Ilmmünster
Jetzt bläst er anderen den Marsch

<DK-XY_trifft>ABSCHIED VOM AMT:</DK-XY_trifft> Nach 24 Jahren nimmt Anton Steinberger in Ilmmünster seinen Hut - und will mehr Musik machen

04.05.2020 | Stand 02.12.2020, 11:25 Uhr |
Etappen aus gut zwei Jahrzehnten: Das neue Rathaus wird 2013 eingeweiht (großes Bild), seinen 60. Geburtstag feiert Anton Steinberger unter anderem mit seinen Mitarbeitern (links). Im Amt ist er seit seiner Vereidigung 1996 (kleines Bild). −Foto: Lodermeyer, Münch, Hipp

Ilmmünster - Viermal haben die Ilmmünsterer Anton Steinberger ins Amt gewählt, nach 24 Jahren heißt es für den Bürgermeister nun allerdings Abschied nehmen.

Er hat sein Büro geräumt und macht Platz für seinen Nachfolger Georg Ott - der in große Fußstapfen tritt, wie er selbst sagt.

In gut zwei Jahrzehnten hat Steinberger die Gemeinde regiert - und in dieser Zeit vor allem baulich einiges verändert. Ein neues Rathaus, der Schulhausanbau, ein Supermarkt, ein Kinderhaus, Kanäle in den Ortsteilen und vieles mehr stehen auf der Bilanz des Ilmmünsterers. Wenn er selbst zurückblickt, sagt Steinberger: "Ich habe dieses Amt immer gerne ausgeübt und war mit großer Leidenschaft dabei. " Doch irgendwann sei es genug. "Es waren aber nicht nur schöne Zeiten. Gerade die letzte Periode war die schwierigste", sagt er mit Verweis auf die teils aggressiven Diskussionen rund um mögliche Windräder auf Gemeindegrund und auch mit Blick auf die Asylthematik.

Als Steinberger 1996 ins Amt gewählt wurde, gab es in der Verwaltung genau einen Computer. Den nutzte der damalige Geschäftsleiter Wolfgang Lausecker allerdings eher als Schreibmaschine, denn als tatsächlichen Rechner. Inzwischen seien die PCs aus der Verwaltung nicht mehr wegzudenken, so Steinberger.

Ein erstes großes Thema war in der ersten Amtszeit der Platzmangel an der Schule. "Wir waren damals noch Grund- und Teilhauptschule", erinnert sich Steinberger. Mitte der 90er war klar: In dem Gebäude an der Freisinger Straße war kein Zimmer mehr frei. "Die Unterrichtsmaterialien lagen sogar auf dem Gang, weil es sonst nirgendwo Platz gab. " Die Gemeinde musste handeln und entschied sich für einen Anbau. "Gott sei Dank haben wir damals nicht kleiner gebaut", sagt Steinberger. Denn auch eine straffere Variante sei vor rund 20 Jahren im Gespräch gewesen. "Wir sind heute wirklich froh, dass wir damals so groß gebaut haben", sagt Steinberger. Denn auch wenn Ilmmünster inzwischen keine Teilhauptschule mehr habe, brauche die Schule die Räume inzwischen für Mittagsbetreuung, offene Ganztagesschule und viele andere Angebote. Ob der Anbau von 1998 auch in einigen Jahren noch passe, bleibe abzuwarten. "Wie es weitergeht, das ist Zukunftsmusik. " Anfang der 2000er wurden außerdem die Turnhalle und das eigentliche Schulhaus auf Vordermann gebracht.

