Eichstätt

Ingwerisierung statt Islamisierung

Stefan Kröll präsentierte auf der Gutmann-Bühne sein aktuelles Programm "Gruam"

27.02.2019 | Stand 02.12.2020, 14:33 Uhr
Fausts Dialog mit Mephisto rezitierte der Kabarettist Stefan Kröll mit einer Perchtenmaske. −Foto: Buckl

Eichstätt (EK) Im Rahmen der Kabaretttage kam Stefan Kröll nach Eichstätt. In seinem Programm lässt er Faust mit einem Perchten-Mephisto sprechen und geht der makaber anmutenden Frage nach, in welcher Reihenfolge der bayerische Hias denn nun getötet wurde.

Wann gilt man in einem 87-Seelen-Dorf als Künstler? Eigentlich gar nicht, es sei denn, man umwickelt sich mit einem Schal, um dann scheel beäugt zu werden. Klarer sind die Kriterien in München: Wer als Künstler gelten will, muss ein abgebrochenes Studium vorweisen können. Das sind Einsichten, die der oberbayerische Kabarettist Stefan Kröll verbreitet - in seinem aktuellen Programm "Gruam - Bayern von unten". Am Sonntag gastierte er damit im Rahmen der Eichstätter Kabaretttage vor einem gut gefüllten Saal auf der Bühne im Wirtshaus "Zum Gutmann".

Was Kröll zu bieten hat, ist unterhaltsames Kabarett, nicht ganz frei von Kalauern, aber auch gespickt mit Wortwitz und Pointen, wobei sogar klassische Bildung aufscheint, wenn er Fausts Dialog mit Mephisto in Form einer Perchtenmaske rezitiert, jene Stelle, wo ein Pentagramm den Teufel am Verlassen des Studierzimmers hindert, oder wenn er Bezüge zwischen Karl Moor aus Schillers "Räubern" und dem bayerischen Hias herstellt, bei dessen Hinrichtung Krölls Bühnenfigur die Tötungsarten durcheinanderbringt: In welcher Abfolge wurde der Hias nun gehenkt, gevierteilt, geköpft und in eine Kuhhaut eingenäht? Und wann wurden ihm dabei alle Knochen gebrochen?

Weitere Figuren aus der "Gruam", eine Metapher für die verdrängte oder totgeschwiegene Erinnerung an "das, was nur in Sagen, Mythen oder Verschwörungstheorien überlebt", sind die Betrügerin Adele Spitzeder, die mit einer Privatbank viele Anleger übers Ohr haute - oder die heilige Afra von Augsburg, die im vierten Jahrhundert zunächst als Prostituierte wirkte.

Bayerische Mythen stehen im Mittelpunkt dieses Programms, in dem es um schwarze Hunde und weiße Frauen geht, oder eben auch schwarze - wie die "Trud", eine stinkende Gestalt, die sich nachts dem Bett annähert - "für manche Ehefrauen ist das keine Besonderheit!". Und die Rede ist vom Untersberg in den Berchtesgadener Alpen, in dessen Höhlen Kaiser Karl bis heute ausharre, dem der Bart schon zweimal um den Tisch gewachsen sei: Dann wechselt der Schauplatz zum Bayerischen Wald, wo im Lallinger Winkel viele Rehe zusammengefahren werden - "da muss ein Fahrschüler bei der Prüfung auch Rehe ausnehmen können". Manche Kalauer kann man Kröll verzeihen: Wenn er etwa Zusammenhänge zwischen den heimatlichen Fahrten mit dem Gülle-Fass und der türkischen Gülen-Bewegung herstellt, oder wenn er erzählt, dass bayerische Frauen früher auf Partnersuche drei Tage lang ein Stück Brot unter den Achseln getragen hätten, um es dem Auserwählten dann zu kredenzen. Der Brauch rühre von der Bibel her: "Er nahm das Brot und verteilte es unter den Armen." Solche Witze quittiert Kröll dann selbst mit einem zähneknirschenden Lachen.

Andererseits gefällt sein Wortwitz, wenn er Neologismen schöpft. So habe er "keine Angst vor der Islamisierung Münchens, eher vor Münchens Ingwerisierung", da diese Knolle laut Kröll die Augen aufquellen lässt. "Schaut euch doch den Schuhbeck mal an! Wahrscheinlich konsumiert auch der Özil viel davon!" Krölls dörflicher Kosmos kennt die alte Nachbarin, über die der Vater den Kindern erzählt, "dass die noch vor den Dinosauriern fliehen musste". Nur dumm, dass die Kinder sie dann mit ihrem Dino-Bilderbuch besuchen und fragen, "vor welchem sie am meisten Angst gehabt" habe? Und es gibt die junge Nachbarin, die ihren Bräutigam nach der Heirat über die Schwelle trug - "der brachte sein Leben lang keinen Fuß mehr auf den Boden!" Kröll tritt auch auf als Stimmen-Imitator - und zwar "vom Lageristen der BayWa in Rosenheim". Am Keyboard improvisiert der Künstler über "Riders on the Storm", das er "Gema-frei" spielen darf: "Wenn 30 Prozent der Töne falsch sind, will der Komponist nichts mehr damit zu tun haben." Mitleid erntet Krölls Bühnen-Ich, wenn es sich als Alkoholiker outet: "Bei mir hat der Arzt einen Stempel in den Organspenderausweis gemacht: Ohne Leber!" Mit manchen Pointen kann er überraschen. Wenn etwa vom Braumeister die Rede ist, der pro Monat 15 Kästen Freibier bekommt und daher gefragt wird: "Oho, da musst Du dich ranhalten - und was machst Du mit dem Rest??" Die Antwort: "Den kauf ich im Getränkemarkt!" - Fazit: Ein unterhaltsamer Abend.

Walter Buckl