Thalmässing

Heute startet Flieger zur WM in Neuseeland

17.12.2009 | Stand 03.12.2020, 4:24 Uhr

Die Fahne zeigt, wo es hingehen soll: Regina, Lena und Jana (von links) fliegen am heutigen Freitag nach Neuseeland zur Einrad-Weltmeisterschaft. - Foto: Karch

Thalmässing (HK) Auf eine weite Reise gehen heute Abend drei junge Einradfahrerinnen: Jana, Regina und Lena nehmen an der Unicycle Weltmeisterschaft in Neuseeland teil.

Das grüne T-Shirt, das die drei Mädchen tragen, verrät es jedem: Die 17-jährige Jana Lehnert aus Thalmässing, die 16-jährige Regina Schneider aus Großnottersdorf und die 15-jährige Lena Kretschmer aus Thalmässing treten zusammen mit 99 anderen deutschen Teilnehmern bei den Unicycle World Championships in Neuseeland an. Drei Wochen werden sie unterwegs sein, zwei Wochen werden sie sich Tausende Kilometer von zu Hause entfernt mit knapp 700 Einradfahrern aus aller Welt messen.

Jede vier Einräder dabei

Wenige Stunden vor dem Abflug steigt die Nervosität, an zu viele Sachen müssen sie noch denken. So brauchen sie beispielsweise für den Zwischenstopp in Seoul noch Einverständniserklärungen der Eltern mit deren kopierten Ausweisen, damit man sie überhaupt ins Land lässt. Ihre wichtigsten Gepäckstücke allerdings sind inzwischen schon in Oakland gelandet und warten dort, gut verpackt, auf ihre Besitzerinnen. Immerhin eine Woche waren die vier Einräder unterwegs, die jedes der drei Mädchen auf die weite Reise geschickt hat, jeweils drei eigene und ein geliehenes. Zwar hat Jana sogar sieben eigene Einräder und Regina immerhin fünf, doch reine Rennräder mit einem ganz schmalen Reifen sind nicht darunter. "Aber das brauch’ ich als nächstes", kündigt Regina an.

So viele verschiedene Einräder sind nötig, weil es bei diesem Sport unzählige Disziplinen gibt, allein bei der Weltmeisterschaft werden Wettbewerbe in über 20 davon ausgetragen. Nicht bei allen werden die drei Mädchen dabei sein, aber bei rund 15 schon, schätzt Jana. Die Schwerpunkte sind dabei verschieden. Während Regina und Lena auch in der Einzelkür antreten, setzt Jana ihre Hoffnung mehr auf Flat – auf die Tricks. "Im Freestyle ist man gegen die Japanerinnen doch chancenlos", ist sie überzeugt.

Gute Chancen haben die Einradfahrerinnen dagegen in den vergangenen Jahren bei diversen Wettkämpfen im In- und Ausland immer gehabt und sie auch genutzt. Nicht selten führte der auf dem Einrad zurückgelegte Weg direkt aufs Siegerpodest. Kein Wunder, dass das Team als Mannschaft des Jahres bei der Sportlerehrung des Landkreises Roth nominiert ist.

Seit fünf Jahren

Vor fünf Jahren hat die Leidenschaft für diesen Sport begonnen. Den Zeitpunkt weiß Jana noch ganz genau, lag doch an Weihnachten das erste Einrad unter dem Christbaum. Seitdem wurde viel trainiert, zuletzt in den Herbstferien gar in der Quelle-Halle in Fürth, um für die WM fit zu sein. Bei vielen Auftritten verblüfften die Mädchen aber auch ihre Zuschauer mit der Akrobatik, mit der sie mit ihrem Sportgerät umgehen. Die Vielzahl der Auftritte hielt die Einradfahrerinnen aber auch so auf Trab, dass sie inzwischen hart im Nehmen sind. So sind sie im Sommer beispielsweise an einem Tag erst bei der Sportlerehrung der Gemeinde Thalmässing im Freibad aufgetreten, haben gleich danach einen Auftritt beim Betriebsfest von Kama in Grafenberg angehängt und sind von dort zum 24-Stunden-Rennen nach Pocking weitergefahren. Und obwohl sie mit mehreren Stunden Verspätung in diesen Wettbewerb eingestiegen sind, war das Siegertreppchen doch für sie reserviert.

Diese Erfolge und die Leidenschaft, mit der die Mädchen ihren Sport betreiben, hat auch den TV 06 Thalmässing überzeugt: Der Verein wie auch verschiedene Firmen unterstützen den WM-Start finanziell. Eine Firma aus Allersberg hat zum Beispiel für den Transport der Einräder eine spezielle Kiste entworfen, damit die heil in Neuseeland ankommen. Bevor die Räder darin verpackt wurden, haben die Mädchen sie gründlich geschrubbt: Nach Neuseeland dürfen keine Erreger eingeschleppt werden, die sich in Erdresten verborgen halten könnten.

Schulen großzügig

Das Kofferpacken ist gegen das Putzen der reinste Klacks. Allerdings werden die Koffer erst in letzter Minute gepackt, standen doch noch Klausuren an. Die Fachoberschule in Weißenburg, die Jana und Regina besuchen, und die Realschule Hilpoltstein, in der Lena unterrichtet wird, haben sich allerdings sehr großzügig gezeigt. Die Mädchen dürfen insgesamt sieben Schultage fehlen, weil sie erst am 10. Januar zurückkehren. Dafür wurden sogar die Schulaufgaben verlegt. Aber geschrieben werden mussten sie. Nachdem Englisch und Mathe abgehakt sind, hebt heute Abend der Flieger ab Richtung Neuseeland. Dann steht zwei Wochen lang nur Sport auf dem Stundenplan.