Eine landesweite Anerkennung für die kleine Gemeinde im Ilmtal gab es während Steinbergers zweiter Amtszeit: 2006 holte sich Ilmmünster erst Gold auf Bezirksebene und im Jahr darauf schließlich Silber beim Landesentscheid von "Unser Dorf soll schöner werden". An dem Wettbewerb hatte sich die Gemeinde eigentlich schon immer beteiligt. "Früher war Ilmmünster da immer unter ,ferner liefen' dabei. Beim Kreisentscheid haben wir halt eine Teilnahmeurkunde bekommen", erinnert sich Steinberger. "Aber dann hat mich der Ehrgeiz gepackt. " Denn nach den zahlreichen Maßnahmen rund um die Dorferneuerung ein paar Jahre zuvor und in enger Zusammenarbeit mit den Vereinen und einigen engagierten Ilmmünsterern steckte die Gemeinde viel Zeit in diesen Wettbewerb. Mit Erfolg: "Wenn man bei einem Wettbewerb mit 635 schönen Dörfern aus ganz Bayern eine Silbermedaille gewinnt, ist das ein tolles Ergebnis, auf das die ganze Gemeinde stolz sein kann", freute sich Steinberger im Mai 2007. Auch heute sagt er: "Das war für unsere Gemeinde eine große Auszeichnung. "

Ein beherrschendes Thema vor allem in der dritten und vierten Amtszeit Steinbergers war zudem die Rathausfrage. 2009 arbeitete die Gemeinde noch an einem Konzept, das alte Gebäude zu sanieren. "Das war ein längerer Abwägungsprozess", erinnert sich Steinberger. "Wir haben überlegt, ob wir sanieren, neu bauen, an einem ganz anderen Ort neu bauen. " Denn das bisherige Gebäude war nicht mehr tragbar: Im Keller war teilweise das Grundwasser gestanden, die Bausubstanz sei in schlechtem Zustand gewesen - von der Energiebilanz will Steinberger gar nicht sprechen. "Das Haus war auch für ein modernes Verwaltungsgebäude nicht passend. " Letztlich fiel 2010 die Entscheidung: Das alte Rathaus kommt weg, auf dem Areal - allerdings etwas von der Straße abgerückt - entsteht ein Neubau. "Wir haben jetzt auch einen Vorplatz, den wir auch für unseren Frühlingsmarkt, beim Maibaum oder in der Adventszeit nutzen können. " Zur Einweihungsfeier im Juni 2013 kamen zahlreiche Bürger und Gäste aus anderen Gemeinden.

Kurz zuvor, im Jahr 2010, hatte die Gemeinde außerdem einen eigenen Supermarkt bekommen. "Das war damals vielleicht sogar noch schwieriger als es heute ist", sagt Steinberger.

In der letzten Amtszeit allerdings kam schließlich ein Thema auf, das die Gemeinde zwischenzeitlich zu spalten drohte: Auf Ilmmünsterer sollten Windkraftanlagen entstehen. Die Landkreisgemeinden hatten sich hier auf einen sogenannten Teilflächennutzungsplan geeinigt, um passende Flächen für Windräder zu definieren. "Dann kam ein Investor, der da in Ilmmünster was machen wollte", sagte Steinberger. Der Gemeinderat hatte sich auf Seminaren schon mit der Frage der Erneuerbaren Energien beschäftigt, nun sollte ein Bebauungsplanverfahren klären, was möglich ist. "Es war von Anfang an klar, dass auch die Bürger gefragt werden müssen", sagt Steinberger. "Doch die Bürgerinitiative wollte alles im Keim ersticken. " Die Gemeinde hatte gehofft, mit den Stellungnahmen und Gutachten aus dem Bebauungsplanverfahren eine Grundlage für die Bürger zu schaffen, so dass diese eine Basis für ihre Entscheidung hätten. "Wir wollten den Bürgern diese Infos an die Hand geben, aber die Bürgerinitiative hat ein Bürgerbegehren angestrengt - dadurch war das Bebauungsplanverfahren auf Eis. "

Letztlich entschied sich die Mehrheit der Ilmmünsterer gegen Windräder. "Das ist eine demokratische Entscheidung und wir halten uns auch an dieses Votum", sagt Steinberger. Eigentlich ist das Ergebnis des Bürgerentscheids von 2016 nur ein Jahr gültig und daher schon abgelaufen - aber Steinberger und die Gemeinderäte betonten stets, sich auch weiterhin an diese Aussage zu halten.

