Vohburg

"Ich begegne hier tollen Menschen"

Regisseur Michael Bleiziffer macht die Arbeit für die Freilicht-Festspiele in Vohburg viel Spaß

12.06.2019 | Stand 02.12.2020, 13:45 Uhr
Mit Herz und Verstand: Regisseur Michael Bleiziffer korrigiert, dirigiert, modifiziert und lächelt während den Proben am Burgberg. Die Schauspieler saugen seine Anweisungen und Ideen auf. −Foto: Konze

Vohburg (DK) Heute in zwei Wochen geht die Premiere über die Bühne.

So befinden sich die Akteure der Vohburger Freilicht-Festspiele im Endspurt. Immer mittendrin: Michael Bleiziffer, der in Vohburg schon zum dritten Mal Regie führt. Der 65-Jährige war Spielleiter am Ingolstädter Theater von 1982 bis 1995, und von 1996 bis 2012 Oberspielleiter des Schauspiels am Regensburger Theater. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er vom Reiz der Aufführung auf dem Burgberg, von engagierten Amateurschauspieler und spricht auch von seinen Lieblingsszenen in "Mit alle Wasser gwaschn" .

Herr Bleiziffer, wie läuft es mit den Proben?
Michael Bleiziffer: Anstrengend, aber sehr schön. Freilicht hat natürlich eigene Gesetze, weil es im Freien stattfindet. Mal regnet es, mal ist es schön. Ja, es ist anstrengend.

Weil die Truppe auch so groß ist?

Bleiziffer: Natürlich, ich muss alles koordinieren, die kreativen Erfindungen brauchen auch ihren Raum. Es ist einfach aufwendiger als eine normale Inszenierung.

Sind Sie mit Ihrer Truppe im Zeitplan?
Bleiziffer: Ja. Zumindest hoffe ich es. Seit einer Woche proben wir Abläufe, nicht nur einzelne Szenen. Erster Teil im chronologischen Ablauf, dann der zweite.

Muss etwas besonders geprobt werden - so wie beim Fußball Freistoß oder Elfmeter?
Bleiziffer: Alles. Nein, das war ein Spaß. Bei den Schauspielern hier handelt sich zwar nicht um Profis, aber es muss nichts besonders geprobt werden. Für mich ist es eine ganz normale Probenarbeit.

Hat etwas besonders oder überraschend gut geklappt?
Bleiziffer: Ich war nicht überrascht. Denn ich kenne die Truppe inzwischen schon seit vier Jahren. Ich begegne hier tollen Menschen, die alle willig sind und etwas wollen. Hier musst Du niemanden motivieren, eher vielleicht bremsen. Das ist schön. Als Abwechslung zu meiner anderen Theaterarbeit macht es mir riesig viel Spaß.

Das Stück spielt in der Jetzt-Zeit. Hat das Vorteile?
Bleiziffer: Die Vorlage für das Stück ist der "Volksfeind" von Henrik Ibsen. Es ist ein politisches Stück, ein gesellschaftskritisches. Daher ist es ein Vorteil, dass es in der Jetzt-Zeit spielt. Es geht darum: Wie passen wir auf unsere Natur auf. Es wird zwar ein unterhaltsamer Abend. Versprochen. Aber er transportiert einen sehr ernsthaften Inhalt.

Sie sind nun schon das dritte Mal als Regisseur eingebunden: Was ist so besonders an Vohburg, dass Sie wieder Regie führen?
Bleiziffer: Hier geht für mich eine wahnsinnige Faszination aus. Es beginnt mit den Menschen, mit denen ich zu tun habe. Nicht nur mit den Verantwortlichen, sondern mit allen Beteiligten. Dann ist es das Ambiente auf dem Burgberg. Das schreit regelrecht nach Freilicht. Ich habe zu meiner Zeit in Ingolstadt alle Freilicht-Inszenierungen im Turm Baur gemacht, dann zehn Jahre in Regensburg. Mich fasziniert Freilicht. Aber in Vohburg ist es etwas ganz Besonderes. Auch die Lust, mit der die Menschen das hier machen, fasziniert mich.

Sie sind Profi, hier sind aber nur Amateure am Werk - ist das ein angenehmeres Arbeiten für Sie, weil sie von allen Schauspielern akzeptiert werden?
Bleiziffer: Die Profischauspieler akzeptieren mich auch, sonst haue ich auf den Tisch. Egal, ob man mit Profis oder Amateuren zusammen arbeitet. Für mich ist die Qualität der Erfindungen wichtig, die man anhand des Textes machen kann. Das ist entscheidend, der kreative Prozess. Die Umsetzung der Ideen, der Innovationen, der Erfindungen ist etwas anders als im Profitheater. Die Profis machen es hauptberuflich und nichts anderes. Da ist die Kommunikation - ohne dass ich es wertend meine - auf einem anderen Level.

Aber es gibt jetzt bei den Proben keine Schauspieler, die irgendetwas nicht gut finden, was Sie machen?

Bleiziffer: Nein, nein. Ich bin der Regisseur, und der Regisseur ist der Chef. Ich war 14 Jahre in Ingolstadt, 12 Jahre in Regensburg. Im Profitheater gibt es manchmal, wenn man Pech hat, schon Unstimmigkeiten oder auch mal unzufriedene Leute. Diesen Eindruck habe ich in Vohburg nicht. Alle, die hier teilnehmen, machen es freiwillig und haben - wie schon erwähnt - spürbar Lust am Theaterspielen. Das ist sehr angenehm.

Zwei Wochen vor der Premiere, sind alle Szenen fix - oder kann es noch die ein oder andere Korrektur geben?
Bleiziffer: Das ist der Unterschied zum professionellen Theater. Ich bin gewohnt, ein Fundament zu bauen und dann entwickle ich das Ganze. Hier sieht es ein bisschen anders aus. Ich habe den Eindruck, viele Szenen habe ich am Schreibtisch entwickelt und bei den Proben vermittelt. Es wird immer eine Entwicklung geben. Aber groß etwas verändern wird sich jetzt bestimmt nichts mehr. Nun geht es darum, dass alle, die mitmachen, an Souveränität und an Sicherheit gewinnen. Die Szenen sind alle angelegt und werden auch so stattfinden. Natürlich werde ich dennoch das eine oder andere weiterentwickeln. Gerade in den Abläufen. Es ist nichts Grundlegendes, eher sind es Nuancen.

Haben Sie schon eine Lieblings-Szene - ohne dass Sie zu viel verraten?

Bleiziffer: Ich kenne die Autoren ja schon seit Jahren sehr gut, habe schon viel mit ihnen zusammengearbeitet. Und da gibt es schon den ein oder anderen Einfall ihrerseits. Zum Beispiel die Kreitmeierinnen. Da könnte ich mir vorstellen, das noch Wochen lang weiterzuentwickeln. Aber das Entscheidende ist für mich etwas anderes.

Und was?

Bleiziffer: Die Begegnung dieser beiden Brüder, was die Autoren vom "Volksfeind" übernommen haben. Hier prallen zwei Welten aufeinander: zwei Brüder. Wovon einer die wirtschaftlichen Interessen der Gemeinde vertritt, der andere für die Gesundheit der Gemeinde, für die Natur eintritt. Am Schluss - auf meine Idee bin ich ganz stolz, und im Theater ist so etwas möglich - schaffen wir eine Utopie. Dass wirtschaftliche Interessen und der verantwortungsvolle Umgang mit den Natur Hand in Hand gehen.

Das Gespräch führte

Oliver Konze