Eichstätt

"Interesse an Taekwondo steigt"

Der neue Verbands-Vizepräsident Michael Bußmann aus Eichstätt spricht über seine Ziele

14.11.2012 | Stand 03.12.2020, 0:50 Uhr

Eichstätt (DK) Keine Frage: Eichstätt ist eine Taekwondo-Hochburg. Nicht nur regional, sondern auch überregional ist der PSV schon allein wegen Olympiateilnehmerin Helena Fromm bekannt. Nun vertritt neben Gerd Kohlhofer auch Michael Bußmann (Foto) die Eichstätter im Verbandspräsidium. Der neu gewählte Vizepräsident über . . .

n . . . die Gründe, warum er sich für das Präsidium zur Verfügung stellt: Ich möchte einiges im Lehr- und Prüfungswesen ändern. Ich weiß, dass wir zwar einerseits einen leichten Mitgliederschwund haben, aber andererseits das Interesse an unserer Sportart wächst.

n . . . seine erste Amtshandlung: Als erstes werde ich die Prüfungsordnung gründlich überarbeiten. Die ist bei uns sehr bürokratisch, unübersichtlich und viel zu personalaufwendig. Kleine Vereine können so eine Gürtelprüfung aufgrund der vielen Regularien gar nicht anbieten. Die Prüfungsordnung umfasst 60 Seiten, da muss sich ein Amateurtrainer erst einmal durchwühlen. Wenn es ihm irgendwann zu dumm wird, wandert er zu einem freien Verband ab. Es gibt keinen Grund, dass wir in Deutschland bei Prüfungen höhere Maßstäbe setzen als der Taekwondo-Weltverband.

n . . . die Probleme im Lehrwesen: Es fehlt vor allem an speziellen Schulungen für das Jugend-, Behinderten- und Seniorentraining. Die Trainer müssen genau auf diese Zielgruppe eingehen können. Da sind andere Kampfsportarten viel weiter. Außerdem müssen die Prüfungsrichtlinien so modifiziert werden, dass auch ein Senior den Mut hat, sich den Gürtelprüfungen zu stellen. Es kann nicht sein, dass sich ein 60-Jähriger mit 20- oder 30-Jährigen messen muss.

n . . . die Zukunft des Taekwondos in Deutschland: Wir wollen von unserer derzeitigen Mitgliederzahl um 20 000 auf 80 000 wachsen. Wir hatten schon einmal fast so viele, und da will ich wieder hin. Es kann nicht sein, dass die Mitglieder weniger werden, denn die Sportler sind ja da. In Bayern beispielsweise gibt es 10 000 Taekwondo-Kämpfer, die nicht in unserem Dachverband gemeldet sind, sondern diversen Kampfsportschulen angehören.

n . . . die große Anzahl der nicht im Verband organisierten Taekwondo-Schulen: Theoretisch kann sich jeder einen schwarzen Gürtel umhängen und eine Kampfschule aufmachen. Was und wie man trainiert und ob das gesund ist oder nicht, das ist von der individuellen Qualifikation des Trainers abhängig. Aber das ist nicht der eigentliche Grund. Manche Sportler und Trainer haben sich in der Vergangenheit einfach ungerecht behandelt gefühlt, andere hatten das Gefühl, sie bezahlen nur an den Verband, und es tut sich nichts. Diejenigen, die aus Frust zu den offenen Verbänden gegangen sind, kann man sicher zurückholen. Das ist mit ein Grund, warum ich mich zur Verfügung gestellt habe. Ich will mit den anderen Präsidiumsmitgliedern frischen Wind ins Taekwondo reinbringen.

n . . . sein persönliches Anliegen als Vizepräsident: Das ist die Gewaltprävention. Wie schaffe ich es im Alltag, dass Auseinandersetzungen nicht in Gewalt umschlagen? Gerade als Kampfsport sind wir hier in der Verantwortung. Wir wollen unseren Trainern außerdem Zusatzqualifikationen, auch zum Thema Zivilcourage, anbieten.

n . . . den Stellenwert des Breitensports: Letztlich kommen alle Profis aus dem Breitensport. Irgendeiner muss diese schließlich ausbilden. Und ohne eine große Masse an Breitensportlern bekommt man auch keine guten Spitzensportler. Ich bin selbst Trainer eines breitensportorientierten Vereins. Mir gefällt es, wenn die Leute Spaß an der Bewegung und am Sport haben. Profi zu sein, hat dagegen oftmals nicht mehr so viel mit Spaß zu tun.

n . . . den Nutzen des PSV Eichstätt von seinem neuen Amt: (lacht) Ich weiß nicht, ob es da einen gibt. Eigentlich habe ich jetzt weniger Zeit für den PSV. Wenn ich recht überlege, haben meine Sportler von meinem Amt so direkt eigentlich gar nichts.

Das Gespräch führte

Gerd von Kapff