gefahr sei: Eine seit 1982 andauernde Studie würde belegen, dass etwa zehn bis 13 Prozent der Bevölkerung ein geschlossen rechtsfeindliches Weltbild hätten, weitere 30 bis 35 Prozent seien für rechtsfeindliche Thesen anfällig. Er hoffe, dass sich die Leute während des Einkaufs Zeit nehmen für ein Stück Demokratie, so Pronold. Was ehemalige Häftlinge der Konzentrationslager hinterlassen hätten, sei der Auftrag, für Demokratie zu kämpfen, betonte er.