Sechsfachmord jährt sich
"Hinterkaifeck": Schauriger Stoff vor Freilicht-Kulisse

Das Neuburger Volkstheater führt in diesem Sommer ein ganz besonderes Theaterstück im Haus im Moos auf

04.03.2022 | Stand 23.09.2023, 0:03 Uhr |
Sechs Menschen starben vor 100 Jahren im Einödhof Hinterkaifeck bei Gröbern. Das Neuburger Volkstheater widmet sich dem Stoff im Sommer. −Foto: DK-Archiv/Stark

Neuburg/Kleinhohenried - Ende März jährt sich der blutige und bis heute nicht aufgeklärte Sechsfachmord auf dem Einödhof Hinterkaifeck zum 100. Mal. Aus diesem Anlass führt das Neuburger Volkstheater ab 8. Juli "Die Lerche von Hinterkaifeck" vor dem Öxler-Hof im Freilichtmuseum Haus im Moos auf. Viel vom Inhalt wollte der Verein bei der Pressekonferenz am Freitag nicht verraten - außer, dass es schaurig wird.

"Es geht um Inzest, um Vergewaltigung und um Mord", sagte Oliver Vief, der Regisseur des Stücks. Und ein bisschen was von der Gewalt werde auch auf der Freilichtbühne im Karlshulder Ortsteil Kleinhohenried zu sehen sein. Deswegen ist das Stück auch erst ab 16 Jahren freigegeben. Zusätzlich gebe es beim Kauf der Karten eine Warnung, dass dieses Stück nichts für zarte Gemüter sei, ergänzte die Vereinsvorsitzende Daniela Zimmermann.

Damit betreten die ambitionierten Amateur-Theatermacher durchaus Neuland. Zwar habe man schon mehrere Stücke gezeigt, bei denen es nicht nur heiter zugegangen und auch der eine oder andere Mord passiert sei, sagte Vief. "Aber wir haben noch nie überlegen müssen, ab welchem Alter wir ein Stück freigeben."

Vor vier Jahren mit der Planung begonnen

Überzeugt sind sie trotzdem allesamt von dem faszinierenden Stoff, der in diesem Jahr wegen des Jubiläums in mehreren Ausstellungen, Büchern und weiteren Sonderformaten gewürdigt wird. Vor vier Jahren, als noch niemand sonst sich damit befasste, habe er mit den Planungen für die erste Freilichtaufführung des Hinterkaifeck-Stoffes überhaupt angefangen, erzählte der Regisseur. Irgendwann sei er bei seinen Recherchen auf den Roman "Lerchenstimme" des Schweizer Autors Adolf J. Köppel gestoßen. Es gab regen Schriftkontakt, und am Ende hatte Köppel auch die Vorlage für das Theaterstück geschrieben.

Als Spielort schwebte Vief schon länger das Gelände des Hauses im Moos vor, das er gut kennt, da sein Bruder die dortige Gaststätte, den Rosinger Hof, betreibt. Zunächst hatte er das Hofstetter-Anwesen im Visier, doch dort wäre die Installation einer Zuschauertribüne unmöglich gewesen. Und so verständigte man sich auf den Öxler-Hof als Kulisse. Einen besseren Ort könne er sich gar nicht vorstellen, lobte Vief jetzt. "Ich bin selbst total gespannt, was kommt."

Lesung mit dem Autor der Vorlage

Gerade sind die Leseproben angelaufen, unter 2G-Bedingungen, wie Eberhard G. Spieß, der kaufmännische Leiter und stellvertretende Vereinsvorsitzende, erklärte. "Wir müssen schauen, dass das Ensemble gesund bleibt."

Der Kartenvorverkauf hat inzwischen begonnen. Einen Vorgeschmack auf das Stück gibt es am 31. März und 1. April im Rosinger Hof, also an den Tagen direkt vor und nach der Mordnacht. Da liest der Schweizer Autor aus seinem Buch, dazu spielen die Schauspieler eine Szene.

Der Rosinger Hof werde auch Ausgangspunkt der tatsächlichen acht Aufführungen sein, erklärte Spieß. Im dortigen Biergarten beginnt das Stück. Im Anschluss ziehen die Zuschauerinnen und Zuschauer dann Richtung Zuschauertribüne am Öxler-Hof, auf der 646 Menschen Platz finden.

Spieß, Zimmermann und Vief bedankten sich bei Karlshulds Bürgermeister Michael Lederer und bei Museumsleiter Fritz Koch für ihre Kooperation. "So macht's Spaß, wenn man Unterstützung erfährt, ohne lang betteln zu müssen", sagte Zimmermann.

Hilfe vom Karlshulder Bürgermeister

Die Komplimente gebe er gerne zurück, erklärte Lederer. "Ich weiß die Qualität des Volkstheaters sehr zu schätzen." Dazu komme ein Stoff wie Hinterkaifeck, der dann auch noch an einem Ort mit besonderer Atmosphäre aufgeführt werde. "Das wird weit über die Region hinaus Aufsehen erregen", sagte Lederer, der als Vorsitzender des Donaumoos-Stiftungsrats im Namen aller drei Donaumoos-Bürgermeister und als Karlshulder Gemeindechef Hilfe zusagte - etwa beim Befestigen der Zuschauertribüne und beim Beschaffen des Stroms.

Museumschef Koch sagte, auch er freue sich auf das Stück, erklärte aber schmunzelnd: "Ich hätte mir nie träumen lassen, dass mein Öxler-Hof mal durch einen grausamen Mordfall überregional bekannt wird."

Niemand wisse, wie sich die Pandemie bis zum Sommer entwickelt und ob es Auflagen gebe, sagte Spieß. Immerhin sei das Interesse an dem Stück schon jetzt groß. "Im Netz ist sehr viel los. Auch von außerhalb." Er rechne damit, dass sogar der Autor der Vorlage einige Schweizer mitbringt. Denn dort gebe es auch eine große Hinterkaifeck-Fangemeinde - für die die Altersbeschränkung alles andere als abschreckend wirkt.

Der Vorverkauf hat begonnen

? Aufführungen: Das Neuburger Volkstheater führt sein Freilichttheater "Die Lerche von Hinterkaifeck" achtmal im Haus im Moos vor dem Öxler-Hof auf. Premiere ist am 8. Juli. Weitere Termine sind am 9., 14., 15., 16., 21., 22. und 23. Juli. Die Aufführungen beginnen jeweils um 20 Uhr im Biergarten am Rosinger Hof. Einlass ist jeweils ab 18 Uhr.

? Karten: Karten gibt es im Vorverkauf zum Preis von je 27,50 Euro im Internet unter www.nvt-tickets.de sowie bei Ringfoto Spieß in der Weinstraße 121 in Neuburg sowie im Freilichtmuseum Haus im Moos in Kleinhohenried.

? Anfahrt: Natürlich gibt es im Haus im Moos genügend Parkplätze. Doch der Theaterverein befindet sich in Gesprächen mit einem Busunternehmer, der möglicherweise einen Service anbietet, mit dem man innerhalb des Landkreises sternförmig mit dem öffentlichen Nahverkehr zu den Aufführungen fahren kann.

? Lesung: An den vorher genannten Vorverkaufsstellen gibt es auch zwölf Euro teure Karten für die Lesungen mit Adolf J. Köppel, dem Autor der Vorlage, am 31. März und 1. April im Rosinger Hof. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. An beiden Abenden gibt es nur 60 Plätze.

DK

Thorsten Stark