Hohenried

Hausbesuch im Bauernhof

17.12.2009 | Stand 03.12.2020, 4:24 Uhr

Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel: Beim Erlebnistag auf dem Schwarzbauer-Hof in Hohenried durften sich hörgeschädigte Kinder mit Mehrfachbehinderung alles ganz genau ansehen. - Foto: oh

Hohenried (oh) Mit Schwein und Kuh auf du und du. Das können seit einigen Tagen 28 Kinder der Tagesstätte und des Internats für hörgeschädigte und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche von Regens Wagner Hohenwart von sich behaupten.

Im Rahmen der Vorbereitung auf ihre Meisterprüfung lud Anita Schwarzbauer aus Hohenried Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren auf ihren Hof ein. An zwei Tagen erwartete die kleinen Bauernhoftouristen ein ganz besonderes Programm: Gemeinsam mit ihren Betreuerinnen Melanie Richter, Gabi Dettke und Elvi Grünwald durften sie in die verschiedenen Bereiche des landwirtschaftlichen Betriebes hineinschnuppern.

Gleich zu Beginn erlebten die Kinder hautnah, wie eine Rindermast funktioniert. Anita Schwarzbauer erklärte unter anderem, wie die tägliche Fütterung abläuft und welche Pflege ein Rind braucht. Das war natürlich unglaublich spannend und weckte von Anfang an die Neugier der jungen Besucher. Unterstützt durch Gebärden und zahlreiche Veranschaulichungen beantwortete die Gastgeberin geduldig alle Fragen ihres interessierten Publikums.

Beim Rundgang im Schweinestall kamen vor allem die Streicheleinheiten nicht zu kurz. Für viele war das ein einzigartiges Erlebnis. Schließlich bietet sich nicht jeden Tag die Gelegenheit, ein echtes Ferkel aus der Nähe zu betrachten – und ausgiebig zu streicheln.

In der Kartoffelscheune entdeckten die Gäste, dass es einen Unterschied zwischen Speisekartoffeln und Stärkekartoffeln gibt und in der Getreidestation wurden die verschiedenen heimischen Sorten vorgestellt. Wer wollte, durfte zur Krönung sogar frisch gemahlenes Getreidekorn probieren.

Die vielen neuen Eindrücke machten natürlich Hunger. Dementsprechend ging es nach der Hofführung direkt in die Küche. Frisches Brot, süße und pikante Rahmfleckerle standen schon bereit. Und auch hier wurde noch spielerisch gelernt: Beim Brot Backen durften die Nachwuchsbäcker sowohl Sauerteig als auch typische Brotgewürze kosten. Mit Begeisterung legten alle Hand an – viele von ihnen zum ersten Mal. Um so besser schmeckten die selbst zubereiteten Backwaren.

"Die Idee für diese Aktion kam mir bei einem Praktikum bei Regens Wagner", sagt Anita Schwarzbauer. "Für die Kinder wäre ein Ausflug auf einen Hof eine tolle Sache. Viele von ihnen kennen die Landwirtschaft nur aus dem Schulbuch."

Den speziellen Ansprüchen und Wahrnehmungen ihrer Besucher trug die Gastgeberin in ganz besonderer Weise Rechnung. Bei jeder Station wurden gleich mehrere Sinnesorgane angesprochen: Nach Herzenslust durfte probiert, gefühlt, geschnuppert und getestet werden.

Mit dem Pilotprojekt will sie "vor allem Erfahrungen im Umgang mit hörgeschädigten Kindern mit Mehrfachbehinderung sammeln, da die Aufbereitung der Lerninhalte für diese Zielgruppe viel komplexer als für Kindergarten und Schulkinder" sei, meint Anita Schwarzbauer. "Wer weiß, wo mich der Weg später einmal hinführt, wenn meine Kinder größer sind", verriet sie, als ihre Besucher wieder Richtung Heimat fuhren.