Neuburg

Junger Flüchtling vergewaltigt

Misshandlung in Asylheim: 18-Jähriger muss zwei Jahre ins Gefängnis

22.04.2016 | Stand 02.12.2020, 19:55 Uhr

Neuburg/Pfaffenhofen (DK) Wegen Vergewaltigung eines 14-jährigen Jungen in einem Pfaffenhofener Asylheim muss ein 18-Jähriger für zwei Jahre ins Gefängnis. Drei Mittäter verurteilte das Neuburger Jugendschöffengericht zu Bewährungsstrafen. Das Opfer und die Täter stammen aus Afghanistan.

Neuburg/Pfaffenhofen (DK) Wegen Vergewaltigung eines 14-Jährigen in einem Asylheim in Pfaffenhofen muss ein 18-Jähriger für zwei Jahre ins Gefängnis. Drei Mittäter verurteilte das Neuburger Jugendschöffengericht zu Bewährungsstrafen. Das Opfer und die Täter stammen aus Afghanistan.

Der Prozess am Neuburger Amtsgericht fand am Donnerstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil der 14-jährige Flüchtling seit der Misshandlung schwer traumatisiert ist. Außerdem sind die Angeklagten noch jung. Staatsanwaltschaft und Verteidigung verständigten sich darauf, dass die drei Mittäter im Alter von 16 bis 18 Jahren im Falle von Geständnissen zu Jugendstrafen von jeweils einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt werden.

Damit sollte dem traumatisierten 14-jährigen Jungen, der seit der Tat in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist, eine Aussage erspart bleiben. So kam es dann auch. Alle drei sagten mithilfe eines Dolmetschers auf Dari umfassend aus - und belasteten den 18-jährigen Haupttäter dabei schwer.

Mitte Dezember vergangenen Jahres hatten die fünf Afghanen demnach in der Pfaffenhofener Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Alkohol getrunken. Laut Gerichtssprecherin Celina Nappenbach hatte der 18-Jährige den Jüngsten irgendwann aufgefordert, ihn oral zu befriedigen. Als dieser sich weigerte, sei er dazu gezwungen worden, die drei anderen hielten ihn fest.

Die vier Aggressoren schlugen ihrem jüngeren Opfer auch ins Gesicht, was vor Gericht als gefährliche Körperverletzung gewertet wurde. Der Haupttäter versuchte den 14-Jährigen auch anal zu vergewaltigen, was aber offenbar an der starken Gegenwehr scheiterte. Andere Bewohner des Flüchtlingsheimes hätten die Schreie gehört, weshalb die Täter von ihrem Opfer abließen, so Nappenbach.

Die Polizei nahm die vier jungen Männer fest. Zwar waren alle Beteiligten laut den Streifenbeamten angetrunken, von einer eingeschränkten Schuldfähigkeit ging das Gericht aber nicht aus.

Staatsanwalt Gerhard Reicherl forderte für den Haupttäter eine Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Dessen Verteidiger plädierte für eine Bewährungsstrafe. Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Gerhard Ebner verurteilte den 18-Jährigen zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe. "Der Angeklagte war klar derjenige, von dem die Initiative ausgegangen war", erklärte Ebner die Entscheidung. Alle vier Angeklagten hätten vor Gericht eingeräumt, dass sie sich falsch verhalten haben. "Den Angeklagten ist klar, dass das, was sie getan haben, schlimm war", so der Jugendrichter.

Alle fünf afghanischen Flüchtlinge waren seit einem halben bis einem Jahr in Deutschland. Ob die Verurteilten - insbesondere der 18-jährige Haupttäter - nun mit einer Abschiebung rechnen müssen, muss jetzt das Verwaltungsgericht klären.