Karlskron

Hymnus der Heimat

Martin Bernreuther weiht Karlskroner Orgel mit Willi Vogls Komposition "Dahoam" ein

29.01.2017 | Stand 02.12.2020, 18:44 Uhr

Ein Werk voller Glück: Martin Bernreuther spielte die Uraufführung von Willi Vogls "Dahoam" an der neuen Orgel. - Foto: Schittenhelm

Karlskron (DK) Organisten und Orgelbauer sprechen augenzwinkernd vom wichtigsten Register der Orgel: der Akustik des Raumes. In der Katholischen Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit in Karlskron, wo am Wochenende die neue Orgel mit einem Festkonzert eingeweiht wurde, ist die Akustik in der Tat erstaunlich. Denn die Basilika hat ungewöhnlich wenig Hall, kaum mehr als ein gewöhnlicher Konzertsaal. Die Orgeltöne der Firma Armin Hauser aus Kleindöttingen in der Schweiz werden kaum merklich zurückgeworfen, vermischen sich nur wenig mit dem ursprünglichen Klang, verwischen ihn allenfalls unmerklich. Sie stehen gleichsam wie starre, metallartige Gebilde im Raum, haben einen klar definierten Anfang und Ende. Anders als etwa die ebenfalls noch ziemlich neue Bachorgel im Ingolstädter Münster, bei der jeder Ton weich an- und abzuschwellen scheint, wirken die Register kühl und unflexibel. Und ein wenig höhenbetont.

Der Eichstätter Domorganist Martin Bernreuther hatte ein vielseitiges Programm für das Einweihungskonzert am Freitag ausgesucht. Dabei versuchte er offenbar besonders die Stilperioden, die für diese Orgel besonders geeignet sind, in den Vordergrund zu stellen: Werke des Barock, der Klassik und der Frühromantik. Dazu erklang eine Uraufführung, "Dahoam - Hymnen im Moos" des gebürtigen Karlskroner Komponisten Willi Vogl.

Nach einem klangschönen Werk des norddeutschen Barockmeisters Vincent Lübeck machte besonders Antonio Vivaldis "Concerto a-Moll" op. 3 Nr. 6 einen hervorragenden Eindruck (das Violinkonzert wurde von Bernreuther für die Orgel bearbeitet). Denn die Karlskroner Orgel verfügt über ein Rückpositiv, mit dem sich in dieser Kirche erstaunliche konzertante Effekte erzielen lassen. Während die Tutti-Passagen vom großen Werk erklangen, spielte Bernreuther die solistischen Einsätze mit dem Rückpositiv. Durch die besondere Akustik der Kirche ergab sich ein verblüffender räumlicher Eindruck von naher Sologeige und entfernterem Tutti-Orchester.

Eine ähnliche Wirkung erzielte Bernreuther dann mit Wolfgang Amadeus Mozarts "Adagio und Rondo" in c-Moll. Das Spätwerk, das ursprünglich für Glasharmonika und Orchester geschrieben wurde, registrierte der Organist so reichhaltig, dass man fast einer Spieluhr zuzuhören glaubte. Schön klangen auch die "Vier Skizzen" von Robert Schumann und die Sonata D-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach. Allerdings hätte man sich noch ein polyfoneres Werk an dem Abend gewünscht (etwa einen Contrapunctus aus Bachs "Kunst der Fuge), um zu zeigen, wie transparent und übersichtlich die verschiedenen Stimmen mit dem neuen Instrument dargestellt werden können.

Immerhin einen ähnlichen Weg geht Willi Vogl mit seinem Werk "Dahoam", in dem er Motive von Bachs Choralvorspiel "Jesus bleibet meine Freude" verarbeitet. Vogl ist ein Stück geglückt, das nicht nur besonders gut komponiert ist, sondern auch ungewöhnlich schön klingt - eine Kombination, die in der klassischen zeitgenössischen Musik nicht allzu oft zu finden ist. Vielleicht hat dieser Charakter etwas mit dem ausgesprochen positiven Verhältnis des Komponisten zu seiner Heimat Karlskron zu tun.

Optimistisch wirken bereits die drei Satztitel: "Trost", "Freude" und "Kraft". In allen drückt sich die Grundstimmung des Bach-Chorals aus, die nicht enden wollende Triolenbewegung der Begleitung, eine Art ewige Glücksmelodie. Auch im Kopfsatz von "Dohoam" schraubt sich eine (milde melancholische) endlose Melodie durch verschiedene Harmonien immer mehr in die Höhe - bis alles fast hymnisch in einem Durakkord endet. Im zweiten Satz wird die (eher verhaltene) Freude durch eine hüpfende Terz charakterisiert. Und im Schlusssatz ballen sich die Kräfte, schwellen angetrieben durch pulsierende Repetitionen zu dramatischen Ereignissen an. Ein Hymnus mit fanfarenartigem Pathos. Und insgesamt ein ungewöhnlich reizvolles Orgelstück, gleichermaßen komplex und polyfon komponiert, eingängig, optimistisch und faszinierend. Ein Werk, das man möglichst bald wieder hören möchte. Bei dem Konzertabend stand also nicht nur ein außergewöhnlich schönes Instrument im Mittelpunkt, das für polyfone und konzertante Werke hervorragend geeignet ist, sondern auch die Wiederbegegnung mit einem herausragenden Komponisten, den seine Heimat leider in den vergangenen Jahren fast ein wenig aus den Augen verloren hatte.