Auch wenn er sich für diese Frage einen anderen Verlauf gewünscht hatte, sagte Steinberger heute: "Ich bin mit der ganzen Situation im Reinen. " Auch den teils recht aggressiven Tonfall während der Windkraftdiskussion hat er abgehakt: "Ich habe schon den Eindruck, dass da nichts hängen geblieben ist", sagt er und fügt an: "Der aggressive Ton war nicht angenehm. "

Schon kurz nach dem Bürgerentscheid reichte der Investor allerdings einen eigenständigen Bauantrag beim Landratsamt ein: Nun sind 10-H-konforme Anlagen geplant. "Jetzt ist das Landratsamt zuständig, wir als Gemeinde sind nicht mehr gefragt. " Allerdings verweist Steinberger weiterhin auf den Bürgerentscheid: "Wenn eine Genehmigung käme, müssten wir als Gemeinde unsere rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. " Das Verfahren am Landratsamt dauert derweil noch an: Wie die Pressestelle mitteilt, seien inzwischen nachgeforderte Unterlagen eingereicht. "Da die Prüfung der Genehmigungsvoraussetzungen insbesondere hinsichtlich des Naturschutzrechtes noch nicht abgeschlossen ist, konnte jedoch noch keine Entscheidung getroffen werden", so das Landratsamt.

Während der vergangenen 24 Jahre und auch besonders während der Debatte um die Windräder hat der Gemeinderat stets gut zusammengearbeitet, sagt Steinberger nun zum Ende seiner Amtszeit. Damit ist einer seiner Wünsche zum Amtsantritt 1996 offenbar in Erfüllung gegangen. "Sicher gibt es Kontroversen und vielleicht auch einmal Streit, aber immer sollte die Sache im Vordergrund stehen", sagte Steinberger im Mai 1996. "Es wäre schön, wenn neben einem sachlichen auch ein freundschaftlicher Umgangston herrschen würde. "

Nun verabschiedet er sich zumindest aus der Gemeindepolitik - noch einmal mit einer kleinen Neuerung. Denn die letzte Gemeinderatssitzung fand wegen des Coronavirus in der Schulturnhalle statt. "Das war der sechste Ort in meiner Zeit", erinnert sich Steinberger. Das alte Rathaus, das neue Rathaus, die alte Aula sowie die neue, dann auch mal im Feuerwehrhaus - und nun eben in der Turnhalle.

Im Kreistag engagiert sich Steinberger weiterhin und auch beim Verein Hilfe für das behinderte Kind gehört er die nächsten zwei Jahre noch fest mit zum Team. Für seine Freizeit werde ihm aber sicher nicht langweilig. "Ich gehe davon aus, dass meiner Frau da einiges einfällt", sagt Steinberger. Schließlich sei er jetzt 24 Jahre in Freizeitfragen abstinent gewesen. Vielleicht geht es - nach Corona - auch einmal auf Reisen. "Ich war die letzten 24 Jahre nicht wirklich viel im Urlaub", sagt Steinberger. "Aber ich bin auch einer, wenn ich unseren Kirchturm nicht mehr sehe, habe ich ein emotionales Defizit. "

Spätestens seit seinem 60. Geburtstag hat der Ilmmünsterer außerdem ein neues Hobby: Seine Mitarbeiter hatten ihm da Musikunterricht und ein Leihinstrument gesponsort, inzwischen spielt Steinberger begeistert Tenorhorn - und hatte auch schon einen öffentlichen Auftritt beim Seniorennachmittag. "Da bin ich immer noch mit großer Leidenschaft dabei. " Wer weiß, vielleicht gibt es in Ilmmünster künftig ein Bürgermeisterduo: Schließlich ist auch Steinbergers Nachfolger Ott musikalisch - ein gemeinsamer Auftritt bei einem Seniorennachmittag wäre mit Sicherheit ein Erfolg.

PK